Berliner Preis

„Made in Germany“ hat viele Gesichter

Auf Initiative von Staatssekretärin Sawsan Chebli wird zum zweiten Mal der #Farbenbekennen-Award in Berlin verliehen.

Staatssekretärin Sawsan Chebli (4.v.l.) bekommt Jury-Unterstützung von Schauspieler Kida Ramadan, Ex-Herthaner Arne Friedrich, Rapper Eko Fresh, Vorjahres-Gewinnerin Diana Kadah, Schauspieler Clemens Schick, Unternehmerin Mali M. Baum, TV-Moderator Sascha Hingst, Unternehmer Hamid Djadda und SAP-Manager Cawa Younosi (v.l.).

Staatssekretärin Sawsan Chebli (4.v.l.) bekommt Jury-Unterstützung von Schauspieler Kida Ramadan, Ex-Herthaner Arne Friedrich, Rapper Eko Fresh, Vorjahres-Gewinnerin Diana Kadah, Schauspieler Clemens Schick, Unternehmerin Mali M. Baum, TV-Moderator Sascha Hingst, Unternehmer Hamid Djadda und SAP-Manager Cawa Younosi (v.l.).

Foto: Reto Klar

Jogginghosen-Ausnahmen gibt es bei „4 Blocks“-Hauptdarsteller Kida Ramadan nur für den roten Teppich – und dann muss er mindestens für den Deutschen Fernsehpreis nominiert sein. Stilecht im Wohlfühloutfit war der Schauspieler deshalb am Mittwochmittag ins Rote Rathaus gekommen, um auf Einladung von Sawsan Chebli an der Jurysitzung zum zweiten #Farbenbekennen-Award teilzunehmen. Die Auszeichnung für besonderes Engagement von Geflüchteten wurde 2018 von der Bevollmächtigten des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement initiiert. Neben Ramadan gehören zur 12-köpfigen Jury unter anderen auch Musiker Eko Fresh, Moderatorin Dunja Hayali, Ex-Fußballer Arne Friedrich, Moderator Sascha Hingst und Schauspieler Clemens Schick.

Geflüchtete, die den Sprung zum Gründer gewagt haben

Im vergangenen Jahr stand das Thema Begegnung im Mittelpunkt. Dieses Mal zeichnet der Award Menschen aus, die den Sprung vom Geflüchteten zum Gründer gewagt haben, Menschen, die nach ihrer Flucht den Mut hatten, Unternehmen, Vereine, Initiativen oder Stiftungen ins Leben zu rufen, um ihre neue Heimat mit eigenen Visionen und Ideen aktiv mitzugestalten. „Der deutsche Gründergeist ist legendär“, so Chebli. Der Preis wolle Geflüchtete in den Fokus rücken, die zeigen, dass „Made in Germany“ viele Gesichter hat. „Mit ihrem Mut, ihren Ideen und ihrer Tatkraft stiften sie Zusammenhalt und engagieren sich für ein neues Wir in unserer Gesellschaft.“

„Auch noch mit 42 Jahren frage ich mich vor jeder wichtigen Entscheidung, ob ich überhaupt den Mut dazu habe. Die Kandidaten sind in dieser Hinsicht eine Inspiration für mich“, sagte Kida Ramadan über seine Beweggründe. Der Grimme-Preisträger kam selbst als Kind mit seiner Familie aus dem Libanon nach Berlin. „Damals gab es kein Internet, das hat es uns leichter gemacht“, so Ramadan. „Von der Hetze haben wir weniger mitbekommen.“

Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert

Auch für Sawsan Chebli ist der Preis in erster Linie eine Botschaft. „Hören wir auf, über Geflüchtete als Problem in unserer Gesellschaft zu diskutieren. Hören wir auf, sie als die anderen, die Fremden, zu betrachten. Es sind Menschen mitten unter uns, die einen wichtigen Beitrag für unsere Stadt und unser Land leisten können“, sagte die SPD-Politikerin. „Menschen, die Arbeitsplätze und Ausbildung bieten, die einen Mehrwert für unsere Stadt und die Gesellschaft schaffen, unsere Gesellschaft mit ihren Ideen bereichern und so unserem Land, dem sie Aufnahme und Schutz verdanken, etwas zurückgeben.“

Neben der symbolischen Wirkung gibt es für die Ausgezeichneten aber auch Geld. Ein Jury- und ein Publikumspreis sind jeweils mit 10.000 Euro dotiert. Die Jury bestimmte am Mittwoch ihren Gewinner und wählte die drei Finalisten für den Publikumspreis aus. Sie stehen vom 23. Oktober bis 13. November 2019 unter www.farbenbekennen.de zur Wahl. Bekannt gegeben werden die Preisträger aber erst bei der Verleihung am 1. Dezember 2019 im Roten Rathaus.

Konflikte sollen nicht schöngeredet werden

Alle Juroren setzen sich auf ihre besondere Weise mit dem Thema auseinander. „Das ist genau mein Ding“, sagte Rapper Eko Fresh, der mit bürgerlichem Namen Ekrem Bora heißt und Sohn türkischer Einwanderer ist. „Mein Label heißt nicht umsonst German Dream. Ich bin der lebende Beweis, dass man auch mit Migrationshintergrund etwas bewegen kann.“ Er sehe sich in dieser Hinsicht auch als Vorbild für seine jungen Fans. Ex-Hertha-Spieler Arne Friedrich engagiert sich mit seiner Stiftung für die Integration von Kindern aus geflüchteten Familien an Berliner Grundschulen. „Während meiner Zeit als Fußballer bin ich ständig mit Menschen andere Nationen in Kontakt gekommen. Dabei zählten nicht die Unterschiede, sondern immer nur das gemeinsame Ziel.“

„Es sollte viel mehr darum gehen, was jemand aus seinem Leben macht, nicht woher er kommt“, fand Clemens Schick. Einen Deutschen, der seit vielen Generationen ohne Migrationshintergrund sei, gebe es doch kaum, sagte ARD-„Mittagsmagazin“-Moderator Sascha Hingst. Seine Familie stamme beispielsweise von den Hugenotten ab. „An die Probleme mit den französischen Einwanderern erinnert sich heute niemand mehr. Ich wette, in 100 Jahren erinnern wir uns auch nicht mehr an die Probleme von heute.“

Sie wolle Konflikte nicht schönreden, betonte in diesem Zusammenhang Staatssekretärin Chebli. „Integration ist eine Mammutaufgabe. Dennoch wollen wir mit dem Preis die positiven Beispiele in den Vordergrund stellen.“ Schließlich sei der #Farbenbekennen-Award auch eine Antwort an Rechtspopulisten, „die Feinde der Demokratie und den Hass, den sie verbreiten“. „Mit dem Award zeigen wir, was Menschen aus schwierigsten Situationen heraus für ein unglaubliches Potenzial entfalten können, das unser Land bereichert.“