Künstler-Biografie

Julian Schnabel zeigt in Berlin seine Version von van Gogh

Die meisten Filme über Vincent van Gogh seien schlecht, sagt Julian Schnabel. Nun drehte er selbst einen. Montag war Berlin-Premiere.

Julian Schnabel und Louise Kugelberg in Berlin

Julian Schnabel und Louise Kugelberg in Berlin

Foto: Maurizio Gambarini

Künstlern wird gemeinhin ein Hang zur Exzentrik nachgesagt. Zwei Beispiele, in unterschiedlicher Ausprägung, gab es am Montagabend im Cinema Paris bei der Berliner Premiere von “Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit” zu beobachten. Auf der Leinwand: der niederländische Maler, verkörpert von Willem Dafoe, der mit der Gesellschaft fremdelt, mit seiner Kunst hadert und sich nach einem Streit mit Paul Gauguin einen Teil seines linken Ohres abschneidet.

Im Kino: der US-amerikanische Maler und Regisseur des Films, Julian Schnabel, mit blau getönten Brillengläsern und offenen Schnürsenkeln, der erzählte, dass er schon mal eine Xanax einwerfe, wenn es ihm bei einer seiner Premiere zu unruhig werde. Etwa 40 Filme wurden über van Gogh bereits gedreht, die meisten davon schlecht, sagte Schnabel über seiner Motivation. “Vincent van Gogh verdient einen guten Film”, so der 67-Jährige. In seinem Narrativ folgt er der Theorie des Biografen Steven Naifeh, wonach der Maler sich nicht im Alter von 37 Jahren selbst erschoss, sondern durch einen Unfall zu Tode kam. In erster Linie habe er aber einen Film über die Kunst, nicht über den Künstler machen wollen, erklärte Schnabel. “Van Goghs Bilder haben mich dazu gebracht, das Projekt zu realisieren. Sie haben zu mir gesprochen.”

Im Anschluss wurde noch am Kudamm gefeiert

Das Drehbuch zu “Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit” stammt von dem französischen Schriftsteller Jean-Claude Carrière, Julian Schnabel und dessen dritter Ehefrau Louise Kugelberg, die ebenfalls nach Berlin gekommen war. Schnabel gelte als schwierig und kontrollsüchtig, wenn es um seine Kunst gehe, wie denn die Arbeit an dem gemeinsamen Projekt gewesen sei, wollte eine Zuschauerin wissen. “Ich wusste ja, worauf ich mich einlasse”, so die diplomatische Antwort der schwedischen Innenarchitektin, die den Film auch geschnitten hat.

Er verstehe die Frage nicht, so Schnabel. “Ich bin sehr unkompliziert.” Das Paar ist seit Anfang dieses Jahres verheiratet. Aus seiner Ehe mit der belgischen Designerin Jacqueline Beaurang hat Schnabel, neben fünf weiteren Kindern, Sohn Vito, der drei Jahre lang mit Heidi Klum liiert war.

Im Premierenpublikum saßen auch bekannte Gäste wie Verleger Florian Langescheidt und die Schauspieler Nikolai Kinski und Paula Beer. Ihr habe der Film sehr gut gefallen, weil er es schaffe, ein Gefühl zu transportieren, so die “Bad Banks”-Hauptdarstellerin. “Ich denke, dass Julian Schnabel einen besonderen Zugang zu dem Thema hatte, weil er selbst Künstler ist.” Gefeiert wurde im Anschluss noch gegenüber des Kinos an der prominenten Adresse Kurfürstendamm 213. In der herrschaftlichen ehemaligen Wohnung von Verlagsgründer Axel Springer ist mittlerweile die Redaktion des Kunstmagazins “Blau” beheimatet.