Schauspielerin

Warum Ursula Karven lieber in Berlin lebt als auf Mallorca

Nach sechs Jahren auf Mallorca hat Ursula Karven in Berlin ihre Heimat gefunden. „Ich möchte hier nicht mehr weg“, sagt sie.

Schauspielerin Ursula Karven wohnt mit ihren beiden Söhnen in Berlin.

Schauspielerin Ursula Karven wohnt mit ihren beiden Söhnen in Berlin.

Foto: Elena Bothor / PR

Ulm, Kalifornien, Mallorca, Berlin – Schauspielerin Ursula Karven hat in ihrem Leben schon ein paar Mal die Umzugskisten gepackt und komplett von vorn angefangen. 2010 hat sie mit ihren beiden Söhnen in der deutschen Hauptstadt eine Heimat gefunden. Für die ZDF-Tragikomödie „So einfach stirbt man nicht“ (29. August, 20.15 Uhr) ist sie zumindest beruflich auf die Baleareninsel zurückgekehrt. Im Interview spricht die 54-Jährige über das Angekommensein, Yoga als Schönheitsgeheimnis und den Glauben an die große Liebe.

Frau Karven, wie war der Dreh auf Mallorca – kamen da Erinnerungen hoch an die Zeit, in der Sie auf der Insel gelebt haben?

Ursula Karven: Nein, das war seltsam. Obwohl ich da gelebt habe, konnte ich mich an bestimmte Orte nicht mehr richtig erinnern. Als ich damals auf die Insel kam, waren meine Kinder klein. Ich musste sie in die Schule fahren, abholen, zum Sport und zu anderen Aktivitäten bringen, mein Alltag war natürlich komplett dominiert durch Mama-Stress.

Also kein bisschen Wehmut?

Überhaupt nicht. Ich finde, Mallorca ist ein wunderbarer Ort, um da Ferien zu machen – aber das war es dann auch. Ich wollte eigentlich schon nach zwei Jahren wieder weg. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich zu wenig Kraft dazu. Schon wieder alles einpacken und umziehen, das hätte ich nicht geschafft. Es war zuviel passiert in der Zeit davor. Wir waren aus den USA nach Mallorca gezogen, hatten uns gerade etwas eingelebt. Ich musste erst einmal Kraft tanken und so wurden aus zwei Jahren sechs. Aber ich habe mich auf der Insel immer so gefühlt, als wäre ich zu Besuch, nie so, als wäre ich angekommen.

Sie sind in Ihrem Leben oft umgezogen. Gibt es für Sie noch eine Art Heimat?

Ja, die gibt es absolut. Aber ich mache sie vor allem an Dingen fest, wie Gerüchen, die ich aus meiner Kindheit in Ulm kenne, oder an Jahreszeiten, wenn das Laub fällt im Herbst oder im Frühjahr die Vögel anfangen zu zwitschern. Im Moment ist meine Heimat Berlin. Das liegt aber auch an Deutschland. Deutschland ist in meinem Leben bisher irgendwie zu kurz gekommen. Als ich noch in Amerika gelebt habe, habe ich immer alles von Deutschland mitgeschleppt. Meine Kinder sind deutsch aufgewachsen: Von der Biobrot-Backmischung bis zu DHU Schüßler-Salzen hatte ich immer alles im Koffer. Das war zuweilen schon anstrengend, und ich musste gut organisiert sein.

Fühlen Sie sich in Berlin angekommen?

Ja, Berlin ist die Stadt, in der ich mich wohl fühle. Mein Leben ist ruhiger geworden. In Berlin gibt es alles, was ich brauche. Ich liebe das Leben dort und möchte da nicht mehr weg. Mein jüngerer Sohn Liam hatte Mallorca anfangs noch sehr vermisst. Ich sage immer: Ich habe ein spanisches und ein amerikanisches Kind. Liam hat viele Erinnerungen an unsere Zeit auf Mallorca, Christopher hatte sich in Los Angeles wohler gefühlt, viele seine Freunde sind dort. Aber in Berlin haben wir nun alle eine Heimat gefunden.

Sie spielen in dem Film „So einfach stirbt man nicht“ eine Hautärztin und sprechen gleich am Anfang über Botox und Hyaluronsäure... Wie stehen Sie selbst zu diesen Mitteln?

Grundsätzlich finde ich, dass das jeder für sich selbst entscheiden muss. Schlimm ist, wenn Leute es damit übertreiben. Das Wichtigste ist: Man darf sein Gesicht niemals verlieren.

Was tun Sie für Ihr Aussehen?

Ich mache Sport und beschäftige mich mit Ernährung. Es ist wichtig, den Stoffwechsel hoch zu halten, die Zell-Erneuerung und alles im Fluss zu halten. Dafür ist Yoga genial. Das mache ich seit 20 Jahren und es funktioniert für jeden. Ich halte dadurch seit 20 Jahren mein Gewicht.

Im Film erleidet Ihr Vater einen Herzinfarkt. Macht man sich da auch Gedanken um die eigenen Eltern?

Natürlich denke ich darüber nach. Ich habe auch einen Vater in dem Alter. Man sieht die Kräfte schwinden und möchte es nicht wahrhaben. Die Eltern waren ja immer für einen da. Mein Vater ist jetzt 84 Jahre alt und ich sage auch immer zu den Kindern, dass sie Opa besuchen sollen, so oft sie können. Wir wissen nicht, wie lange wir ihn noch haben dürfen. 84 ist ein stolzes Alter.

Sie arbeiten selbst viel. Hätten Sie einen Plan B, wenn ihr Vater pflegebedürftig wäre?

Plan B funktioniert sowieso nicht, weil ohnehin immer alles anders kommt. Wir versuchen jetzt so viel Zeit miteinander zu verbringen, wie es geht. Man soll füreinander da sein, und das sind wir ja auch. Wenn sich die Situation ändert und er Pflege bräuchte, muss man eh neu entscheiden, was getan werden muss. Aber natürlich bin ich für meinen Vater da, wenn er mich braucht.

Der plötzliche Tod Ihrer Kollegin Lisa Martinek hat viele Menschen schockiert. Denkt man dann anders über das eigene Leben? Dass die Zeit begrenzt ist?

Ja, ihr überraschender Tod hat mich total erschüttert. Ich bin mir darüber im Klaren, dass wir keine Garantie auf ein langes Leben haben. Ich lebe und erlebe jeden Tag daher sehr bewusst. Man soll jeden Tag so glücklich wie möglich verbringen. Ich versuche das nicht nur, ich erlaube mir das auch!

In letzter Zeit waren Sie nicht auf sehr vielen Veranstaltungen zu sehen. Gibt es einen Grund dafür?

Ich hatte einfach viel zu tun. Ich habe ein Buch geschrieben, eine Firma gegründet. Da muss man natürlich Prioritäten setzen.

Worum geht es in dem Buch?

Das Buch beschäftigt sich mit Ängsten. Wir haben alle Ängste und es ist oft schwer, sie in den Griff zu bekommen. Wie kommt man nach Schicksalsschlägen wieder auf die Beine, was kann man tun, um Sorgen und Probleme aufzulösen? All das wird in meinem Buch thematisiert.

Sie haben die Firma „Divine Flower“ gegründet. Was verkaufen Sie da?

Bei „Divine Flower“ gibt es viele schöne Dinge, die Menschen stärker machen, liebevoll und nachhaltig produziert. Wir haben Kleidung, Schmuck, Edelsteine. Wir haben zum Beispiel eine Yoga-Kollektion aus recyceltem Meeresplastik. Das Plastik wurde zu einem Garn verarbeitet, das ist wirklich multifunktional. All die Artikel kann man online bestellen.

Wie sind Sie darauf gekommen, diese Artikel zu produzieren?

Es war die Idee meiner Fans. Die sind darauf gekommen. Die haben mir immer geschrieben: „Woher hast du diese Kette?“ Oder: „Ich hätte gerne das Shirt mit der Blume!“ Dann haben wir uns zusammengefunden und überlegt, wie wir das ganze realisieren können.

Es ist ja auch ein schönes zweites Standbein zu Ihrem Beruf als Schauspielerin...

Ja, mir war es schon immer sehr wichtig unabhängig zu sein. Und du bist erst in dem Moment unabhängig, wenn du das tun kannst, was du liebst. Ich habe das große Glück, nur Dinge zu tun, die ich liebe.

Hatten Sie von den ganzen geschäftlichen Dingen eine Ahnung?

Von einigen Dingen im Online-Geschäft hatte ich keine Ahnung, insofern war es schon sehr mutig von mir, diese Firma zu gründen. Andererseits bin ich seit 1997 Unternehmerin. Damals habe ich die Firma „Bellybutton“ mitgegründet. Und dass „Divine Flower“ gleich so erfolgreich werden würde, hätte ich nicht gedacht. Aber die Idee, weibliche Stärke zu fördern, sich gegenseitig zu unterstützen mit Dingen, die uns stärker machen, ist ehrlich und die Menschen spüren das. Wir unterstützen gerade ein Frauenprojekt aus Nepal. Dass die Rohstoffe fair gehandelt werden, ist uns sehr wichtig. Das Silber für unseren Schmuck stammt zum Beispiel aus peruanischen Kooperationen. Und wir beziehen Diamanten nicht aus Südafrika, wir wollen keine Kinderarbeit fördern. Man kann das alles besser machen und wir bemühen uns, das zu tun.

Wie würden Sie Ihr momentanes Lebensgefühl beschreiben?

Ich bin so nah an mir selbst wie nie zuvor. Ich habe in den letzten Jahren viel über mich gelernt. Ich traue mir heute viel mehr zu als früher. Ich werde auch immer milder und weniger streng mit mir selbst. Man muss lernen, sich Fehler zu vergeben. Ich bin entspannter und setze mich selbst nicht mehr so unter Druck. Meine Reise geht in die richtige Richtung, auch wenn ich noch nicht am Ziel bin.

Was wäre Ihr Ziel?

Einfach nur glücklich zu sein, ohne Wenn und Aber. Mit ganz viel Leichtigkeit in meinem Leben.

Würden Sie sich gerne neu verlieben?

Ich mache mir damit überhaupt keinen Stress. Ich glaube nach wie vor an die Liebe und sicher gibt es Momente, in denen ich mich auch mal einsam fühle. Auf der anderen Seite habe ich nun auch viel Zeit mit mir selbst. Diese Zeit ist total kostbar für mich und ich kann sie sehr genießen.

Ihr Sohn Christopher folgt Ihnen im Show-Business...

Ja, er ist auch Schauspieler, spielte in der Serie „Druck“ auf ZDFneo. Wir hatten auch schon gemeinsame Film-Projekte. Da hat er dann abends meinen Text abgefragt, das war sehr lustig. Beide meiner Söhne sind mittlerweile ganz schön groß geworden. Meine Jungs wachsen mir über den Kopf. Liam ist jetzt 16 Jahre alt und auch schon über 1,84 Meter groß. Ich bin sehr stolz auf die beiden.

Ihr ältester Sohn könnte Sie ja theoretisch bald zur Großmutter machen...

Ja, sicher. Das könnte durchaus passieren (lacht). Oma zu werden, fände ich toll. Ich kann es ehrlich gesagt, überhaupt nicht erwarten. Ich würde mich riesig über ein Enkelkind freuen. Es ist einfach schön zu sehen, wenn die Familie größer wird. Ich wäre eine super glückliche Großmutter!