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„ThatsBekir“ und „Bahar al Amood“ - Wer sind die beiden?

Anhänger der beiden Männer haben sich auf dem Alexanderplatz eine Massenschlägerei geliefert.

Massenschlägerei am Alexanderplatz: Am Donnerstagabend hat der Konflikt zwischen den zwei jungen Männern für einen mehrstündigen Großeinsatz der Polizei gesorgt.

Massenschlägerei am Alexanderplatz: Am Donnerstagabend hat der Konflikt zwischen den zwei jungen Männern für einen mehrstündigen Großeinsatz der Polizei gesorgt.

Foto: Thomas Peise

Berlin. Der junge Mann steht auf dem Alexanderplatz, hält sein Handy in die Luft, filmt sich und seine Fans, schreit: „ThatsBekir, Du?“ Seine jungen Fans, mit Kinderstimmen, rufen im Chor: „Hurensohn!“ Dann endet das kurze Video.

Kurz darauf rasen Polizeiwagen heran. Schulter an Schulter stehen die Jugendlichen um die Kontrahenten. Der 18-Jährige Stuttgarter Youtuber „ThatsBekir“ auf der einen, der Berliner YouTuber „Bahar al Amood“, ebenfalls 18, auf der anderen Seite.

„Du weißt, Du hast Familie beleidigt. Du weißt, bei Familie gibt‘s keinen Spaß mehr, Habibi. Da geht‘s um Ehre“, sagte Al Amood zu Bekir. Dann bricht Chaos aus, Fäuste fliegen, Menschen stürmen aufeinander los. Unklar, wer auf wen einschlägt. Auch dieses Video ist nur Minuten später im Netz, Dutzende folgen.

Massenschlägerei am Alexanderplatz: „ThatsBekir“ und „Bahar al Amood“ beliebte Influecer

Am Donnerstagabend hat der Konflikt zwischen den zwei jungen Männern für einen mehrstündigen Großeinsatz der Polizei gesorgt. Die Beiden sind unter türkisch-arabischen Jugendlichen beliebte Influencer. Drehen einfach gemachte Videos, die sie auf der Couch oder im Auto zeigen.

Der kurdischstämmige Youtuber „ThatsBekir“ hat über 260.000 Fans auf der Plattform, seine Videos 20 Millionen Aufrufe. Der arabischstämmige Berliner Youtuber „Bahar al Amood“ hat rund 14.000 Abonnenten. Der Fall gibt Einblick in eine Szene, die von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet existiert.

Etwa 400 Kinder und Jugendliche hatten sich am Donnerstag um 17 Uhr zu einem Fantreffen des Stuttgarters versammelt. Der Berliner tauchte auf dem Treffen mit etwa 50 Unterstützern auf. Die Bilanz der Auseinandersetzung: 100 Beamte im Einsatz, 13 Strafverfahren, neun Festnahmen, sechs verletzte Personen durch Reizgas. Polizisten stellten zwei Messer sicher. Der Berliner Youtuber und mindestens ein weiterer Festgenommener sollen polizeibekannten Großfamilien angehören.

Die Frage: Wie konnte es zu diesem Gewaltausbruch kommen?

„ThatsBekir“ sagt: „Ich habe ein Trauma“ von den Ereignissen

Die Berliner Morgenpost erreicht „ThatsBekir“ am Freitag per Telefon. Der Stuttgarter sagt, er wolle Berlin so schnell wie möglich verlassen: „Ich habe ein Trauma. Traue mich nicht, rauszugehen. Ich will bei meiner Familie sein.“ Anders als spekuliert wurde, hatten sich beide Youtuber nicht zu der Schlägerei verabredet. Es sollte ein friedliches Fantreffen des Stuttgarters geplant. Beide Youtuber beschimpfen sich allerdings seit zwei Monaten in Videos. Es geht um Frauen, die Familie. Der Stuttgarter soll den Berliner als „Berliner Affen“ beleidigt haben. Er ist bekannt dafür, über andere Influencer sogenannte „Disstracks“ zu schreiben – also in Liedern über sie herzuziehen.

Der schmächtige Stuttgarter wurde seit einiger Zeit bedroht, dass es Gewalt gibt, hätte er aber nicht erwartet. Denn zuvor habe ein gemeinsamer Bekannter versucht, zu vermitteln. Als „Bahar Al Amood“ und seine Begleiter auftauchten, eskalierte die Lage dennoch. Der Berliner habe den Stuttgarter mehrfach ins Gesicht geschlagen. „ThatsBekir“ rettete sich zu einem Polizeiauto. Er vermutet, dass es dem Berliner YouTuber um Aufmerksamkeit gehe. „Er will Fame und Abos bekommen – mehr nicht“, sagt der 18-Jährige. Das passiert häufig: Accounts mit wenigen Fans fangen Streit mit bekannten YouTubern an, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Familie beleidigt und Handynummer veröffentlicht

Die Sicht des Berliner Youtubers geht so: Der Stuttgarter habe ihn und seine Familie beleidigt, habe seine private Handynummer veröffentlicht, wolle sich nicht entschuldigen, so sagt er das in Videos. Bereits eine Woche vor dem Treffen kündigte er deshalb in einem Video an, dass sein Kontrahent „Schläge kassieren werde“. Er solle am Besten nicht nach Berlin kommen. In seinen sonstigen Videos spricht „Bahar Al Amood“ vor allem über seine kriminelle Karriere. Kurz nach dem Streit postet er ein weiteres Video aus seinem Auto: „Nochmal danke an die ganzen Mädchen, die uns Geschenke gebracht haben. Tut mir leid, dass es so eskaliert ist“, sagt er.

Norbert Cioma, Berliner Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), kommentiert: „Wir sehen in der Rapperszene und zunehmend auch bei anderen Influencern, dass sie teilweise sehr fahrlässig mit ihrem Einfluss umgehen und es scheinbar Mode wird, ganz bewusst Pulverfässer aufzumachen, um mehr Follower, Abonnenten und Klicks zu generieren.“ Am Freitagnachmittag veröffentlichte die Polizei ein Video auf Youtube, richtete einen Appell an die jungen Fans: „Liebe Leute, bei allem Verständnis für digitale ‘Beefs’, ‘Battles’ und ‘Disses’. Vergesst nicht, dass alles auch Folgen im realen Leben haben kann.“

Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung und schwerem Landfriedensbruch. Angemeldet war die Veranstaltung ebenfalls nicht – das könnte für die Youtuber noch teuer werden.