Filmproduzent

Trauerfeier in Berlin: Produzent Artur Brauner beigesetzt

Hunderte fanden sich zu Artur Brauners Beerdigung auf dem Jüdischen Friedhof an der Heerstraße ein.

Artur Brauner wurde 100 Jahre alt.

Artur Brauner wurde 100 Jahre alt.

Foto: Reto Klar / Reto Klar / Funke Foto Services

Hunderte sind gekommen, die Kapelle auf dem Jüdischen Friedhof an der Heerstraße ist viel zu klein für die vielen Trauernden, die sich zur Beerdigung von Artur Brauner am Mittwoch eingefunden haben. Am Sonntag war der Berliner Filmproduzent im Alter von 100 Jahren gestorben. Nach jüdischem Glauben muss die Beerdigung möglichst zeitnah stattfinden, weil die Seele den Körper erst nach der Bestattung verlassen kann.

Artur Brauner hielt sich nicht immer an alle Regeln

Die Gedächtnisrede hält Yitshak Ehrenberg, ein Vertrauter der Familie. Der orthodoxe Rabbiner erinnert daran, wie Artur Brauner vor drei Jahren in seine Synagoge an der Joachimsthaler Straße kam. Bei jedem Schritt stieß er ein „Oy“ vor Schmerz aus, aber er ging weiter. „Er wollte für seinen Vater und seine Mutter ein Kaddisch sprechen“, sagt Ehrenberg. „Wenige Leute machen das heute. Leider.“

Für Ehrenberg war Brauner durch und durch jüdisch. Er erklärt das auch damit, dass der Filmemacher, der ja gar nicht fromm war und auch nicht alle Regeln einhielt, die Gebete auswendig sprechen konnte. Das war ein Teil von ihm. Es zeige auch, so der Rabbiner, aus welchem Elternhaus er stammte. Das war noch jiddisch geprägt.

Artur – eigentlich Abraham – Brauner wurde am 1. August 1918 im polnischen Łódź geboren. Der Sohn aus bürgerlichem Hause überlebte den Zweiten Weltkrieg, weil er sich in den Wäldern versteckt hielt. 49 Verwandte verlor er in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Die Schrecken der Shoah sollten Brauner ein Leben lang nicht loslassen. Seine Tochter Fela beschreibt in ihrer Trauerrede, wie schwierig das für seine Kinder war, die eigentlich ein anderes Leben haben wollten und ihn erst viel später verstanden haben. Der Vater, der vor allem für seine Arbeit lebte und sich selbst nur wenig gönnte, erzählte bei Familienfeiern immer wieder vom Krieg und der Shoah.

Zu Brauners Eigenheiten gehörte die Sparsamkeit

Als Filmproduzent erinnerte Brauner immer wieder an das Schicksal der Opfer. Dazu gehörten Filme wie „Morituri“ (1948), „Hitlerjunge Salomon“ (1990) und „Wunderkinder“ (2011). „Seine Filme über den Holocaust werden heute in Yad Vashem gezeigt“, sagt Ehrenberg. Der Tod Brauners sei traurig „für unsere Gemeinde, für ganz Berlin“. Der Rabbiner erinnert sich an die Filmvorführungen bei den Brauners daheim. An die Gespräche, an das Engagement, an die Leidenschaft des Filmproduzenten. Zu seinen Eigenheiten gehörte die Sparsamkeit, aber auf der anderen Seite war Brauner bereit, für „wichtige Zwecke großzügig zu geben.“

Unter den Trauergästen waren Israels Botschafter Jeremy Issacharoff, der frühere Regierende Bürgermeister Walter Momper, Herzspezialist Roland Hetzer, Theaterdirektor Martin Woelffer, Ex-Kultursenator Christoph Stölzl und Kulturmanager Peter Sauerbaum. Zu sehen waren auch die Sängerin Karan Armstrong und die Schauspielerin Meret Becker. Artur Brauners Grab befindet sich neben dem seiner 2017 verstorbenen Ehefrau Maria. Es ist nahe der Gräber des Kantors Estrongo Nachama und des früheren Konzertmeisters der Philharmoniker, Michel Schwalbé.