Schauspieler

Jürgen Vogel: „Ich bin ein Hausmeister-Typ “

In seinen Filmen lässt Schauspieler Jürgen Vogel gerne den harten Kerl raushängen. Privat tickt der Berliner aber ganz anders.

Jürgen Vogel zog 1985 nach Berlin, lebte damals in einer Wohngemeinschaft mit Schauspiel-Kollege Richy Müller. Anfang August ist er im ZDF-Film „Blochin zu sehen.“

Jürgen Vogel zog 1985 nach Berlin, lebte damals in einer Wohngemeinschaft mit Schauspiel-Kollege Richy Müller. Anfang August ist er im ZDF-Film „Blochin zu sehen.“

Foto: Reto Klar

Berlin. Er zählt zu den größten deutschen Filmstars: Jürgen Vogel, der auf anspruchsvolle Kinorollen mit Ecken und Kanten spezialisiert ist. Der 51-Jährige mit dem unverwechselbaren Gesicht ist aber auch regelmäßig im Fernsehen zu sehen.

In der ambitionierten Krimiserie „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ spielt er den undurchsichtigen Berliner Kommissar Blochin, der einen Mord aufklären muss und dabei von seiner dunklen Vergangenheit als Drogendealer eingeholt wird. Das ZDF wiederholt zunächst ab 30. Juli die komplette Serie und zeigt dann am 5. August den neuen Film „Blochin – Das letzte Kapitel“, mit dem die düstere Saga abgeschlossen wird.

Letzte Folge von „Blochin“ am 5. August im ZDF

Der markante Charakterkopf mime in seinen Rollen gerne die etwas kaputten Typen, sagt Vogel im Gespräch. „Mich fasziniert, dass diese Figuren oft in einem Leben gefangen sind, das ich selber nicht kenne – und da werde ich gerne mitgenommen, einfach aus reiner Neugierde“, erklärt er. Mitunter lasse er Figuren, die er spielt auch nah an sich heran, gesteht der Schauspieler. „Es kann das Bild, das du von Menschen hattest, komplett ändern. Einfach weil man Einblicke bekommt, die man zuvor nicht hatte“, sagt Vogel. Eine Hauptfigur müsse aber auch kein unbefleckter Held sein, sondern dürfe Macken und Fehler haben. „Genau das macht sie ja oft so sympathisch, dass du mit ihr mitleidest – und das ist bei Blochin auch so, denke ich“, erklärt er.

Rollen wie die des Blochin haben Vogel längst auch den Ruf des coolen Typen eingebracht. Diesem Bild gerecht zu werden, falle dem Schauspieler nicht schwer, sagt er. „Ich spüre keinerlei Druck, irgendwas beweisen zu müssen. Ich mache schon das, was ich gerne mache und wovon ich überzeugt bin. Und zum Image des coolen Typen nur so viel: Auch ich habe Macken und bin manchmal sehr einfältig und langweilig. Oder anders ausgedrückt: Ich bin sehr normal“, sagt Vogel.

1985 wohnte er mit Kollege Richy Müller zusammen

Der 1968 in Hamburg geborene Vogel zog nach einem kurzen Intermezzo an der Schauspielschule in München 1985 nach Berlin, wo er in einer Wohngemeinschaft mit dem Schauspieler Richy Müller lebte. Seinen Durchbruch feierte er Anfang der 90er-Jahre mit Sönke Wortmanns Kultfilm „Kleine Haie“. Seitdem zählt der Filmstar, der in den vergangenen Jahren in den Kinofilmen „Der freie Wille“ und „Die Welle“ brillierte, zu den wichtigsten deutschen Schauspielern. Jürgen Vogel hat mehrere Kinder aus verschiedenen Beziehungen und lebt noch immer in der deutschen Hauptstadt.

Wie es sich so mit dem Filmstar Jürgen Vogel wohnt? „Ich bin ein Hausmeister-Typ. Ich bin einer der ordentlich ist, gerne putzt, ein ganz guter Hausmann, würde ich sagen. Ich bin außerdem immer pünktlich und gut vorbereitet, was man vielleicht auch nicht unbedingt erwarten würde“, verrät Vogel. Sich selbst hält der Charakterdarsteller deswegen auch nicht unbedingt für einen coolen Typ. „Das müssen andere beurteilen. Mir geht das jedenfalls nicht über die Lippen“, sagt er.

Mit Regisseur Matthias Glasner ist Jürgen Vogel gut befreundet

Kumpels habe er nicht viele. „Ein paar schon. Ein kleiner, aber feiner Kreis, der über die Jahre gewachsen ist. Der Regisseur von ‘Blochin’, Matthias Glasner, zählt zum Beispiel dazu“, erzählt Vogel. Bei der Zusammenarbeit gerieten die Kumpels Glasner und Vogel aber durchaus schon mal aneinander, gibt er zu. „Wir haben es über die Jahre geschafft, eine ganz gute Streitkultur zu entwickeln. Das war auch schon anders, wir haben ja schon einige Sachen zusammen gemacht und sind beide ganz schön sture Stänkerfritzen. Aber mittlerweile läuft das gut, und wir können es hinnehmen, wenn es der andere auch mal nicht so gut findet, was man macht“, sagt Vogel.

Generell sei das Verhältnis der Beiden von einem „großen Urvertrauen“ geprägt, das die Zusammenarbeit ungemein erleichtere, berichtet der Schauspieler. „Dazu kommt, dass ich großen Respekt vor dem Beruf des Regisseurs habe.“

Vogel selbst hat der Beruf des Schauspielers viel Anerkennung gebracht. Immer wieder werde er von Passanten auf der Straße angesprochen, erzählt er. „Das freut mich auch ungemein. Besonders, weil das Leute aus allen Generationen sind. Junge Leute haben mich in ‘Die Welle’ oder ‘Emil und die Detektive’ gesehen, schon etwas ältere erinnern sich vielleicht an ‘Kleine Haie’“, sagt Vogel. Häufig kämen auch in der Fußgängerzone oder an der Bushaltestelle Leute auf ihn zu, die ihn noch aus alten Krimis kennen oder von den Wiederholungen, die nachts im TV laufen. „Das finde ich auch ganz schön. Wenn mir so eine alte Omi sagt, dass sie mich als Bösewicht gut fand, geht mir das Herz auf, ganz ehrlich“, sagt der Darsteller.

Jürgen Vogel hält sich mit Sportprogramm fit

Privat hält sich Vogel mit gesunder Ernährung und Sport fit. „Ich betreibe seit Jahren Jiu Jitsu, gehe aber auch viel laufen und mache mein eigenes Fitnessprogramm, völlig ohne Gewichte übrigens“, erzählt er. Mit seinem Alter hadere er nicht. „Jünger war ich ja schon. Aber im Ernst: Das würde mir echt Bauchschmerzen bereiten, das fände ich zu anstrengend. Ich kann Dinge jetzt auch anders genießen als früher, das ist schon ein geiles Gefühl“, sagt Vogel.

Mit seiner energetischen Art gehe er anderen aber mitunter auf die Nerven. „Meine Neugierde und meine Energie, die mich antreiben, bringen mich auch immer wieder dazu, etwas Neues zu entdecken. Ich bekomme manchmal einen regelrechten Energieschub, und der bringt mich dann wohin, wo ich echt nicht gedacht habe, dass ich da lande“, sagt Vogel.