Victress Award

Claudia Pechstein: Preis für eine Kämpferin

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wird in der Universität der Künste mit einem Victress Award geehrt

Victress-Award am 08.04.2019 in Berlin Claudia PechsteinEisschnellläuferin Claudia Pechstein erhält den Preis als Victress of the Year in der Universität der Künste.

Victress-Award am 08.04.2019 in Berlin Claudia PechsteinEisschnellläuferin Claudia Pechstein erhält den Preis als Victress of the Year in der Universität der Künste.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Der Preis, das gab Claudia Pechstein zu, sei auch eine Genugtuung. Ein Zeichen dafür, dass sie in der Öffentlichkeit noch immer positiv wahrgenommen werde, eine Botschaft an ihre Gegner. Am Montagabend wurde die Berlinerin im Konzertsaal der Universität der Künstler mit einem Victress Award geehrt, der Frauen als Vorbilder und Führungspersönlichkeiten auszeichnet. Und das nicht trotz, sondern genau wegen ihrer Geschichte.

2009 wurde die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin von der Internationalen Eislaufunion für zwei Jahre gesperrt, nachdem diese es nach einer Reihe von Proben als erwiesen angesehen hatte, dass Pechstein sich des Blutdopings schuldig gemacht hatte. Im März 2010 bescheinigten Mediziner der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie der Sportlerin eine Blutanomalie, die für die veränderten Werte verantwortlich sei. Die heute 47-Jährige kämpfte jahrelang für ihre Rehabilitierung und kehrte 2011 erfolgreich in den Profisport zurück. Erst Anfang 2019 musste sie jedoch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine endgültige Niederlage hinnehmen, als ihr Antrag, den Fall neu aufzurollen, abgelehnt wurde.

Bühne für inspirierende Frauen

„Mein Kampf dauert jetzt schon zehn Jahre“, sagte Pechstein am Montag. „Solange die Gerechtigkeit nicht gesiegt hat, ist das nicht überstanden.“ Dennoch sei die Auszeichnung mit dem Victress Award ein Zeichen dafür, dass weite Teile der Öffentlichkeit das Urteil für falsch hielten. „Es wird honoriert, dass ich offensichtlich etwas richtig gemacht habe im Leben.“

Der Victress Award wurde 2005 von Unternehmerin Sonja Fusati ins Leben gerufen und wird seitdem jährlich im Rahmen einer festlichen Gala mit zahlreichen prominenten Gästen verliehen. Die Idee ist, inspirierenden Frauen eine Bühne zu geben. „Wir feiern herausragende Frauen mit Hirn und Herz. Die spannenden Erfolgsgeschichten zeigen die Vielfalt der Möglichkeiten, die uns heute offenstehen“, so Fusati. „Wir wollen andere zu Großartigem inspirieren, veraltete Rollenbilder aufbrechen und so zur gesellschaftlichen Veränderung beitragen.“ Zu den Preisträgerinnen der vergangenen Jahre gehörten Sängerin Nena sowie die Schauspielerinnen Uschi Glas, Veronica Ferres und Andrea Sawatzki. Neben Claudia Pechstein wurden noch sechs weitere Frauen aus der Wirtschaft ausgezeichnet. Darunter Ilijana Vavan, Europachefin des Antiviren-Spezialisten Kaspersky Lab, und Nelly Kostadinova, Geschäftsführerin des Übersetzungsunternehmens Lingua World.

„Preise zu bekommen, ist immer etwas Schönes“

Die Laudatio auf Claudia Pechstein hielt Moderator Andreas von Thien. Die als Victress of the Year Geehrte freute sich über den Award schon vorab mindestens genau so doll wie über einen sportlichen Sieg. „Preise zu bekommen, ist immer etwas Schönes, insofern es nicht die Goldene Himbeere ist“, sagte sie lachend. „Nachdem, was ich alles erlebt habe, freue ich mich besonders über die Auszeichnung.“ Nur wenige Menschen könnten nachvollziehen, was sie durchgemacht habe, so Pechstein. Nach ihrer Sperre sei sie so verzweifelt gewesen, dass sie darüber nachgedacht habe, sich das Leben zu nehmen. Geholfen habe ihr in dieser schweren Zeit vor allem ihr Lebensgefährte Matthias Große. Dass sie jetzt, mit fast 50, wieder zurück an der Weltspitze sei, mache sie unglaublich stolz.

Zum Gratulieren kamen unter anderen die Schauspieler Maren Gilzer und Michael Mendl, Moderatorin Minh-Khai Phan-Thi und Adoptivprinz Frédéric von Anhalt. Der Witwer von Film-Diva Zsa Zsa Gabor ist in letzter Zeit häufiger in Berlin und prophezeite der Hauptstadt gar Hollywood-Konkurrenz: „Berlin kommt!“

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