Andreas Püschel

Dieser Mann steckt hinter „Panda, Gorilla & Co“

Der Drehbuchautor von „Panda, Gorilla & Co“ und „In aller Freundschaft“, Andreas Püschel, legt seinen ersten Roman vor.

Durch die Zooserie „Panda, Gorilla & Co. wurde auch Reviertierpfleger Raimon Opitz, hier mit zwei jungen Gorillas, zum Fernsehstar.

Durch die Zooserie „Panda, Gorilla & Co. wurde auch Reviertierpfleger Raimon Opitz, hier mit zwei jungen Gorillas, zum Fernsehstar.

Foto: dpa Picture-Alliance / Kathrin Brunnhofer

Berlin. Deutschlands beliebteste TV-Serie „In aller Freundschaft“, ZDF-“Bergdoktor“, die Krimi-Doku „Verbrechen in Berlin“ oder die Tiersendung „Panda, Gorilla & Co“: Diese vollkommen unterschiedlichen Fernsehformate haben doch eine Gemeinsamkeit. Drehbücher, beziehungsweise einzelne Szenetexte, stammen von Andreas Püschel.

Der Ex-Redakteur des Satireblatts „Eulenspiegel“ arbeitete aber auch für „Hallo Onkel Doc“ (Sat.1) und schrieb mit Schauspielerin Franziska Troegner zwei Bücher. In ein Schubfach lässt sich der Berliner wahrlich nicht stecken. Studiert hat er noch einmal etwas ganz anderes: Jura in Jena. Doch nach dem Abschluss als Diplomjurist wurde er erst einmal Redakteur einer Wochenzeitung.

Im Herbst setzte Andreas Püschel noch einen oben drauf und veröffentlichte seinen ersten Roman „Doppelt währt am längsten“ (Eulenspiegelverlag). In der witzigen Doppelgängerstory liefert der Drehbuchschreiber überraschende Wendungen und zelebriert die deutsche Sprache. Es ist ein köstlicher Roman über einen Rollentausch, der aus dem Ruder läuft.

Der Vater riet zum Studium der Rechtswissenschaften

Filmarbeit und Buch sind gute Gründe, sich mit dem gebürtigen Thüringer zum Gespräch zu verabreden. Die Wahl fällt auf ein Lokal an der Karl-Marx-Allee. Ganz in der Nähe lebte der umtriebige Schreiber vor Jahrzehnten mal. Vom heutigen Wohnort Karlshorst sei das aber nur ein Katzensprung entfernt, sagt Andreas Püschel.

Die erste Reporterfrage drängt sich förmlich auf: Wie in aller Welt wird man nach erfolgreichem Jurastudium Drehbuchschreiber? „Ganz so schnell ging das ja nicht. Eigentlich begann es schon damit, dass ich nicht wusste, was ich studieren sollte. Mein Vater riet zu Jura, ich folgte“, so Püschel. Der spürte den eigenen Worten nach aber schnell, dass Rechtswissenschaften nicht sein Ding sind. Auch DDR-typischer Kastengeist bei Staatsanwaltschaft und Gerichten liegen dem gebürtigen Jenaer nicht. „Das war alles gegen meine Natur. Das merkte ich schnell“, betont der Autor.

Der will sich nach dem Studium als Verlagsjurist bewerben, erfährt jedoch, dass es diese Stelle in der DDR so nicht gibt. Doch der Kontakt zur schreibenden Zunft ist hergestellt. Püschel verfasst Buch-Rezensionen für eine Wochenzeitung. Dass er schreiben kann, weiß er da längst. „Ich hatte gute Deutsch-Lehrer. In Aufsätzen war ich richtig stark“, so der Wahlberliner.

Ausgelastet ist Püschel scheinbar nicht. Unter Pseudonym schreibt er parallel für den im Osten beliebten „Eulenspiegel“. Dort verantwortet er bald die Gerichtsberichte. Andreas Püschels freche und flotte Schreibe spricht sich auch im DDR-Fernsehen rum. „In Adlersdhof bot man mir schließlich an, Moderationstexte für die Samstagabendshow ,Ein Kessel Buntes‘ zu schreiben, beispielsweise für Sängerin und Entertainerin Carry Sass, übrigens eine gebürtige Altlandsbergerin (Märkisch-Oderland, A. d. Red.)“, erinnert sich der Tausendsassa.

Andreas Püschel erlebte eine ungewöhnliche Karriere

Im Café an der Karl-Marx-Allee springt Andreas Püschel zwischen den Zeiten, zwischen Serie und Film, zwischen DDR, BRD und geeintem Deutschland. Noch einen Schluck Kaffee, dann berichtet Püschel weiter über seine ungewöhnliche Karriere. Die beschleunigt er erneut, als er 1986 Erfolgsregisseur Günter Meyer („Spuk unterm Riesenrad“) trifft. Fortan schreibt der Karlshorster auch fürs Kinderfernsehen Drehbücher, unter anderem für „Sherlock Holmes und die sieben Zwerge“ oder „Bahnhof für Robert“. „Letzteres war eine Weihnachtsgeschichte, die übrigens am Bahnhof Wandlitz gedreht wurde.“

Ein anderes Filmset lag mal in Hoppegarten, unweit der bekannten Galopprennbahn. „Das war für ,Jugendanwalt Wolkenstein’ mit Helmut Zierl, eine Sat.1-Serie, für die ich ein Drehbuch beisteuerte.“

Bei diesem Dreh war er dabei, was Produktionsfirmen ansonsten nicht gern sehen. „Schauspieler bekomme ich nur selten zu Gesicht, höchstens zu Weihnachtsfeiern und auf Sommerfesten der Filmfirmen“, plaudert der Drehbuchautor aus dem TV-Nähkästchen. Das Ergebnis seiner Arbeit sehe er meist erst Monate später. „Bei mir daheim im privaten Fernsehgerät“, so die überraschende Auskunft. Eine Art Endabnahme von Filmen oder Serienfolgen mit ihm gebe es nicht. Der 65-Jährige nimmt es locker. Vor Ort am Set stünden ohnehin andere Dinge im Vordergrund, beispielsweise Licht und Wetterverhältnisse. Ihren Text müssten die Filmkünstler dann eh drauf haben.

Zu den Filmfirmen habe er einen guten Draht, sagt Püschel. Das gelte besonders für die Saxonia Media, die den ARD-Dauerbrenner „In aller Freundschaft“ produziert. Schon seit 1999 ist Andreas Püschel als Drehbuchschreiber dabei. Zwar unterliege das Dialogschreiben für TV-Serien heute etlichen Vorgaben. Aber die Arbeit macht Püschel seinen Worten nach immer noch Spaß.

Eine romantische Komödie fehlt noch im Repertoire

Für den Drehbuch-Quereinsteiger wird auch die rbb-Reihe „Täter, Opfer, Polizei“ ein großer Erfolg. Das Kriminalmagazin hob Püschel 1992 mit aus der Taufe. Mit Moderator Uwe Madel schrieb er dazu das an das Sendeformat angelehnte Buch „... und achten Sie auf Ihr Handgepäck!“ Für „Täter, Opfer, Polizei“ hielt der studierte Jurist immer engen Kontakt zu den Brandenburger Polizeipräsidien. Privat ist er bis heute gern in der Mark unterwegs.

„Wir haben Freundschaften im Oderbruch und in Wandlitz, lebten selbst mal im Berliner Umland, in Hoppegarten und Woltersdorf“, erklärt der Autor. Heute fühle er sich allerdings im Karlshorster Kiez am wohlsten. Besonders schätze er die Nähe zur City. Hätte Püschel noch einen Wunsch frei, würde er gern mal das Skript für eine romantische Komödie schreiben. „Das wäre noch so ein Traum, und Ideen hätte ich einige.“k