Cheorographie

Detlef D! Soost: Pam Pam Pam! im Friedrichstadt-Palast

Detlef „D!“ Soost wurde durch die Castingshow „Popstars“ bekannt. Jetzt choreographiert er im Friedrichstadt-Palast.

Detlef Soost wurde in Pankow geboren und ist einer der bekanntesten Choreographen Deutschlands.

Detlef Soost wurde in Pankow geboren und ist einer der bekanntesten Choreographen Deutschlands.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Zuckerbrot und Peitsche: Mit diesem Konzept castete sich Detlef „D!“ Soost von 2002 bis 2012 durch zehn Staffeln „Popstars“. Der Tänzer und Choreograph weinte und litt mit seinen Kandidaten, schrie und schimpfte – und war immer mit vollem Körpereinsatz dabei. „Pam Pam Pam!“, so einer seiner markantesten Sprüche beim Tanztraining, der bis heute als Videoschnipsel durchs Internet geistert. Seit dieser Woche hat der 48-Jährige ein neues Projekt, das ein bisschen mehr nach dem weichen als nach dem Drill-Sergeant-Detlef verlangt. Im Friedrichstadt-Palast steht er mit dem jungen Ensemble auf der Bühne, um für die kommende Young Show „Im Labyrinth der Bücher“ zwei Nummern einzustudieren. Premiere ist erst am 17. November, doch wer Soost kennt, weiß: Bei seinem Perfektionismus ist das gerade noch Zeit genug.

Soost fordert Ausstrahlung und Einsatz

60 Kinder und Jugendliche gilt es bis dahin zu koordinieren. Am Montag wurde erstmals auf der großen Bühne des Hauses an der Friedrichstraße geprobt. Zur Begrüßung erkundigt sich Soost bei allen jungen Tänzern nach dem Wohlempfinden, geht von einem zum anderen. Inmitten des Nachwuchses wirkt der 1,90-Mann wie ein Riese. Die Kleinsten reichen ihm sogar nur dann bis zur Schulter, wenn sie auf den Trampolinen stehen, die bei der Eröffnung zum Einsatz kommen. „Kommt, wir gehen direkt mal rein und sehen, was passiert“, sagt Soost und nimmt in den verlassenen Stuhlreihen Platz. „Ausstrahlung und Einsatz von Anfang an“, fordert er.

Doch der erste Durchgang verläuft nicht zu seiner Zufriedenheit. „Ihr wisst selber, dass ihr Fehler gemacht habt“, stellt Soost fest. „Die konnte man nicht an einer Hand abzählen, da hätte man schon sechs gebraucht.“ „Pam!“, da ist er wieder, der „Popstars“-Charme – wenn auch in einer kindgerechten Version. Dem Ensemble ist der Respekt vor dem prominenten Trainer anzumerken. Konfrontationen wie der legendäre Schlagabtausch zwischen Soost und Monrose-Sängerin Senna Gammour bleiben an diesem Tag aus. „Ich bin immer so wie ich bin“, sagt Soost allerdings. Wenn es sich nicht gerade um Kleinkinder handle, könne ihm auch hier mal ein „Das war Scheiße“ rausrutschen. Seine Schützlinge danken ihm die Vehemenz im Nachhinein, glaubt er. Dass das finale Lob im Fernsehen oft herausgeschnitten wurde, habe er erst im Laufe der Jahre akzeptieren gelernt.

Detlef Soost ist auch abseits von „Popstars“ ein Original

Als Choreograph ist Detlef Soost auch abseits von „Popstars“ ein Original. Der 48-Jährige sagt Sätze wie „Letzte Runde, Kunigunde“, „Wo willst du hin, Prinzessin?“ oder „Machen wir mal ein bisschen Skibby Dibby“, während er Laufwege korrigiert, Trampoline verrückt und immer wieder zählend den Takt vorgibt. Seine Berliner Herkunft kann er dabei nicht verleugnen.

Soost wurde 1970 in Pankow als Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers geboren. Seine Mutter starb, als er 13 Jahre alt war, Soost wuchs in einem Heim auf. Neben einer Ausbildung zum Werkzeugmechaniker sammelte er erste Bühnenerfahrungen im damaligen Metropol Theater. Heute betreibt er deutschlandweit Tanzschulen für Kinder und Erwachsene, arbeitet als Trainer und Coach.

Mit seinem Engagement für den Friedrichstadt-Palast erfüllt sich Detlef Soost im Nachhinein einen Kindheitstraum. Im Alter von 16 Jahren bewarb er sich für die Ausbildung an der Staatlichen Ballettschule an der Erich-Weinert-Straße mit der späteren Option auf Übernahme in das Palast-Ensemble. Wegen eines Beckenschiefstandes wurde er nicht genommen.

„Für mich brach damals eine Welt zusammen. Das war mein Traum“, sagt er. Soost machte trotzdem seinen Weg als Tänzer und stand später für Helga Hahnemanns TV-Show „Ein Kessel Buntes“ an der Friedrichstraße auf der Bühne. „Jetzt schließt sich der Kreis“, findet er.