Jüdisches Museum

Maas und Kiefer für Verständigung und Toleranz ausgezeichnet

Außenminister Heiko Maas (SPD) und der Künstler Anselm Kiefer sind vom Jüdischen Museum Berlin für ihr Wirken ausgezeichnet worden.

Heiko Maas (l., SPD), Bundesaußenminister, und Anselm Kiefer, Maler und Bildhauer, bei der Preisverleihung im Jüdischen Museum.

Heiko Maas (l., SPD), Bundesaußenminister, und Anselm Kiefer, Maler und Bildhauer, bei der Preisverleihung im Jüdischen Museum.

Foto: dpa

Berlin. Nachts im Museum trafen sich am Sonnabend mehr als 380 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien an der Lindenstraße in Kreuzberg. Darunter Schauspielerin Iris Berben, Moderatorin Sandra Maischberger und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller. Im Glashof des Jüdischen Museums wurde der Preis für Verständigung und Toleranz an Außenminister Heiko Maas und Künstler Anselm Kiefer verliehen.

Mit der Auszeichnung werden seit 2002 Persönlichkeiten geehrt, die sich auf herausragende Weise um die Förderung der Menschenwürde, der Völkerverständigung, der Integration von Minderheiten und des Zusammenlebens unterschiedlicher Religionen und Kulturen verdient gemacht haben. Der Preis wird traditionell im Rahmen eines festlichen Dinners gemeinsam vom Jüdischen Museum Berlin und der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum Berlin vergeben.

„Heiko Maas hat sich als Politiker und Minister fortwährend für ein vereintes Europa ausgesprochen. Schon früh fand er dabei klare Worte im Kampf gegen den erstarkenden Rechtspopulismus“, sagte Martin Michaelis, Geschäftsführender Direktor des Jüdischen Museums, zur Begründung. „Sein politisches und persönliches Engagement gegen Antisemitismus und sein unermüdliches öffentliches Eintreten für jüdisches Leben in Deutschland hat die Jury beeindruckt.“

Anselm Kiefer setzte sich mit den Verbrechen im Nationalsozialismus auseinander

Anselm Kiefer habe mit seinen monumentalen Arbeiten, in denen er sich intensiv mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinandersetzte, bereits 1969 das Schweigen der Deutschen über den Nationalsozialismus und die Schuld am Holocaust gebrochen. „Durch seine jahrzehntelange Beschäftigung mit verschiedenen Schöpfungsmythen und der jüdischen Mythologie entstanden zugleich Werke, die nicht nur die Kunstwelt begeistert, sondern auch die jüdische Kultur als festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft ins kollektive Gedächtnis zurückgeholt haben.“

„Beide haben sich um das Wiederaufblühen jüdischer Kultur in Deutschland verdient gemacht“, lobte Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien. Die Laudatio auf Maas hielt Autorin Carolin Emcke, auf Kiefer der Filmemacher Alexander Kluge. Deutschland habe sich im Dritten Reich die Hälfte seiner Kultur amputiert, sagte Anselm Kiefer. „Wahrnehmung und Erinnerung, das ist der kleine Beitrag, den meine Bilder leisten können, damit Deutschland vielleicht wieder vollständig wird.“

Heiko Maas widmete sich in seiner Dankesrede dem Eintreten gegen Hass und Ausgrenzung in Zeiten von sich radikalisierenden Minderheiten und rief zu mehr Zivilcourage auf: „Toleranz bedeutet, Menschenverachtung nicht hinzunehmen. Auch wenn die Hetzer die Frequenz erhöhen – wir sind mehr! Das ist unser Land. Und das muss hörbar werden. Seien wir vielstimmig!“

Seinen Abschied nahm W. Michael Blumenthal, Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin. Er habe im Alter von 93 Jahren entschieden, das letzte Mal bei dem Preis zu sprechen. „Es war für mich eine der schönsten Episoden in meinem Leben“, so Blumenthal. „Es berührt mich immer wieder, dass du in das Land zurückgekehrt bist, aus dem du als Kind fliehen musstest“, sagte Monika Grütters. „Dass Berlin dir wieder eine Heimat geworden ist.“