Interview

Riccardo Simonetti: „Man muss ein dickes Fell haben“

Riccardo Simonetti setzt sich für die Rechte von Schwulen und Lesben ein. Dafür erntet er im Internet viel Hass.

Will ein Vorbild im Netz sein: Blogger Riccardo Simonetti.

Will ein Vorbild im Netz sein: Blogger Riccardo Simonetti.

Foto: Krauthöfer

Berlin. Influencer, Moderator und Blogger Riccardo Simonetti war am Mittwochabend Stargast bei der Eröffnung des House of Play von Magnum. Bis zum 23. Juni feiert das Eis seinen 30. Geburtstag in der Elisabethkirche an der Invalidenstraße in Mitte. Auf seinem Instagram-Account, dem über 200.000 Menschen folgen, spricht sich Simonetti immer wieder für die Rechte der LGBTQ-Community, Körperpositivität und gegen Mobbing aus. Die Kommentare dazu sind nicht immer positiv. Im Interview spricht der 26-Jährige über Hass im Internet.

Sport ist noch relativ neu in Ihrem Leben. Wie lang hat es gedauert, bis das zu einer Routine wurde?

Riccardo Simonetti Ich warte jeden Moment darauf, dass ich morgens aufstehe und denke: Jetzt ist es Routine. Es ist wirklich jeden Tag ein Kampf. Ich bin eine sehr unsportliche Person gewesen und es ist für mich mit sehr viel Disziplin verbunden. Mein Vorteil ist, dass ich einen sehr starken Willen habe. Ich gleich Talent durch Ehrgeiz aus. Mittlerweile habe ich ein paar mehr Muskeln, deshalb fallen mir die Übungen leichter. Es macht also ein bisschen mehr Spaß, als wenn man sich währenddessen wie ein absoluter Versager fühlt. Ich könnte mir trotzdem Schöneres vorstellen, als morgens um fünf aufzustehen und Sport zu machen.

Wenn Sie ein Bild posten, gibt es trotzdem Kommentare, die über Speckfalten an Ihren Armen lästern. Wie hält man das aus?

Das ist wirklich nicht so einfach, wenn mein Postfach mit Nachrichten von Menschen voll ist, die mich auf einen scheinbaren Makel hinweisen, den ich vorher nicht einmal selbst wahrgenommen habe. Deshalb ist es mir sehr wichtig, darüber zu sprechen. Die Menschen denken vielleicht, sie sind die einzigen, die so etwas schreiben, dabei sind es Hunderte. Ich hoffe, dass indem ich das öffentlich mache, ich zeigen kann, dass ich mich so akzeptiere wie ich bin. Und dass meine Follower das auch tun sollten. Ich habe oft das Gefühl, die Leute sind es im Internet gar nicht mehr gewöhnt, einen normalen Menschen zu sehen, wo so eine Falte eben mal passiert, wenn man ein enges Oberteil trägt. Ich bin für diese Menschen wie eine Figur in einem Computerspiel, die gar nicht wirklich existiert, keine Gefühle hat und perfekt sein muss. So viele Bilder auf Instagram haben nichts mit der Realität zu tun.

Sie wurden als Teenager gemobbt. Gelingt es Ihnen trotzdem, solche Kommentare nicht an sich heran zu lassen?

Früher haben mich solche Kommentare weniger getroffen. Je mehr ich in der Öffentlichkeit stehe, desto mehr nagt es an meinem Selbstbewusstsein. Ich habe manchmal das Gefühl, ich gehöre der Öffentlichkeit und werde gezwungen, nach deren Regeln zu spielen. Das hemmt mich, Dinge ins Internet zu stellen, über die ich mir früher keine Gedanken gemacht hätte. Die Menschen vergessen, dass Selbstbewusstsein kein Zustand ist, den man für immer erreicht. Das kann sich innerhalb von Sekunden ändern, wenn jemand etwas Blödes schreibt. Am Ende des Tages versuche ich, mich auf meine inneren Werte zu besinnen. Sie sind es, die mich durch all das hindurchführen.

Sie setzen sich bei Instagram sehr für die Rechte der LGBTQ-Community, gegen Mobbing und für Körper-Positivität ein. Aber selbst dafür gibt es Hasskommentare ...

Man macht sich sehr angreifbar, wenn man sich zu einer klaren Meinung bekennt. Ich setze mich für die Rechte von Schwulen ein, weil ich meinen Erfolg nicht genießen könnte, wenn ich nicht wüsste, dass der Junge, der ich einmal war, es durch das, was ich heute tue, etwas leichter gehabt hätte. Ich kann es den Leuten nicht verübeln, die bei Instagram nur über Make-up sprechen. Man braucht ein dickes Fell.

Für das House of Play haben Sie ein Bällebad entworfen. Im Hintergrund sieht man die Regenbogenflagge. Ihre Botschaft steht also auch hier im Vordergrund?

Ich versuche, für die Message, die ich habe, jede mögliche Plattform zu nutzen. Die Homoflagge in Berlin zu zeigen, mag kein großes Statement sein. Aber das sehen auch ganz viele Menschen in Ländern, wo Homosexualität unter Todesstrafe steht. Ich nutze jede Gelegenheit um zu zeigen, dass die Freiheit, man selbst zu sein, nach wie vor ein Privileg ist.