Max Simonischek

Max Simonischek beantwortet die Gretchenfrage

Der Berliner Max Simonischek ist im Kino als Schweizer Reformator Zwingli zu sehen. Er selbst kann Religion nicht viel abgewinnen.

Schauspieler Max Simonischek in seinem Neuköllner Kiez in der Hasenheide.

Schauspieler Max Simonischek in seinem Neuköllner Kiez in der Hasenheide.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Pünktlich zum Reformationstag ist in den deutschen Kinos in dieser Woche ein Film über den Reformator Ulrich Zwingli angelaufen. Ulrich wer? Für die meisten Deutschen dürfte die kirchliche Erneuerungsbewegung allein mit dem Namen Martin Luther verbunden sein. Doch keine Sorge, die Bildungslücke in Bezug auf den „Schweizer Luther“ teilte auch Schauspieler Max Simonischek, bevor er die Hauptrolle in „Zwingli – Der Reformator“ übernahm – und das trotz Schweizer Pass. Der gebürtige Berliner ist der Sohn des österreichischen Schauspielers Peter Simonischek und der Schweizer Schauspielerin Charlotte Schwab. Die Grundschule besuchte er in der Heimat seiner Mutter, bevor er aufs Internat in Schleswig Holstein wechselte, mit einer Ausbildung am Mozarteum in Salzburg in die Fußstapfen seiner Eltern trat und schließlich in seine Geburtsstadt zurückkehrte.

Max Simonischek hat mit Religion nichts am Hut

„Ich habe mit Konfession und Religion nicht viel am Hut“, sagt der 37-Jährige außerdem. Er sei weder getauft, noch könne er dem Gedanken an eine kirchliche Hochzeit etwas abgewinnen. Dennoch weckte Zwingli sein Interesse, wenn auch mehr als Revolutionär denn als Reformator. Das moderne Frauenbild des Theologen, sein Einsatz für die Ehe für Priester und vor allem das Predigen auf Deutsch unter Einsatz seines Lebens haben Max Simonischek tief beeindruckt und machen Zwingli in seinen Augen zu einem Vorbild. „Die Sprache als Grundpfeiler einer Gesellschaft, das ist für mich der Link zu heute“, sagt er. „In Zeiten von Fake-News in der Lage zu sein, sich selbst eine Meinung zu bilden. Das macht den Film über die Schweiz hinaus relevant.“

Rund 238.000 Zuschauer sahen den Film in der Heimat des Reformators im Kino. Damit gehört „Zwingli“ zu den 20 erfolgreichsten Schweizer Kinofilmen der letzten 40 Jahre. „Verglichen mit den Einwohnerzahlen war das dort ein Blockbuster“, sagt Max Simonischek. Ob sich dieser Erfolg in Deutschland wiederholen lässt, ist er sich selbst nicht sicher. „Ich bin gespannt, wie viele Menschen diese Thematik noch ins Kino lockt. In der Schweiz war ich von diesem Riesenerfolg recht überrascht.“

Gedreht wurde im Frühjahr 2018 im Großmünster in Zürich und in einem Kloster in Stein am Rhein. Max Simonischek bekam für die Rolle per Extensions einen mittelalterlichen Topfschnitt verpasst. Das habe in öffentlichen Verkehrsmitteln manchmal für verwunderte Blicke gesorgt. In seinem Neuköllner Kiez sei der „Lappen auf dem Kopf“ hingegen voll salonfähig. Frisur, Kostüm und ein familiäres Team ermöglichten es dem Schauspieler, voll in seine Rolle einzutauchen. „37 Drehtage sind wie ein Schlund, in dem man verschwindet. Ein Sog, in den man sich mit dem Team begibt. So wie unter Wasser“, sagt er. „Und dann ist Drehschluss, man taucht wieder auf und muss sich erst wieder orientieren. Meine Frau ist schwanger! Gleich gibt es ein Kind! Das ist extrem.“

2018 ist Max Simonischek Vater einer Tochter geworden

Im vergangenen Jahr ist Max Simonischek zum ersten Mal Vater geworden. Die private neue Rolle hat seine Einstellung zum Beruf verändert. Theater spielt er jetzt nur noch in Berlin. Wenn er für Dreharbeiten länger weg muss, spürt er eine ungeahnte Sehnsucht. „Ich hätte nie gedacht, dass es mich seit der Geburt meiner Tochter so nach Hause zieht. Da verändert sich alles“, sagt er. „Dass man einen Menschen so vermisst. Das kannte ich vorher nicht. Das ist eine neue Qualität.” Bis zum Ende des Jahres hat der Schauspieler passenderweise nur noch sieben Drehtage in München. Genug Zeit also für die Familie, Tennis und Zeitunglesen im Café. Die Unstetigkeit seines Jobs bringe ihn nicht mehr aus der Ruhe, sagt Simonischek. Dieses Urvertrauen könne man sich gut von Kindern abschauen.