Comedian

Kaya Yanar: „Beziehungen waren für mich schwierig“

Kaya Yanar hat ein Buch über sein Leben in der Schweiz geschrieben. Darin gewährt der Comedian ungewöhnlich private Einblicke.

Comedian Kaya Yanar startete seine Karriere in Berlin.

Comedian Kaya Yanar startete seine Karriere in Berlin.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE

Berlin, sagt Kaya Yanar, als er mit seinem Rollkoffer ins „Einstein Unter den Linden“ spaziert, habe ihm eine Art Räuberleiter für seine Karriere gebaut. Hier fing Mitte der 90er-Jahre alles an. Bevor dem Comedian mit der Sat.1-Show „Was guckst du?!“ der Durchbruch gelang, trat er für 50 Mark pro Abend im Chamäleon-Varieté in den Hackeschen Höfen auf. Der gebürtige Frankfurter hatte damals eine Freundin in Berlin und verband das Angenehme mit dem Nützlichen.

Wahrscheinlich romantisiere er die Zeit, denn eigentlich hatte er hauptsächlich kein Geld, sagt der 45-Jährige. Trotzdem sei er deshalb bis heute gern in Berlin, auch wenn er hier nicht leben wollte. Stattdessen genießt der Sohn türkischer Einwanderer seit einigen Jahren die Beschaulichkeit seiner Wahlheimat Zürich, wo er mit seiner Schweizer Frau wohnt.

„Das ist hier aber nicht so wie in Deutschland“

Über Anpassungsschwierigkeiten zwischen deutschen und helvetischen Besonderheiten hat Yanar das Buch „Das ist hier aber nicht so wie in Deutschland!“ geschrieben und gewährt seinen Lesern darin ungewöhnlich private Einblicke.

In Ihren früheren Programmen gab es schon Witze über die Schweiz. Wurden einige davon von der Realität überholt, seitdem Sie dort leben und mit einer Schweizerin verheiratet sind?

Kaya Yanar: Ja, das lag daran, dass ich einen Onkel habe, der lange in der Schweiz gelebt hat. Ich war seit meinem fünften Lebensjahr immer wieder dort und kenne die Schweiz sehr gut. Manches ist heute natürlich ein bisschen peinlich. Vor etwa zehn Jahren habe ich mal auf der Bühne erzählt, dass ich niemals mit einer Schweizerin zusammenkommen könnte, weil ich die Sprache so unerotisch finde. Jetzt bin ich mit einer verheiratet. Das Schicksal hat mir in dieser Hinsicht das Maul gestopft.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass es seit dem ersten Kennenlernen drei Jahre gedauert hat, bis Sie ein Date mit Ihrer heutigen Frau hatten. Lag das an Ihren schlechten Witzen über die Schweiz?

Nee, das lag an mir, da habe ich keine Ausrede. Ich war schon ein verschrobener Typ. Wenn man bekannt ist, ist es schwer, eine Beziehung aufzubauen. Man hat diese ganze Paranoia: Warum ist diese Person mit mir zusammen? Weil ich Geld in der Tasche habe? Weil ich eine andere Währung habe – nämlich Ruhm? Das war aber gar nicht mein Hauptproblem. Ich bin in einer etwas dysfunktionalen Familie aufgewachsen. Beziehungen waren für mich schwierig, weil ich erlebt habe, dass es bei meinen Eltern schwierig war. Die haben sich ständig gestritten und sich schließlich getrennt. Bis ich das auf die Reihe gekriegt habe, brauchte es eine ganz spezielle Person. Eigentlich eine Psychotherapeutin. Meine Frau ist sehr cool, sie hat mich domestiziert.

Sie ist aber nicht wirklich Psychotherapeutin?

Nein. Könnte sie aber. Sie hat eine große Toleranz und viel Geduld. Die Schweizer Mentalität funktioniert in dieser Hinsicht offenbar besser für mich.

Über Ihre Frau ist wenig bekannt, außer dass sie Schweizerin ist. Möchte sie das so?

Ja, meine Frau ist da ganz anders als ich. Sie ist niemand, der ins Rampenlicht drängt. Außerdem genießen wir unsere Privatsphäre in der Schweiz sehr. In unserer Zeit wird über Social Media alles nach außen gekehrt. Da ist es doch schön, wenn man ein paar Sachen nur für sich hat.

Ihre Frau hat in Ihrem Buch ein Kapitel über das Zusammenleben mit Ihnen geschrieben. Wurde das von Ihnen zensiert?

Überhaupt nicht. Ich habe das Buch geschrieben und ihr zu lesen gegeben. Sie hat gesagt: Du stellst dich viel zu nett dar. Weil sie mich so oft kritisiert hat, habe ich gesagt: Schreib doch selber. Das hat sie gemacht und das ging direkt an den Verlag. Wenn die Frau von Bushido so etwas schreiben würde, würde da vielleicht etwas anderes stehen. Ich bin ja ganz harmlos.

Haben Sie sich ertappt gefühlt?

Ja, ich gebe es zu. Ich bin eine Drama Queen beim Kofferpacken und sehr empfindlich. Das ZDF hat mir hier in Berlin ein Top-Hotel gebucht. Aber mir war es zu hellhörig. Ich bin total geräuschsensibel. Wenn meine Frau beim Aufstehen mit den Füßen knackt, wache ich davon auf. Das ist leider so.

Sie schreiben sehr offen über Ihren Kinderwunsch. Woran scheitert es denn bisher?

So viel kann ich Ihnen verraten: Ich weiß wie es geht, ich bin dran. Wir probieren es schon eine ganze Weile. Ich weiß nicht, ab wann man unruhig werden sollte. Das ist in unserer Gesellschaft noch ein gewisses Tabuthema, aber in unserem Bekanntenkreis gibt es einige Leute, bei denen es nicht klappt. Irgendwann geht man dann zum Arzt und im besten Fall wird einem geholfen. Ich hoffe, dass das bei uns nicht nötig wird. Meine Frau hat aber jetzt schon drei Apps zum Berechnen ihrer fruchtbaren Tage. Und jede sagt etwas anderes.

Das klingt nach Stress.

Stress ist es noch nicht, aber man denkt darüber nach. Kumpels sagen, man muss jeden Tag. Jeden Tag! Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste. Und ich bin auch nicht immer da. Und es gibt ja auch äußere Umstände, die die Zeugungsfähigkeit beeinflussen sollen. Zum Beispiel das Handy. Das trage ich seit 20 Jahren jeden Tag in der Hosentasche. Oder wenn man früher gekifft hat. Das habe ich glücklicherweise nicht so viel gemacht wie die anderen. Man beschäftigt sich schon damit, aber noch bin ich zuversichtlich, dass es klappt.

Sie schreiben, dass Sie sich Gedanken machen, dass Sie Ihre zukünftigen Kinder gar nicht verstehen. Wie steht es denn um Ihr Schwyzerdütsch? Lernen Sie das an der Volkshochschule?

Es gibt tatsächlich Kurse. Ich habe aber noch keinen gemacht. Meine Frau spricht ja Hochdeutsch mit mir. Wenn ich sie anfangs auf Schwyzerdütsch sprechen gehört habe, habe ich sie gar nicht wiedererkannt. Dann spricht sie plötzlich doppelt so schnell. Man denkt immer, die Schweizer sind so langsam, aber das liegt nur am Hochdeutsch.

Sie haben also keine Ambitionen, die Sprache zu lernen?

Ich glaube, das Schlimmste, was man den Schweizern antun kann, ist, wenn man es schlecht versucht. Das ist Terror in den Ohren, da ist ihnen Hochdeutsch lieber. Das erste Erfolgserlebnis in der Schweiz ist schon, wenn man sie versteht. Darüber hinaus ist mein Ehrgeiz ehrlich gesagt etwas gedämpft. Weil sie es nicht von mir verlangen und weil ich eine faule Sau bin, was Sprachen angeht. Das war auch mit Türkisch so. Jedes Mal, wenn ich es versucht habe, fand ich es zu schwer.

Wie hat sich denn Ihr Blick auf Deutschland verändert, seitdem Sie in der Schweiz leben?

Man denkt natürlich immer, man wäre gar nicht so deutsch, vor allem wenn man, so wie ich, mit mehreren kulturellen Einflüssen aufgewachsen ist. Dann geht man raus und merkt: Doch, ich bin genau so deutsch wie die anderen. Das fängt bei Sachen wie dem Tempolimit an. Die haben da 120. Damit parken wir doch rückwärts ein in Deutschland. Und der Ton ist schon sehr direkt in Deutschland. Oder die Lautstärke in öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber man gewöhnt sich an alles. Sogar an 120. Das hätte ich vor zehn Jahren nicht gedacht. Wenn man ehrlich ist, sind wir schon wahnsinnig ohne Tempolimit. Aber ich bin in diesem Wahnsinn aufgewachsen. Wenn mich früher Kumpels besucht haben, die hatten richtig Angst auf der Autobahn. Neulich hat mich ein Freund mit seinem Porsche mitgenommen, bei 300 hätte ich fast gekotzt. Ich glaube, dass die Schweiz für mich so gut funktioniert, weil in meinem Job schon so viel los ist. Die Schweiz ist da ein guter Ausgleich. In einer Stadt wie Berlin könnte ich nicht leben, obwohl ich gern hier bin. Die Stadt ist riesig, lebendig, stressig und einfach sehr viel! Wenn ich frei habe, hänge ich einfach gerne zu Hause ab und spiele mit den Katzen.

In der Schweiz und in der Türkei gelten Sie als Deutscher, in Deutschland oft als Türke. Fehlt Ihnen das Gefühl einer von außen wahrgenommenen Identität, die mit ihrem Wohnort übereinstimmt?

In der Pubertät hat mir das gefehlt. Diese Zeit, in der man sowieso seine Identität sucht. Für deutsche und türkische Kumpels war es in den 80ern gar keine Frage, für welches Fußballteam sie waren, bei mir war das nicht so eindeutig. Das war ein bisschen unangenehm. Ich hatte weder die türkische Sprache noch den muslimischen Glauben. Aber zu 100 Prozent deutsch war ich auch nicht. Weil ich nicht so aussah und meine Eltern eben auch Türken waren. Irgendwann wurde das für mich zu einer Stärke, weil ich diese Spannung für meinen Beruf nutzen konnte. Aber das wusste ich damals noch nicht.