Claus Theo Gärtner

"Lieber gar nichts als immer wieder Matula"

Seit mehr als 30 Jahren ist Claus Theo Gärtner Matula. Erst in „Ein Fall für zwei“, jetzt solo. Die Rolle ist Fluch und Segen, sagt er.

Schauspieler Claus Theo Gärtner alias Matula wurde in Berlin geboren und ist der City West treu geblieben.

Schauspieler Claus Theo Gärtner alias Matula wurde in Berlin geboren und ist der City West treu geblieben.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Claus Theo Gärtner hat Farbe im Gesicht, als wir ihn in der Bleibtreustraße treffen. Und das, obwohl Berlin in der vergangenen Woche von einem erneuten Wintereinbruch heimgesucht wurde. Der 75-Jährige kommt geradewegs aus dem Skiurlaub, nach einem Zwischenstopp in der Heimat geht es weiter nach Basel, wo der Schauspieler und seine 35 Jahre jüngere Schweizer Ehefrau Sarah einen Zweitwohnsitz haben.

An Ostern steht Mallorca auf dem Programm – aber leider nur für sein Alter Ego Matula. Der Privatdetektiv, den Gärtner seit 1981 mit einer kurzen Unterbrechung verkörpert, ermittelt im diesjährigen Special („Matula – Tod auf Mallorca“, Karfreitag, 19. April, 21.15 Uhr, ZDF) auf der Baleareninsel. Dieses Mal gilt es, den Mord an einem vermeintlichen Jachtbesitzer aufzuklären, dem Geld und Frauen zum Verhängnis wurden.

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Ungemütliche Dreharbeiten für "Matula" auf Mallorca

Gedreht wurde bereits im vergangenen Spätherbst. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als Mallorca von schweren Unwettern heimgesucht wurde. Mit der Sonne war es also nicht weit her. Gärtner musste trotzdem immer wieder ins kalte Wasser springen und im T-Shirt Ferienstimmung simulieren.

Tatsächlich fror er trotz langer Unterhosen. So hatte er sich die Arbeit an der dritten Episode des „Ein Fall für zwei“-Ablegers nicht vorgestellt, sagt der Schauspieler und lacht. Nach den Filmen der Vorjahre, an der Nordsee und im Allgäu, habe man ihm Wärme versprochen.

Dass die Dreharbeiten nicht immer Spaß machen, sei Teil des Jobs, sagt Claus Theo Gärtner. Wichtig sei, dass die Spielfreude nicht verloren gehe. 2011 war der gebürtige Berliner einmal an diesem Punkt. Nach 300 Folgen wolle er endlich einmal etwas anderes spielen als immer nur den Privatdetektiv, der an der Seite wechselnder Anwälte ermittelt. Einen Ausschlag haben die Reaktionen auf die Helmut-Kohl-Biografie „Der Mann aus der Pfalz“ gegeben. In dem Film spielte Gärtner 2009 den ehemaligen Familienminister Heiner Geißler. In der Zeitung las er dann: „Was macht Matula in der Pfalz?“ „Da war mir klar, ich bin verbrannt. Ich bin der Matula, egal was ich spiele.“

Also machte Gärtner Schluss mit Matula, ging auf Reisen mit seiner Frau und schrieb seine Autobiografie. „Ich habe 1966 angefangen, ich habe genug gearbeitet. Jetzt genieße ich meine Rente“, so der Schauspieler. Aber dann fing er doch an, etwas zu vermissen. Nicht die Rolle, nicht das Geld. „Ich bin ganz gut versorgt“, sagt Gärtner. Aber die Arbeit mit den Kollegen, die Kreativität, sogar die Disziplin und das Überwinden des inneren Schweinehundes.

Doch die Caster, Drehbuchautoren, Theaterregisseure und Zuschauer wollten in Gärtner partout nur den Matula sehen. Alles, was ihm nach dem Serien-Aus angeboten wurde, sei sehr nah an seiner Lebensrolle gewesen, sagt er. Für Gärtner keine Option. „Lieber gar nichts als immer wieder diese Figur“, sagt er. Oder: Wenn schon Matula, dann wenigstens das Original.

Matula als Fluch und Segen

Seit 2017 hat er drei „Matula“-Filme gedreht, die immer am Karfreitag ausgestrahlt werden und in denen der Detektiv nun mit der Unterstützung eines Hundes ermittelt. „Einmal im Jahr geht das“, sagt er. „Das ist ja wie Ferien.“ Zu „Ein Fall für zwei“-Zeiten waren es zehn Folgen im Jahr – und das seit 1981. Fluch und Segen, findet Claus Theo Gärtner im Nachhinein. Er habe in dieser Zeit kaum etwas anderes drehen können, auf der anderen Seite könne er sich dank der Serie heute aussuchen, ob er überhaupt noch arbeiten wolle.

Dafür nimmt er in Kauf, dass er auf der Straße schon mal als Matula angesprochen wird. Oder dass der Bund deutscher Privatdetektive ihn als Kollegen feiert. Die echten Detektive würden sich selbst gern so sehen wie Matula, glaubt Gärtner. Auch Prominente, die er manchmal träfe, so wie der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet, hätten ihm schon ihre Bewunderung gestanden. „Viele möchten so sein wie Matula: frech, mutig, antiautoritär.“ Dabei habe er selbst die Figur nie wirklich ernst genommen. „Ich bin schließlich kein James Bond“, sagt er.

Als Claus Theo Gärtner sich 2013 von „Ein Fall für zwei“ verabschiedete, schrieb „Spiegel Online“, Matula sei „ein Symbol westdeutscher Beständigkeit und einer Männlichkeit, die im Laufe der Zeit immer veralteter wirkte: Ein lederbejackter Macho, der Alfa Romeo fährt, mit rauer Stimme markige Sprüche raushaut und immer knapp bei Kasse ist.“ Sein Darsteller sieht das ein wenig anders. Männlichkeit bedeute für ihn nicht Macho-Sein, auch wenn er seine eigene Definition schuldig bleibt. Nur so viel: „Alles, was Matula ist, hat er von mir“, sagt Gärtner. Und er sei beispielsweise sehr treu. „Ich ziehe nicht mehr nachts durch die Kneipen, um Frauen abzuschleppen.“ Matula und er seien eben auch zusammen älter geworden.

Matula - Tod auf Mallorca, Karfreitag, ZDF, 21.15 Uhr