Berliner Rapper

Capital Bra muss Konzerte in Bremen absagen

Der Berliner Rapper Capital Bra hat am Wochenende seine beiden Konzerte in Bremen kurzfristig abgesagt - aus gesundheitlichen Gründen.

Chaos bei Autogrammstunde von Berliner Rapper Capital Bra

Eine Autogrammstunde des Berliner Rappers Capital Bra ist im Media Markt im Einkaufsfzentrum Alexa außer Kontrolle geraten. Facebook-Videos zeigen Hunderte Menschen die für ein Autogramm ins Alexa strömen.

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Berlin/Bremen. Der Berliner Rapper Capital Bra hat am Wochenende seine beiden Konzerte in Bremen kurzfristig abgesagt. In einer Instagram-Story schrieb der 24-Jährige, es sei ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich die Shows in Bremen zu spielen. "Ich befinde mich derzeit noch in Behandlung und die Ärzte haben mir von einem Auftritt strengstens abgeraten", so Capital Bra. Er werde sich auskurieren und dann mit neuer Energie in Saarbrücken am Dienstag wieder auf der Bühne stehen. "Es tut mir wirklich sehr leid und wir werden uns innerhalb von 24 Stunden mit einem neuen Termin bei Euch melden", teilte der Rapper weiter mit.

Capital Bra ist derzeit auf seiner "Gucciland"-Tour, die den 24-jährigen Berliner kreuz und quer durch Deutschland führt, außerdem nach Wien und Zürich. Am 7. und 8. Mai tritt der Rapper in der Verti Music Hall in Berlin auf. Die Konzerte sind bereits ausverkauft.

Der in Sibirien geborene und in der Ukraine aufgewachsene Capital Bra steht für viele stellvertretend für den einst provokanten Straßenrap, der den Weg aus prekären Plattenbauten in situierte Vorstadtvillen gefunden hat. Die Musikform sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagt Marcus Kleiner, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der SRH Hochschule der populären Künste Berlin. Fans seien vor allem 12- bis 25-Jährige.

Capital Bra zog mit sieben Jahren nach Berlin-Hohenschönhausen

"Bra" steht für "Brat", das russische Wort für Bruder. "Brat" heißt auch ein russischer Kultfilm über einen Außenseiter. Der Rapper, der aus der Kälte kam, zog mit sieben Jahren mit seiner Mutter nach Berlin-Hohenschönhausen und wurde durch die Veranstaltung "Rap am Mittwoch" bekannt.

Der Reiz bestehe darin, dass Capital Bra aus seiner kleinkriminellen Vergangenheit und anderen kontroversen Themen aus seinem Leben kein Hehl mache und die Entwicklung vom "Bordstein zur Skyline" möglichst authentisch zu inszenieren versuche, sagt Experte Kleiner. Seinen heranwachsenden Fans vermittele der Musiker die Botschaft: "Jeder kann es schaffen." Und: "Bleib Dir treu." Damit erreiche er das für die Jugend wichtige "Empowerment" (etwa: Selbstbestimmung).

Dabei entbehrt der Erfolg eines aus Sibirien stammenden Rappers in Deutschland in diesen Tagen nicht einer gewissen Ironie. Erst vor kurzem kontrollierten in Russland Polizei und Geheimdienst Rap-Konzerte und unterbanden sie zum Teil. Rap und andere Formen der Popkultur beruhten auf drei Dingen, kritisierte Kremlchef Wladimir Putin: "Sex, Drogen und Protest." Aber eine offene Konfrontation mit der einflussreichen Subkultur vermeidet Moskaus Machtapparat bisher.

Wissenschaftler: Capital Bra ruft nicht zur Gewalt auf

Capital Bra schildere in seinen Songs zwar Gewalterfahrung, rufe aber nicht zur Gewalt auf, sagt Kleiner der Deutschen Presse-Agentur. Rap sei schon lange in der Mittelschicht nicht mehr verpönt. "Dort wird er als eine Art Verwilderungsunterhaltung konsumiert - ähnlich dem Stellvertretererlebnis beim Schauen von Thrillern oder Horrorfilmen."

Capital Bra habe kein neues Genre geschaffen, sondern sich an ein erfolgreiches Genre erfolgreich angeschlossen, betont Kleiner. Der Musiker vereine auf eine für Fans attraktive Weise Wortspiele sowie den ungefilterten Ausdruck von Gefühlen und Gedanken und dynamischem Beat, meint der 45-jährige Wissenschaftler. "Er hat einen ganz guten Flow." In der renommierten Popakademie in Mannheim ist Rap längst Unterrichtsstoff. Manche sehen den Sprechgesang selbst schon als Pop.