Deutscher Hörfilmpreis

Award: Bei dieser Gala sind sie alle ganz Ohr

Der Deutscher Hörfilmpreis wurde am Dienstagabend mit vielen Prominenten in Mitte vergeben.

Genau hinhören! Filmproduzentin Alice Brauner gab mit ihren Söhnen Ben und David (v.r.) das Motto des Abends vor.

Genau hinhören! Filmproduzentin Alice Brauner gab mit ihren Söhnen Ben und David (v.r.) das Motto des Abends vor.

Foto: Sergej Glanze / Berliner Morgenpost

Berlin.  Um Filme zu lieben, muss man sie nicht sehen! Unter diesem Motto ging der Deutsche Hörfilmpreis, der seit 2002 vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband vergeben wird, in die 17. Runde. Am Dienstagabend wurde die ADele, so der Name des Awards, im Rahmen einer Gala in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom an der Französischen Straße vergeben.

Die Jury, darunter die Produzentin und Regisseurin Feo Aladag und die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, kürte mit dem Preis die besten Filmbeschreibungen für blinde und sehbehinderte Menschen in den Kategorien TV, Kino, Dokumentation, Kinder- und Jugendfilm.

„Die Audiodeskription hat sich heute zu einer echten Kunstform entwickelt,“ so Jurorin Feo Aladag. Moderator Steven Gätjen führte das Publikum, darunter die Schauspieler Josephin Busch, Oliver Wnuk und Christoph M. Ohrt sowie Jürgen Dusel, Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, zum dritten Mal durch die besondere Filmverleihung.

Für die musikalische Unterhaltung sorgten Schauspieler und Sänger Tom Schilling mit seiner Band The Jazz Kids. Die prominenten Gäste feierten die Preisträger für ihre Leistung, die zentrale Handlung, Gestik, Mimik und Dekor in Worte zu transportieren. Insgesamt 16 Produktionen gingen an diesem Abend ins Rennen um die ADele.

In der Kategorie Kino konnte das Kriegs-Drama „Der Hauptmann“ den Oscar-nominierten Rivalen „Werk ohne Autor“ abhängen. „Es ist eine unglaubliche Leistung die Dimensionen dieses Films ganz ohne visuelle Effekte zum Leben zu erwecken,“ so Schauspieler und Laudator Sönke Mö̈hring. Noura Gzara und Klaus-Jörg Kaminski von der Produktionsfirma Eurotape nahmen den Preis gemeinsam mit den Schauspielern Samuel Finzi und Bernd Hölscher entgegen. Die Erfolgsserie über das Frankfurter Finanzwesen „Bad Banks“ nahm den Preis in der Kategorie TV mit nach Hause. „Ein Jahr auf Kihnu“ wurde als beste Dokumentation geehrt. Laudatorin und Schauspielerin Muriel Baumeister dazu: „Wir müssen alle unser Achtsamkeit schärfen, wach sein und vor allem einander wieder zuhören.“ Den Sonderpreis der Jury bekam die TV-Filmproduktion „Absturz ins Leben“.

Der Überraschungssieger des Abends sollte die Gäste zurück in ihre Kindheit versetzen. Die „Sesamstraße“ mit der Folge 2815 „Selbstgemacht schmeckt’s am besten“ konnte gleich zwei Preise einheimsen – und zwar als bester Kinder- und Jugendfilm und als Zuhörerliebling. Die Dankesrede wurde von den Kultfiguren Ernie und Bert höchstpersönlich gehalten. Charlie Kaiser, die Stimme von Ernie, fasste den Abend dann auch perfekt zusammen: „Dieser Preis ist die Antwort auf den Kern der Sesamstraße – Wer? Wie? Was?“