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Kurt Krömer ist zurück: Eine Talkshow wie ein Unfall

Kurt Krömer meldet sich nach fünf Jahren Pause mit „Chez Krömer“ zurück. Dabei mutet der Berliner Komiker seinen Gästen einiges zu.

In seiner Talkshow „Chez Krömer“ begegnet Kurt Krömer seinen Gästen mit dem Holzhammer.

In seiner Talkshow „Chez Krömer“ begegnet Kurt Krömer seinen Gästen mit dem Holzhammer.

Foto: rbb/Daniel Porsdorf

Berlin. Der Gast wird in einem wohlwollenden Einspieler vorgestellt, der Gast darf zehn Minuten über ein neues Projekt sprechen, der Gast erzählt eine vorab besprochene exklusive Geschichte: So oder so ähnlich verlaufen im deutschen Fernsehen Talkshows vom Format „Markus Lanz“. Am 3. September meldet sich Kurt Krömer mit seiner Version „Chez Krömer“ (rbb, 22.00 Uhr) nach fünf Jahren TV-Abstinenz zurück. Wer den Berufsneuköllner kennt, der weiß: Hier ticken die Uhren ein wenig anders. „Die Gäste finde ich jetzt schon fürchterlich“, sagt der 44-Jährige. „Ich lasse sie nicht ausreden und ich interessiere mich auch nicht für ihr Kochbuch.“

Statt in einem braven Stuhlkreis sitzt Kurt Krömer Kette rauchend und in knallbunten Outfits in einer altertümlich eingerichteten Amtsstubenkulisse mit Wählscheibentelefon und Stempelkissen. Der Look gefalle ihm, das sei der einzige Grund dafür, sagt er. „Ich bin jetzt nicht so der Fashiontyp. Ich zieh’ an, was sauber ist.“

Der Delinquent auf der anderen Seite des Schreibtisches wird seziert wie im schlimmsten anzunehmenden Verlauf eines Bewerbungsgespräches. Später geht es weiter in den „Verhörraum“. Obwohl die Show mit diesem Konzept gewohnt krömeresk krawallig daherkommt, ist das Format für den Berliner eine Umstellung. Das erste Mal habe er sich intensiv auf seine Gäste vorbereitet, um sie entsprechend auseinandernehmen zu können, sagt er. „Ich war deshalb richtig aufgeregt. Aber nur auf diese Weise kann ich am Ende wirklich den Holzkammer hervorholen.“

Kurt Krömers erster Gast ist Motivationstrainer Jürgen Höller

In der ersten und bisher einzigen schon aufgezeichneten Folge bekommt das der halbseidene Motivationstrainer und Autor Jürgen Höller zu spüren. Der 55-Jährige verspricht auf seiner Webseite „sechs goldene Erfolgsgeheimnisse für geglückten Erfolg“. 1,6 Millionen Menschen, darunter Spitzensportler, Politiker und Künstler, gehören demnach zu den Absolventen seiner Seminare und Lesern seiner über 50 Bücher. Die „Bunte“ wählte ihn einst zu 500 wichtigsten Deutschen. Was die Seite verschweigt, was Krömer aber natürlich nicht entgangen ist: 2001 musste Höller mit seiner Firma Inline Insolvenz anmelden, zwei Jahre später wurde er vom Landgericht Würzburg wegen Insolvenzverschleppung und Veruntreuung von Firmengeldern zu drei Jahren Haft verurteilt.

Ob er das Geld auf seinen Schweizer Konten einfach vergessen habe, fragt Krömer seinen sichtlich um Fassung ringenden Gast. Ob er sich als verurteilter Verbrecher nicht hier und jetzt öffentlich entschuldigen wolle. Höller habe nach der Aufzeichnung grußlos das Studio verlassen, so Krömer schadenfroh. „Damit war für mich das Konzept erfüllt.“ Im Zweifelsfall könne er sich auch vorstellen, einen Gast mitten im Gespräch hinauszubitten. Das handhabe er während seiner Liveshows auch so, beispielsweise, wenn es um das Thema AfD geht.

Vier Sendungen sind vorerst geplant. Vier Gäste haben dafür bereits unterschrieben. Darunter der CDU-Politiker Philipp Amthor und der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert. „Ich lade Leute ein, die ich suspekt finde, die polarisieren und die komischen Sachen machen“, sagt Krömer. „Ich möchte niemanden bei mir sitzen haben, der sich nicht wehren kann.“

Ob die Show eine Zukunft hat, wenn die Eingeladenen erst einmal wissen, was sie erwartet, da ist sich Gastgeber selbst nicht so sicher. „Es wird wohl kein Evergreen, der die nächsten 100 Jahre läuft.“ Seinen Haussender scheint das nicht zu stören. „Kurt Krömer ist und bleibt der beste Berlin-Botschafter des rbb“, sagt Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus. „Die neue Show ‚Chez Krömer‘ hat Schnauze mit Herz und ist dabei zu 100 Prozent Berlin.“

Eine Karriere im „kleinen Krankenhaus am Rande der ARD“

Kurt Krömer, der bürgerlich Alexander Bojcan heißt, hatte 2014 angekündigt, sich vom Fernsehen zu verabschieden. „Chez Krömer“ ist nach fünf Jahren das erste eigenständige TV-Format im rbb-Fernsehen. Hätte man ihm vor zehn Jahren eine Karriere im spätabendlichen Programm beim „kleinen Krankenhaus am Rande der ARD“ prophezeit, hätte er schreiend Reißaus genommen, sagt der Komiker. In Zeiten von Streamingdiensten und Mediatheken spiele der Sender und der Sendeplatz hingegen kaum noch eine Rolle. Er kenne niemanden, der noch klassisch Fernsehen schaue, sich selbst eingeschlossen, sagt Krömer.

„Wenn ich Bock habe, mir sechs Stunden lang etwas über den 30-jährigen Krieg anzugucken, dann mache ich das heute halt einfach“, sagt er. „Und erklär mal einer 12-Jährigen, warum die Nachrichten um 20 Uhr kommen und der Hauptfilm um 20.15 Uhr.“ „Chez Krömer“ werde es deshalb bereits einen Tag vor der regulären Ausstrahlung und danach ein Jahr lang in der Mediathek zu sehen geben. Damit auch Bayern oder Baden-Württemberger nicht auf ihre Dosis Krömer verzichten müssen.

"Chez Krömer", Dienstag, 3. September 2019, 22 Uhr, RBB