Mode-Woche

So war die Berliner Fashion Week

Die Berliner Fashion Week fand an einem anderen Veranstaltungsort statt. Es wurde auch ein neuer Schwerpunkt gesetzt. Ein Rückblick.

Erfreuliche Opulenz: Das Berliner Label Danny Reinke zeigt seine Herbst-Winter-Kollektion „Faded Blossom“.

Erfreuliche Opulenz: Das Berliner Label Danny Reinke zeigt seine Herbst-Winter-Kollektion „Faded Blossom“.

Foto: Stefan Knauer / Getty Images for MBFW

Ob in China ein Sack Reis umfällt oder in Berlin Fashion Week ist, interessiere die meisten Menschen in gleichem Maße, fand am Montagmorgen ein großer Radiosender der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt hatte noch kein einziges Model einen Fuß auf den Laufsteg gesetzt. Bedauerlicherweise gehört Fashion-Week-Bashing in Berlin seit Jahren zum guten Ton: keine großen Labels, kein Glamour, keine A-Prominenz.

Nachhaltigkeit war auf der Fashion Week ein Thema

Ob nun in der ersten Reihe eine ehemalige Dschungelcamp-Kandidatin oder ein Hollywoodstar sitzt, ist für die Qualität der Mode tatsächlich aber vollkommen unerheblich. Ein viel wichtigeres Imageproblem, mit dem sich die Branche in diesem Jahr gezwungenermaßen auseinandersetzen musste, ist die Nachhaltigkeit.

Nachdem die Diskussion um Umweltverschmutzung in der Produktion und Fast Fashion auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, erhielt die Messe Neonyt endlich mehr als nur Nischenaufmerksamkeit. Die dazugehörige Schau widmete sich in großen Teilen dem wenig populären Thema Outdoormode. Um so wichtiger, dass auch andere Designer sich dem Umdenken mit veganen Materialien, digitalen Lookbooks und Bio-Giveaways in den Goodiebags annahmen.

Vieles war daneben wie immer bei dieser Berliner Modewoche. Die größte Aufmerksamkeit in den Massenmedien erhielten Labels, die unter einigem finanziellen Aufwand große Namen in ihrer Frontrow platziert hatten. Darunter modisch zweifelhafte Veranstaltungen wie die Präsentation einer Kampagne von Ana Ivanović und Bastian Schweinsteiger für den Bekleidungshersteller Brax. Zur Show von Riani waren deutsche VIPs wie Natalia Wörner, Anna Loos und Sonja Gerhardt gekommen.

Marc Cain inszenierte eine nicht unbeeindruckende 20er-Jahre-Party mit US-Schauspielerin Katie Holmes als Stargast. Gezeigt wurden Karos, Blümchenkleider, Marlenehosen und Culottes. Das tut niemandem weh. Tragbar, könnte man es auch nennen. Weitaus interessantere Entwürfe gab es bei Danny Reinke, Odeeh oder William Fan zu sehen. Verlass war auch auf die Fashion-Week-Wiederholungstäter Kilian Kerner und Marina Hoermanseder. Trotz des verspielten Themas „Bibi Blocksberg“ zeigte Kerner eine erwachsene, urbane Kollektion, die vor allem in der Herrenlinie überzeugte. Hoermanseder setzte neben ihren Signature-Lederstücken auf opulente Couture.

Fashion Week in Berlin: Neue Location mit dem Kraftwerk

Komplett neu war in diesem Jahr die Location. Mit dem Kraftwerk an der Köpenicker Straße haben die Veranstalter der MBFW tatsächlich einen Volltreffer gelandet. Das Gebäude allein ist beeindruckend und taugte zur schönsten Instagram-Kulisse. Daneben stand die Modewoche im Untergeschoss aber auch allen Berlinern offen. Mit einer Fotoausstellung, der Präsentationsplattform Local Heroes, die dem weggefallenen Berliner Modesalon nachempfunden war und einer Liveübertragung aller Schauen hatte das wirklich einen Mehrwert – zumindest wenn man sich wenigstens peripher für Mode interessiert.

Im Sommer ist die Fashion Week an gleicher Stelle zurück (28. Juni - 5. Juli). Bevor gemeckert wird, empfiehlt sich dann also einfach mal ein Besuch.

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