Chiara Schoras

„Älterwerden ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema“

In ihrem neuen Film „Mit der Tür ins Haus“ wird die Berliner Schauspielerin Chiara Schoras mit der Vergänglichkeit konfrontiert.

Schauspielerin Chiara Schoras lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Schauspielerin Chiara Schoras lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Foto: Reto Klar

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Chiara Schoras und ihre neueste Rolle hätten einiges gemeinsam: Um die 40, Single, Mutter eines pubertierenden Teenagers. In „Mit der Tür ins Haus“ (2. Mai, 20.15 Uhr, ZDF) spielt die Wahlberlinerin die alleinerziehende Nora, die – so die Ausgangssituation – mit ihrem 14-jährigen Sohn Linus zusammenlebt und in ihrem eigenen Reisebüro arbeitet. Schoras’ Tochter Anaïs, mit der sie in Kreuzberg wohnt, ist nur einige Jahre älter. Vom Vater, Moderator Nils Bokelberg, lebt sie getrennt.

Das allein ist natürlich keine Geschichte für einen Film. Und deshalb wird Noras Leben gleich zu Beginn auf den Kopf gestellt, als an ihrem Geburtstag plötzlich ihre Eltern vor der Tür stehen. Die beiden haben sich vor Jahren mit einer Pension in Island einen Traum erfüllt und ihrer Tochter das Reisebüro in einer Kleinstadt bei Frankfurt hinterlassen. Als sich nun erste Altersbeschwerden bemerkbar machen, wollen sich die Eltern wieder bei Nora einquartieren, lassen sie über die Dauer ihres Aufenthaltes jedoch zunächst im Unklaren. Die beengte Situation bringt alte Konflikte wieder zutage und lässt Nora an ihrem Lebensentwurf zweifeln: Hat sie bisher mehr nach den Vorstellungen ihrer Eltern gelebt als nach ihren eigenen?

Rollenfigur ganz anders als Chiara

Sie habe sich mit Regisseurin Karola Meeder viel über die Rolle und deren Reaktion auf die neue Situation unterhalten, sagt Chiara Schoras, denn Nora sei eben doch ganz anders als sie. So könne sie, im Gegensatz zu ihrer Figur, sehr gut auf ihre eigenen Bedürfnisse achten und diese an ihre Mitmenschen kommunizieren. Auch wenn das manchmal zu Spannungen führe. „Kommunizieren heißt ja auch mal konfrontieren. Es ist immer ein schmaler Grat, den anderen nicht zu verletzen und trotzdem zu sagen, was man sagen möchte.” Die Wünsche der anderen vor die eigenen zu stellen sei bis zu einem gewissen Grad eine Frauen anerzogene Eigenschaft, glaubt die Schauspielerin. „Wir halten die Familie zusammen und achten grundlegend erst einmal auf die Bedürfnisse der anderen. Ich finde aber, dass das eine Stärke ist, sofern man sich selbst darüber nicht vergisst.”

Eltern haben ihren Wunsch immer unterstützt

Dass sie selbst eine so starke Persönlichkeit ist, liege auch an ihren Eltern, eine Italienerin und ein Deutscher. Die hätten sie in ihrem Wunsch, auf der Bühne zu stehen, immer unterstützt, statt sie mit eigenen Erwartungen zu überfrachten. Das gleiche Prinzip verfolge sie mit ihrer Tochter, die in diesem Jahr Abitur macht. „Es ist ein neuer Abschnitt von Elternsein, und ich möchte sie darin unterstützen, dass sie auf ihr Herz hört und die Dinge mit Leidenschaft tut”, sagt die 43-Jährige.

Auch für sie beginne ein neuer Lebensabschnitt, wenn ihre Tochter in naher Zukunft ausziehe, dem sie aber nicht wehmütig, sondern mit Vorfreude entgegenblicke. Vielleicht wage sie ja noch einmal einen Umzug, raus aus Berlin. Zwar liebe sie als gebürtige Hamburgerin die Großstadt mit ihrer ständigen Verfügbarkeit von Menschen, Kultur und Kaffee um die Ecke. Gleichzeitig sei Berlin aber auch eine aufreibende Stadt. „Ich bin froh, dass ich in Italien regelmäßig den Ausgleich habe. Die Natur gibt mir Kraft, wenn ich monatelang nur auf Beton geguckt habe.”

Chiara Schoras ermittelt seit 2015 als Kommissarin

Seit 2015 ermittelt Chiara Schoras als Kommissarin Sonja Schwarz im „Bozen-Krimi“. Mehrmals im Jahr ist sie vor Ort und hat mittlerweile auch eine Wohnung in Italien. „Ich gucke in die Berge und auf die Weinberge”, sagt sie. „Ich freue mich, bald wieder zwei Monate dort zu sein. Das Team ist mittlerweile wie eine Familie. Es ist wie nach Hause kommen.”

Dass sie eines Tages wieder mit ihren Eltern unter einem Dach lebt, kann sich Schoras gut vorstellen. „Wir haben meine Oma auch bis zu ihrem Tod in der Familie gepflegt, das war total selbstverständlich, und ich möchte auch die letzten Momente intensiv mit meinen Eltern teilen“, sagt sie.

Damit es keine bösen Überraschungen gebe, so wie bei Nora in „Mit der Tür ins Haus“, versuche sie schon jetzt, mit ihren Eltern über solche Eventualitäten zu sprechen. Das sei zugegebenermaßen nicht immer einfach. „Ich finde, dass Älterwerden, Krankwerden und Sterben in unserer Gesellschaft immer noch große Tabuthemen sind. Aber je älter die eigenen Eltern werden, desto furchtloser müssen wir in unserer Kommunikation werden”, sagt sie. „Mir ist es sehr wichtig, darüber zu sprechen, wie es für meine Eltern ist, älter zu werden und wie es sich anfühlt, vielleicht bald gehen zu müssen. Liebevoll dran bleiben ist meine Methode. Es macht uns allen Angst, aber es betrifft uns auch alle.”

Für sich selbst kann Chiara Schoras sich im Alter eine WG mit Gleichgesinnten gut vorstellen – nicht nur, weil sie Single ist. „Ich finde das eine ganz tolle Idee. Ich denke, dass sich alles immer mehr in diese Richtung entwickeln wird, mit oder ohne Partnerschaft”, sagt sie. „Es ist doch wahnsinnig schön, zum Beispiel so ein Hof, den man zusammen bewirtschaftet. Ab und zu kommt jemand zum Helfen vorbei und man geht gemeinsam durch diese letzte Etappe.“

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