25 Jahre Cookies

Mit dem Cookies schrieb Heinz Gindullis Clubgeschichte

Heinz „Cookie“ Gindullis ist einer der bekanntesten Menschen des Berliner Nachtlebens. Vor 25 Jahren eröffnete er seinen ersten Club.

Heinz „Cookie“ Gindullis in seinem Restaurant „Crackers“.

Heinz „Cookie“ Gindullis in seinem Restaurant „Crackers“.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Zum Jubiläum wird natürlich gefeiert. An einem Dienstag – so wie früher. Vor 25 Jahren eröffnete Heinz Gindullis, den in Berlin jeder nur Cookie nennt, an der Auguststraße in Mitte seinen ersten Club. Nach zahlreichen Umzügen wurde das „Cookies“ 2001 an der Friedrichstraße Ecke Unter den Linden heimisch. Der gebürtige Londoner, der in den 90er-Jahren nach Berlin gekommen war, und seine Partys waren damals längst legendär.

2014 schloss das „Cookies“ seine Türen und wurde zum Restaurants „Crackers“, das der 45-Jährige bis heute Tür an Tür mit seinem vegetarischen Sternerestaurant „Cookies Cream“ betreibt. Ein Blick zurück auf ein Vierteljahrhundert Clubgeschichte in Berlin.

Berliner Morgenpost: Für die Party zu 25 Jahre Cookies haben Sie ein paar alte Fotos rausgesucht. Mit welchen Gefühlen schauen Sie zurück?

Heinz Gindullis: Ich freue mich. Gleichzeitig sind 25 Jahre für mich gar nicht fassbar. Ich glaube das eigentlich nicht. Da erschreckt man sich kurz. Auch darüber, dass wir mittlerweile so etabliert sind. In den ersten sechs Jahren bin ich sechsmal umgezogen. Die Zeit in jedem Club war deshalb sehr intensiv, und die Gedanken sind noch sehr frisch. Am Anfang hatte ich zwei Mitarbeiter, wenn man das überhaupt so nennen kann. Es waren Freunde, die mir geholfen haben. Jetzt sind wir zwischen 80 und 90. Das ist erstaunlich.

An welchem Punkt hat sich das Gefühl eingestellt, von einem Provisorium zu einer Institution geworden zu sein?

So richtig eigentlich bis heute nicht.

Haben Sie am Anfang gedacht, ich mache das ein paar Jahre und dann kommt etwas anderes?

Ich bin da schon so reingerutscht. Ursprünglich hatte mich ein Freund überzeugt, gemeinsam eine Cocktailbar im Keller an der Auguststraße zu eröffnen. Und der ist dann kurz vorher abgesprungen. Mir hat es dann so viel Spaß gemacht, dass, als wir die Location aufgeben mussten, weil das Haus saniert wurde, mir klar war, dass ich weitermache. Und dann hatte ich Glück, dass ich immer von einer Location zur anderen gekommen bin. Die Location heute habe ich nur, weil ich 2006 für Adidas eine WM-Bar gebaut habe und die Frau des Hotelbesitzers des Westin Grand darüber gelesen hat und dachte, der Ort würde gut zu mir passen.

Können Sie sich an den ersten Cookies-Tag erinnern?

Glasklar. Es war wie immer auch danach: Ich habe Flyer verteilt, Einladungen verschickt, Plakate aufgehängt und dann erst mit dem Umbau angefangen. Ich hatte also sehr viel Druck, wirklich am 18. November zu eröffnen. Am Tag selber war dann noch nichts fertig, es war Chaos. Es stand noch keine Bar, ich habe irgendwo einen alten Kühlschrank organisiert. Tina, die heute noch die Art Direktorin bei mir macht, hat hinter der Bar gestanden.

Und der letzte Tag, bevor Sie den Club geschlossen haben?

Ich wusste ja schon, dass es mit dem Crackers weitergeht. Deshalb war ich in Gedanken schon beim nächsten Schritt. Als ich den Entschluss einmal gefasst hatte, den Club zu schließen, hat es mich sehr viel Energie gekostet, die letzten drei Monate noch hinter mich zu bringen. Jeder, der mal bei uns eine Party veranstaltet hat, wollte noch eine Abschiedsparty machen, wir hatten also drei Tage die Woche auf und ich war jeden Tag da. Das war sehr intensiv. Aber am wirklich letzten Abend war mein Fokus schon woanders.

Im C/O gibt es gerade eine Ausstellung zu Berliner Clubkultur seit Anfang der 90er-Jahre. Dort schwingt ein bisschen Sentimentalität mit über die Stimmung im Nachwende-Berlin, die solche Locations wie die ersten Cookies erst möglich gemacht hat. War damals alles besser?

Früher war es geil und es war anders. Aber ich bin froh, dass Berlin sich verändert hat. So konnte ich mich auch mit verändern. Damals hatte man immer mit der Unsicherheit zu kämpfen, wie lange man in einer Location bleiben kann. Man kannte den Eigentümer meist nicht und blieb einfach so lange, bis man Ärger hatte.

Aber war das nicht der Reiz?

Natürlich. Jeden Abend haben wir so gefeiert als wäre es der letzte Abend. Und dann war man glücklich, wenn man in der kommenden Woche doch noch da war. Heute muss man viel mehr investieren und kann nicht mehr einfach spontan etwas aufmachen. Es ist genauso schwer, eine Location zu finden, aber hinzu kommt der hohe Mietpreis. Dafür hat man dann die Dauer.

Heute ist mehr Bürokratie als Party?

Nicht weniger Party. Aber man muss sehr organisiert sein und kann nicht einfach mal machen. Ich hatte das Glück, mich jahrelang ausprobieren zu können. Ich habe damals als Tellerwäscher gearbeitet und 3000 Mark gespart. Das war mein Investment für meine erste Bar. Was kann man denn heute noch mit 1500 Euro machen? Ein paar Drinks kaufen vielleicht. Und die Gäste haben viel weniger erwartet. Man konnte irgendeinen Raum nehmen, eine schlechte Musikanlage und keine Lüftung. Trotzdem sind die Leute gekommen und hatten Spaß. Wenn heute irgendein Detail nicht stimmt, ist die Party gleich vorbei.

Heute führen Sie ein Unternehmen mit mehreren Restaurants. Überlassen Sie den Business-Part anderen oder haben Sie sich das im Laufe der Jahre erworben?

Ich habe nie einen BWL-Kurs gemacht. Aber ich kann ganz gut mit Zahlen umgehen. Im Schreiben bin ich schlecht, aber Mathe geht gut. Das hilft. Ich habe natürlich aber auch ein Team mittlerweile. Einen Managing Director, der sich um die Zahlen kümmert, Social Media, Kommunikation, HR – das muss man alles professionalisieren. Sonst wird man verrückt.

Lässt sich der Mythos des Cookies heute mit einer Party wie zum 25. Jubiläum wiederbeleben oder ist das etwas komplett Neues?

Sehr schön ist, dass zu solchen Anlässen immer Menschen kommen, die schon von Anfang an dabei sind. Dann stellen wir alle schockiert fest, dass 25 Jahre vergangen sind. Aber mit ein bisschen Nostalgie lässt sich das schon zurückbringen.

Wie würden Sie den Cookies-Spirit beschreiben?

Es gibt ein paar Sachen. Ich mag eine bestimmte Atmosphäre. Für mich war es immer wichtig, wie die Räume beleuchtet sind, damit sie ein gemütliches Gefühl vermitteln. Dann natürlich die Gäste. Wir hatten nie am Wochenende auf, immer Dienstag und Donnerstag. Das heißt, zu uns kamen Menschen, die unter der Woche frei hatten. Künstler, DJs, Musiker … Das war eine besondere Community. Man kannte jeden zweiten, auch wenn wir 1200 Gäste hatten. Und der nächste Tag war immer ein bisschen hart (lacht).

Der Abschied vom Club hin zum Restaurant, hat das mehr mit Ihrer persönlichen Veränderung oder mit der Veränderung Berlins zu tun?

Natürlich nicht damit, dass ich älter werde (lacht). Mitte hat sich vor allem sehr verändert. Hier leben nicht mehr so viele junge Leute, die unter der Woche frei haben. Die Klientel ist etwas gediegener. Und ein Club richtet sich eher an ein Publikum zwischen 18 und 25. Obwohl das früher auch anders war. Da hat man ja bis 35 studiert. Heute hätte ich ehrlich gesagt keine Lust mehr, einen Club aufzumachen. DJ-Booking muss man teilweise eineinhalb Jahre im Voraus planen. Da fehlt mir die spontane Flexibilität.


Kennen Sie sich noch aus in der Berliner Clubszene?

Nein. Es ist ewig her, dass ich irgendwo war. Ich war im Cookies jeden Dienstag und jeden Donnerstag. Ich habe 20 Jahre lang 104 Partys im Jahr erlebt. Das reicht. Es zieht mich da gerade nicht hin. Mir ist der Tag zu wichtig geworden. Ich möchte nicht mehr so feiern, dass ich am nächsten Morgen nicht mehr stehen kann.

Was brauchte es dazu früher? Wann war es eine gute Nacht?

Es war eine gute Party, wenn alle Gäste mit den Händen in der Luft gefeiert und Glück ausgestrahlt haben. Das ging mit vielen und mit wenigen Menschen. Gäste und Musik mussten miteinander reagieren.

Das Crackers gibt es jetzt seit fünf Jahren. Wird es nicht bald wieder Zeit für etwas Neues?

Ich möchte mich immer wieder neu erfinden. Gerade fühlt es sich etwas ruhiger an, aber es gibt zwei, drei Projekte, über die ich nachdenke.

Lesen Sie auch:

Das sind Berlins neue Küchenchefs

Das sind die neuen Sternerestaurants in Berlin