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Christoph Maria Herbst: „Bei uns ist alles unisex“

Der Schauspieler Christoph Maria Herbst ist in einer neuen Comedy-Serie zu sehen. In „Merz gegen Merz“ geht es um Zoff in der Ehe.

Der Schauspieler Christoph Maria Herbst.

Der Schauspieler Christoph Maria Herbst.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Essen. Die Rolle als fieser Bürotyrann Stromberg hat ihn berühmt gemacht: Jetzt ist Christoph Maria Herbst (53) in der Sitcom „Merz gegen Merz“ zu sehen, einer neuen Comedyserie von „Stromberg“-Erfinder Ralf Husmann. Die acht Episoden drehen sich um ein von Herbst und Annette Frier gespieltes Ehepaar, das sich trennen will – doch der Weg zur Scheidung ist mit Stolpersteinen gepflastert.

Ein Ehepaar in der Krise. Das klingt zunächst nicht zwingend komisch.

Christoph Maria Herbst: Stimmt, es ist wieder mehr eine Tragedy als eine Comedy.

Wie viel Stromberg steckt denn in Erik Merz?

Die Texte sind von Ralf Husmann geschrieben und in ihnen schwingt eine ganze Menge Stromberg mit. Er bleibt sich da schon treu, auch sein teilweise recht zynischer, misanthropischer Blick aufs Menschsein und das Miteinander fließt in „Merz gegen Merz“ ein. Allerdings ist es vor allem Annette Frier, die Erik Sätze an den Kopf wirft, die ich früher eins zu eins als Stromberg hätte sagen können. In der Serie spielt also eigentlich sie den Stromberg.

Sie sind verheiratet. Da kommen doch sicher auch einige Erfahrungen zusammen.

Ja, ich schöpfe aus eigenen Erfahrungen. Nicht weil ich schon mehrfach geschieden wäre, aber weil ich mit meinen 53 Jahren ja auch schon die ein oder andere Beziehung zu Frauen hatte, die nicht gehalten hat. Das ging dann auch nicht immer auf die zärtlichste und sanfteste Weise zu Ende, sondern da muss man einstecken können, teilt aber auch selber aus.

An einer Stelle sagen Sie als Erik Merz: Ehen scheitern nicht an den großen Themen wie Zukunft, sondern an kleinen Themen wie einer Tafel Schokolade, die man nicht teilen will.

Bekanntermaßen steckt der Teufel oft im Detail. Bei den einen ist es die berühmte Zahnpastatube, die nicht zugeschraubt ist, oder die dreckigen Socken, die irgendwo rumliegen. Wenn man der Meinung ist, dass man aus der Mücke einen Elefanten machen muss – selber schuld. In meiner Beziehung läuft das anders. Über viele Dinge, die bei anderen Paaren ein Problem werden könnten, haben wir längst schon offen gesprochen, eben um zu vermeiden, dass es die kleinen Dinge sind, die uns zum Scheitern bringen.

Als Geheimnis einer geglückten Partnerschaft gilt ja, dass man stets miteinander spricht und nicht erst dann, wenn man gemeinsam beim Paartherapeuten sitzt wie das Ehepaar Merz.

Die Kommunikationsschwierigkeiten beim Ehepaar Merz sind schlimm. Da sagt der eine Rot, aber der andere will ein Blau gehört haben. Das ist lustig, aber auch sehr realistisch. Damit berühren wir ja einen der wesentlichen Punkte des humoristischen Œu­v­res von Loriot, den Mangel an Kommunikation zwischen den Menschen. Ich halte es für unabdingbar, dass man den Partner ausreden lässt und nicht glaubt, genau zu wissen, was er als nächstes sagt. Man muss dem Partner jeden Tag aufs Neue die Chance geben, einen zu überraschen.

Humor soll ja helfen.

Humor ist extrem wichtig – in der richtigen Dosierung. Wir reden nicht ständig in lustiger Kindersprache miteinander, bis die Menschen in unserem Umfeld denken: „Was haben denn die geraucht?“ Aber im richtigen Moment, in dem andere an die Decke gehen würden, lache ich lieber und versuche, Missgeschicke auf eine undeutsche Weise abzupuffern, indem ich einfach mal über mich selber lache. Das hat mir schon oft sehr geholfen.

Und wie halten Sie es mit der Rollenverteilung? Sind Sie ein emanzipierter Ehemann?

Unbedingt. Bei uns daheim wird nicht thematisiert, wer den Müll runterbringt, und ich würde nie sagen: „Nee, ich bin der Mann, das machst du jetzt mal schön.“ Bevor mir meine Frau eine klatscht, hätte ich mir da selber schon eine reingehauen. Bei uns ist alles komplett auf Augenhöhe, also unisex. Diese geschlechtsspezifische Verteilung, die Rollenklischees, die man von unseren Eltern oder Großeltern kennt, die noch mit dem Muff der 50er- und 60er-Jahre zu tun hatten, gibt es doch heutzutage gar nicht mehr. (Cornelia Wystrichowski)