Interview

„Ich habe keinen Plan“: Pastewka über das Ende seiner Sitcom

Bastian Pastewka erzählt, warum ihn viele Fans mit seinem Fernseh-Ich verwechseln und was sich mit dem Streaming-Boom ändert.

Komiker und Schauspieler Bastian Pastewka.

Komiker und Schauspieler Bastian Pastewka.

Foto: Thomas Banneyer / dpa

Berlin. Schluss mit lustig: 15 Jahre lang spielte Bastian Pastewka in der Comedyserie „Pastewka“ einen TV-Entertainer mit Pech in der Liebe – doch jetzt hängt der 47-Jährige sein drolliges Alter Ego an den Nagel. Mit der zehnten Staffel (ab 7. Februar auf Amazon) endet die Saga um den Serien-Pastewka und seine Sippe. In den neuen Folgen kämpft der linkische Held darum, das Herz seiner Ex-Verlobten Anne (Sonsee Neu) zurückzugewinnen, und es gibt Gastauftritte von Stars wie Anke Engelke.

Berliner Morgenpost: Herr Pastewka, die neue Staffel Ihrer Serie „Pastewka“ ist auch die letzte. Warum hören Sie auf?

Bastian Pastewka: Es gab eine Anhäufung von runden Zahlen, die uns das Ende versüßt hat: zehn Staffeln, 15 Jahre und 99 Folgen. Es passt doch einfach perfekt zum Geist unserer Serie, die 99. Folge zu machen und die 100. nie zu erreichen (lacht).

Im Mittelpunkt der Serie stand stets eine fiktionalisierte Version Ihrer selbst, ein linkischer, unreifer Egozentriker, dem alles misslingt. Haben die Zuschauer Sie und diesen Bastian gleichgesetzt?

Ja, aber darüber würde ich mich nie beschweren. Wir haben ja alles getan, um das zu erreichen. So lange das Publikum sich fragt: „Ist der wirklich so oder spielt er das nur?“, bleibt die Serie interessant. Ich kann selber nicht mehr sagen, wo der eine anfängt und der andere aufhört, weil ich auch einen Großteil meines privaten Humors in die Figur hineingelegt habe. Übrigens haben vor 20 Jahren auch viele Zuschauer geglaubt, dass ich homosexuell sei, als ich meine Brisko-Schneider-Phase in der „Wochenshow“ hatte.

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Haben Sie viele reale Alltagserlebnisse in die Serie gepackt?

Die Geschichten, die hinter den Kulissen des Fernsehens spielten, waren zwar überzeichnet, aber im Kern wahr. Wenn der Serien-Bastian zu Gast beim „Tatort“ oder der „Lindenstraße“ war, haben wir sehr genau hingeschaut – natürlich mit humoristischer Note. Auch darüber hinaus haben wir reale Dinge verarbeitet. Ein guter Freund von mir hat mir den Satz geschenkt: „Mensch, ich liebe dich, was willst du denn – das haben wir doch besprochen.“ Das hatte er zu seiner Partnerin gesagt, und dieser herrliche Satz wurde natürlich sofort bei „Pastewka“ verwendet.

Welche neuen Pläne haben Sie nach dem „Pastewka“-Aus?

Ich habe keinen einzigen. Ich könnte jetzt kokettieren und Ihnen irgendwas erzählen, dass ich schon was in der Pipeline hätte, aber noch nicht darüber sprechen darf und so ein Unsinn. Aber nein, ich habe nichts Vergleichbares vor mir und bin auch ganz dankbar dafür. Denn das nächste Projekt nach „Pastewka“, das ich in einer solchen Intensität machen dürfte, muss sich schon sehr anstrengen.

Gibt es die Chance, dass Sie es sich irgendwann anders überlegen und mit der Serie zurückkehren?

Ich möchte keine Tür für immer schließen. Aber dass wir nochmal eine ganze Staffel machen, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Das ist jetzt das Ende. Wir machen unser Publikum vielleicht ein bisschen traurig, aber ich bin zugleich sicher, dass wir unsere Fans mit unserer letzten Staffel nicht enttäuschen.

Die Zeiten im Fernsehen haben sich geändert, seit Sie 2005 mit „Pastewka“ angefangen haben…

Viele Menschen, die meine früheren Fernseharbeiten kennen, fragen mich: Warum machen Sie nicht noch mal was wie die „Wochenshow“? Aber das war in der Zeit okay, als das Fernsehen noch Hochamt war und sich über sich selber lustig machen konnte. Das funktioniert in dieser Form heute nicht mehr. Die Wahrnehmung dessen, was momentan wichtig ist und was nicht, hat sich komplett verändert, genauso wie das Fernsehverhalten der Menschen.

Ist der Serienhype bei den Streamingdiensten wie Amazon und Netflix eine Blase, die irgendwann platzt?

Das glaube ich nicht. Wir sind es gewohnt, uns von vorgegebenen Sendezeiten unabhängig zu machen und zu kommentieren, was wir mögen oder nicht. Über die sozialen Medien wird bewertet und geliked. Anstatt eines Quotendrucks hat man als Kreativer jetzt einen Echokammerdruck: Wohin entwickelt sich die Meinung zu etwas, das die User tatsächlich gesehen haben? Das ist eine totale Änderung. Ich glaube, dass Serien in Zukunft viel genauer auf die Erwartungen der Konsumenten zugeschnitten werden, weil die Datenerhebungen das möglich machen.

Sie selber sind mit „Pastewka“ 2018 bei Amazon gelandet. War es der Anbieter, der nun das Aus beschlossen hat?

Nein, wie alles bei „Pastewka“ war auch das eine Gruppenentscheidung. Wir haben überlegt: Wie lange wollen wir die Serie noch weitererzählen? Wir waren nicht der Meinung, dass sie auserzählt sei, aber wir wollten auch nicht in Gefahr kommen, uns irgendwann zu wiederholen. Deshalb haben wir gesagt: Überraschen wir unsere Fans und Freunde doch damit, dass wir aufhören, jetzt wo wir gerade wiedergekommen sind – bevor uns in ein paar Jahren vielleicht freundlicherweise doch jemand absetzt.

Sind Sie persönlich eigentlich auch im Streamingfieber?

Ja. Ich habe mir ohnehin zu allen Zeiten sämtliche technischen Empfangsmöglichkeiten, die es gab, angeschafft, weil ich es spannend fand, Fernsehsendungen zu archivieren. Damals noch auf irgendwelchen schrabbeligen Videokassetten, die ich dann Freunden vorgespielt habe. Ich habe Serien schon gebinged (Anmerkung der Redaktion: Serien in einem durchgucken), als man das Wort noch gar nicht kannte – das sage ich nicht um anzugeben, sondern weil mich Serien mehr interessieren als Kinofilme.

Haben Sie eine Lieblingsserie, die Sie nicht verpassen wollen?

O ja, mehrere. Bei Comedy muss ich „Modern Family“, „The Good Place“ und „Curb your Enthusiasm“ nennen. Derzeit bleibe ich jedoch häufiger in Drama-Serien stecken wie „The Crown“, „Dublin Murders“ oder „Chernobyl“.

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