Interview

Til Schweiger: „Ich werde auch nicht jünger“

Alles neu: Als „Tatort“-Kommissar will Til Schweiger weicher werden. Jetzt dreht er auf der Nordseeinsel Neuwerk.

Schauspieler Til Schweiger in seinem Restaurant „Barefood Deli" in Hamburg.

Schauspieler Til Schweiger in seinem Restaurant „Barefood Deli" in Hamburg.

Foto: Marcelo Hernandez

Til Schweigers Pechsträhne nimmt kein Ende. Nachdem sein US-Remakes „Head Full of Honey“ seines eigenen Erfolgsfilms „Honig im Kopf“ in den USA gefloppt ist, geht der Minusrekord auch in den deutschen Kinos weiter. In zwei Wochen haben nicht einmal 7000 Besucher den Film gesehen. „Honig im Kopf“ dagegen sahen sieben Millionen.

Ab kommender Woche dreht der 55-Jährige, der übrigens auch Schuhe designt, auf der Nordseeinsel Neuwerk eine neue „Tatort“-Folge. Auch für seinen „Tatort“-Ausflug im Kino ist er ja gerügt worden, auch der hat nicht eingelöst, was die Macher sich versprochen haben. Deshalb, so verrät Schweiger, soll sein Kriminalhauptkommissar Nick Tschiller, bisher ein Haudrauf, der im Zweifel erst schießt und dann fragt, sich nun verändern. Tschiller wird ruhiger, nachdenklicher – und arbeitet auf der Insel mit Jugendlichen mit schwierigem sozialen Hintergrund.

Herr Schweiger, eigentlich wollen Sie heute eine neue Schuhserie vorstellen, aber nun ist zu hören, dass Sie wieder einen „Tatort“ drehen ...

Das Team hat hier in Hamburg schon angefangen. Er wird „Tschillout“ heißen, den Titel finde ich großartig. Ich arbeite darin auf Neuwerk mit schwer erziehbaren Jugendlichen und warte auf mein Disziplinarverfahren zu meinem nicht genehmigten Trip nach Istanbul und Russland im Kino-„Tatort“. Ich steige in der kommenden Woche ein und werde mit dem gesamten Team auf Wattwagen zur Insel fahren.

Haben Sie so etwas schon einmal gemacht?

Nein, ich wusste gar nicht, was das bedeutet, aber jetzt langsam dämmert es mir.

Und Nick Tschiller verändert sich wirklich ein wenig?

Schon bevor wir den Film gedreht haben mit Tschillers Kampf gegen das organisierte Clan-Verbrechen, haben wir gesagt, wir brauchen einen neuen Gegner. Was wir an Action im Kino-„Tatort“ abgebrannt haben, können wir gar nicht mehr überbieten. Tschiller macht deshalb einen Neuanfang.

Mit mehr Humor?

Es gibt auch ein paar Lacher darin.

Macht es Ihnen Spaß, diese Figur in die neue Richtung zu entwickeln?

Sie macht mir generell Spaß. Nach all der Action müssen wir uns jetzt mal etwas Neues einfallen lassen. Ich werde ja auch nicht jünger. Was Regisseur Christian Alvart mit seinem kleinen Budget in den Filmen davor auf die Beine gestellt hat, war sensationell. Trotzdem habe ich mir für den Relaunch jetzt Eoin Moore als Regisseur gewünscht. Mein Lieblings-„Tatort“ ist nämlich der „Polizeiruf 110“ aus Rostock, den er inszeniert.

Wer spielt sonst noch mit?

Laura Tonke spielt die Leiterin des Jugendheims. Ben Münchow wird in einer Hauptrolle zu sehen sein. Die Tochter des Regisseurs, Zoe Moore, spielt auch mit. Und Simon Frühwirth ist mit dabei. Als Sendetermin ist zurzeit der Januar angedacht.

In vielen Ihrer Filme spielen Ihre Töchter mit. Es sieht aber so aus, als ob keine von ihnen Schauspielerin werden will. Sind Sie enttäuscht?

Sie haben nie gesagt, dass das ihr Ziel ist. Ich habe meine Kinder nie dazu gedrängt, sie hatten einfach Lust. Das habe ich vorher immer getestet. Für mich war es eine tolle Sache, weil ich mit ihnen zusammenarbeiten konnte. Und sie konnten sehen, dass es nicht nur Spaß ist, was der Papa macht, sondern harte Arbeit. Es war eine tolle Zeit. Ich habe ihnen immer gesagt, ihr müsst euch genau überlegen, was ihr mit eurem Leben machen wollt. Entscheidend ist nicht, dass der Job einen reich macht, sondern dass die Arbeit Spaß macht und euch erfüllt. Was das ist, ist völlig egal. Wenn man das schafft, zählt man schon zu den Glücklichen.

Im Juni kommt der Kompilationsfilm „Berlin, I Love You“ mit Keira Knightley, Helen Mirren und Mickey Rourke in die Kinos, für die Sie auch eine Episode gedreht haben. Wie sehen Ihre weiteren Pläne fürs Kino aus? Denken Sie auch über Serien nach?

Wir haben Ideen für zwei Serien. Aber das heißt ja noch nicht, dass daraus auch ein gutes Drehbuch wird. Und eine gute Serie zu konzipieren, ist ungleich schwerer als einen Kinofilm. Erst einmal ist aber jetzt „Klassentreffen 2“ dran. Wir haben auch zwei andere Kinostoffe in der Entwicklung, aber über die möchte ich noch nicht reden.

Wenn Sie, wie im „Tatort“ nur vor der Kamera stehen, bricht da nicht manchmal der Regisseur in Ihnen durch?

Eigentlich war der Grund dafür, dass ich hinter die Kamera gegangen bin, dass ich so viele Ideen hatte und die Regisseure damit belatschert habe. Einige haben mal eine meiner Ideen aufgenommen, andere haben gesagt: Das ist mein Film. Das muss man dann auch akzeptieren. Ich bringe mich trotzdem ein, aber ich gehe nicht ans Set und sage: Moment mal, ich bin auch Regisseur, das machen wir jetzt mal ganz anders. Ich hätte beim neuen „Tatort“ auch selbst Regie führen können, das wollte ich aber nicht. Warum? Erstens habe ich schon genug zu tun. Und zweitens hatte ich Angst, dass ich mich mit dem Budget verzettele. Bei Kinofilmen gehe ich immer volles Risiko und stecke alles Geld hinein, das ich habe, und hoffe, dass es erfolgreich wird. Wenn man als TV-Produzent das Budget überzieht, muss man selbst zahlen.

Wenn Sie jetzt erste Anzeichen des Alterns registrieren, hat das dann Auswirkungen auf Ihre Rollenauswahl?

Das hat es automatisch. Mein Vater hat früher immer zu mir gesagt: Irgendwann bist du nicht mehr so hübsch, dann kannst du diese Rollen nicht mehr spielen. Ich habe geantwortet: Dann spiele ich eben Väter und später Großväter.

Von Opa-Rollen sind Sie aber wohl noch ein Stück entfernt, oder?

Aber nicht mehr so weit.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen