Mit 77 Jahren verstorben

Hans Wall - „Er hatte ein großes Herz für Berlin“

Hans Wall ist mit 77 Jahren verstorben. Der Unternehmer engagierte sich immer für Berlin. Ein Nachruf.

Hans Wall in seinem Haus in Wannsee (Archivbild 2014).

Hans Wall in seinem Haus in Wannsee (Archivbild 2014).

Foto: MArtin Lengemann

Berlin. Manchmal war es auch eine Hassliebe, die Hans Wall mit seiner Wahlheimat Berlin verband. Dann verzweifelte der Schwabe am Lotterleben in der Hauptstadt und beschwerte sich über den mangelnden Respekt gegenüber dem Unternehmertum. So war es auch, als er eines Tages das Grab seines Bruders im Geiste, Ernst Litfaß, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof besuchte. „Ich habe mich richtig geschämt, dass solche großartigen Unternehmer so wenig geschätzt werden in Berlin“, sagte er angesichts der vollkommen heruntergekommenen Grabstelle. Kurzerhand stellte er damals die 180.000 Mark, die zur Wiederherstellung des Grabes nötig waren, zur Verfügung.

Wer viel Geld verdient, soll sich auch sozial engagieren, lautete einer seiner Leitgedanken. Und Hans Wall hat mit seiner Geschäftsidee, öffentliche Flächen zu vermarkten, sie dafür aber in Schuss zu halten, viel Geld verdient. Als „Stadtmöblierer“ wird er in der Stadt in Erinnerung bleiben, vielleicht so lange wie der von ihm so geschätzte Ernst Litfaß.

Hans Wall lernte einst Schlosser

Dass Hans Wall einmal in Berlin Karriere machen würde, war so nicht vorherzusehen. Er wurde vor 77 Jahren im schwäbischen Künzelsau geboren und lernte nach dem Schulbesuch Schlosser. Danach arbeitete er als Techniker für die Wasser­versorgung in Karlsruhe. Eines Tages, als er in einem Wartehäuschen auf den Bus wartete, kam ihm die Idee, die sein Leben veränderte. Es ging darum, Werbung an den Wartehäuschen zu vermarkten – im Gegenzug sicherte er zu, die Häuschen aufzustellen und instand zu halten.

Noch am selben Tag habe er sich selbstständig gemacht, erinnerte er sich später. Er schrieb 1000 Bürgermeister an und bot ihnen das Geschäft an. So begann die Geschichte des Unternehmens, das als kleines Familienunternehmen startete und bis zum börsennotierten Konzern avancierte.

1984 machte Wall dann den Schritt nach Berlin, er hatte die Ausschreibung für die Wartehäuschen der BVG gewonnen und verlegte den Firmensitz von Ettlingen in die damals noch geteilte Stadt. Noch viele Jahre später war er darauf stolz. In keiner anderen Metropole liege die Vermarktung der kompletten Wartehäuschen in einer Hand, versicherte er seinen Gesprächspartnern. Nur in Berlin sei das der Fall.

„Lieber ein Toiletten-König, als gar kein König“

Später dann weitete er sein Geschäft aus und entwickelte die Idee der selbstreinigenden Toilettenhäuschen – auf deren Außenwänden er ebenfalls Werbeflächen vermarktete. Ein Problem mit dem Begriff des „Toiletten-Königs“ hatte er nicht. „Lieber ein Toiletten-König, als gar kein König“, sagte er einmal.

Die Finanzkrise brachte sein Unternehmen in Schwierigkeiten, sodass er es 2009 an seinen langjährigen Erzrivalen JCDecaux verkaufte. 2013 erregte er erneut öffentliche Aufmerksamkeit, als er in die neu gegründete AfD eintrat. Doch nachdem Parteigründer Jörg Lucke geschasst worden war, trat er wieder aus. Das kurzzeitige Engagement brachte ihm den Ärger seines Sohnes ein, der damals noch Vorstandschef der Wall AG war. Daniel Wall distanzierte sich öffentlich von seinem Vater. Dieser Affront traf Hans Wall schwer.

Neben seinem unternehmerischen Engagement war Hans Wall vor allem als Mäzen aktiv. So war er Pate des Fossils eines Archaeopteryx im Naturkundemuseum und spendete 80.000 Euro dafür. Aber auch dem Verein „Berliner helfen“ der Berliner Morgenpost spendete er 30.000 Euro für die Obdachlosenhilfe. Die Leser der Berliner Morgenpost hatten ihn zuvor im Jahr 2005 zum „Berliner des Jahres“ gewählt. Als Vorsitzender des Vereins „Denk mal an Berlin“ setzte sich Hans Wall unter anderem für den Wiederaufbau des Glockenturmes der Parochialkirche in Berlin ein und unterstützte den Wiederaufbau er Schinkelschen Bauakademie.

Müller würdigt Hans Wall als herausragende Persönlichkeit

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte Wall als herausragende Berliner Persönlichkeit. „Hans Wall hat den Weg vom Schlosser zum Unternehmer und großen Mäzen zurückgelegt“, erklärte Müller. Er habe mit seinem Unternehmen eine neuartige Geschäftsidee in Berlin zum Erfolg geführt. „Und Hans Wall hat ein großes Herz für Berlin gehabt.“

Müllers Vorgänger im Amt, Klaus Wowereit (SPD), bezeichnete Wall als stilbildenden Unternehmer. „Er war einer der großen Sponsoren für soziale, sportliche und kulturelle Belange“, sagte Wowereit. „Berlin und Brandenburg verdanken ihm unendlich viel.“

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, trauert um „einen mutigen und erfolgreichen Unternehmer, der sich in die Verantwortung für das Gemeinwohl hat nehmen lassen“. Wall habe Verantwortung für das Gemeinwohl übernommen, hieß es in einer Erklärung Dröges.

Auch seine ehemalige Firma würdigt den Gründer. „Er war ein Pionier der Stadtmöblierung und Außenwerbung in Deutschland und über die Grenzen unseres Landes hinaus“, sagte Wall-Sprecherin, Frauke Bank. „Sein beeindruckender Gründergeist und sein innovatives Denken haben unser Unternehmen nachhaltig geprägt.“