Bares für Rares

Horst Lichter: Warum uns allen mehr Freundlichkeit guttut

Der “Bares für Rares“-Star und Koch, Horst Lichter, im Interview über die TV-Show und wie er sein persönliches Glück gefunden hat.

Erfolgsmoderator und ­Menschenfreund: Horst Lichter grüßt immer, selbst im Zug.

Erfolgsmoderator und ­Menschenfreund: Horst Lichter grüßt immer, selbst im Zug.

Foto: foto: Henning Kaiser/Dpa / dpa

Als Gastronom im eigenen Restaurant hatte er mit einst mit Schulden zu kämpfen, doch dann entdeckte ihn das Fernsehen. Nach diversen Kochshows moderiert Horst Lichter mit „Bares für Rares“ inzwischen die erfolgreichste Sendung im deutschen Nachmittagsprogramm. Der 57-Jährige im Morgenpost-Interview.

Berliner Morgenpost: Hallo Herr Lichter, kommen Sie gerade vom Dreh für „Bares für Rares“?

Horst Lichter: Jawoll, heute war der erste Drehtag nachdem wir ein paar Wochen Pause hatten. Da ist immer erst mal hier was und da was, und am Ende haben wir auch noch ein bisschen getöttert – da dauert es immer etwas länger.

Wo wird denn gerade gedreht?

Wir drehen in Köln-Pulheim, im Alten Walzwerk. Und da werden wir hoffentlich auch die nächsten Jahre bleiben …

Die Sendung bleibt uns also noch ein bisschen erhalten?

Ja, das wäre ein Herzenswunsch von mir. Momentan sehe ich keine Veranlassung, etwas zu ändern. Ich mache immer alles so lange, wie ich richtig Freude daran habe. Im Moment fühle ich mich aber sehr, sehr wohl, denn ich arbeite jeden Tag mit über 100 Menschen zusammen und die geben mir das Gefühl, dass sie mich mögen. Wenn dem nicht so ist, machen sie einen verdammt guten Job – aber ich mag sie alle (lacht).

Klingt toll.

Ja, wer kann das schon sagen! Es gab in den vergangenen fünf Jahren noch keinen einzigen Tag, an dem wir nicht mindestens einmal herzhaft gelacht hätten – das ist ja nicht in jedem Job üblich.

Wie viele Sendungen drehen Sie eigentlich am Tag?

Zwei, aber das ist natürlich viel aufwendiger, als es nachher im Fernsehen aussieht. Wir drehen am Tag circa acht bis zehn Stunden für zwei Sendungen. Das ist wie mit der Zeitung. So ein Artikel ist schnell gelesen, aber ihn zu schreiben ist viel Recherche und Arbeit.

Kann ich bestätigen. Und wie viel Drehtage haben Sie im Jahr?

Da ist leicht auszurechnen. Wir haben 230 tägliche Sendungen, wovon wir zwei pro Tag drehen. Dazu kommen die „Lieblingsstücke“, das sind Zusammenschnitte, wofür nur die Moderationen neu gedreht werden. Und dann noch die Abendshows, davon haben wir vier pro Jahr, das sind pro Sendung drei Drehtage. So komme ich schon auf eine stattliche Summe.

Hat Ihnen ein angebotenes Objekt schon mal so gut gefallen, dass Sie es selbst haben wollten?

Die ersten drei Jahre war es ganz schlimm – da hätte ich am liebsten alles gekauft. Ich habe aber einen Deal mit meiner Frau gemacht. Deshalb muss ich ihr jetzt von allem, was ich gerne haben möchte, vorher Bilder schicken und sagen, was der Händler haben möchte. Und dann gibt sie das O.K. oder sagt Nein.

Wie läuft so ein Drehtag ab, haben Sie eigentlich Kontakt zu den Händlern?

Tatsächlich kaum. Ich bin morgens so um acht Uhr der zweite, der da ist, nach dem Aufnahmeleiter. Dann kommt nach und nach das ganze Team. Die Händler fangen aber erst eine Stunde nach uns an. Die können ja noch nicht verhandeln, wenn sie von uns noch nichts haben. Wir möchten aber auch vermeiden, dass die Händler mit den Experten oder Verkäufern in Kontakt kommen. Dafür gibt’s sogar separate Eingänge und die Mittagspause findet versetzt statt. Zwischendurch habe ich allerdings immer mal wieder Luft und dann gehe ich jeden Tag rüber zu den Händlern und wir töttern ein bisschen.

Zuletzt waren Sie mit dem Bühnenprogramm „Herr Lichter sucht das Glück“ auf Tour. Worum ging es da?

Das Programm ist über viele, viele Gespräche entstanden, die ich mit Freunden, Bekannten und auch fremden Menschen geführt habe. Es geht um Dinge, die mich so aufregen in Deutschland, zum Beispiel, dass immer alle schuld sind. Wenn man mit jemand redet, motzt der meistens über alles Mögliche – der Chef ist schuld, die Politik ist schuld, das Wetter ist schuld, alles ist scheiße. Was er versäumt, ist: Er hat gar keinen Blick mehr fürs Glück und fürs Schöne.

Klingt nicht gut …

Ja, denn ich bin der festen Überzeugung, man macht es sich selber schön. Ich bin ja für mich selber verantwortlich, ich kann mein Leben formen – nicht in allen Belangen, aber in vielen. Und das möchte ich den Menschen anhand von Geschichten, die ich erlebt habe, erklären. Das kann man so schön erzählen, dass die Menschen darüber herzhaft lachen, aber zum Schluss auch nachdenken und sagen: „Vielleicht hat er ja recht und ein bisschen war ich auch gemeint.“ Aber das mache ich natürlich ohne jemanden vorzuführen oder anzuklagen.

Wie findet man denn das Glück?

Ich sage immer, „Du musst das geben, was du gerne hättest.“ Danach lebe ich selbst seit vielen Jahren. Egal wo es ist, wenn ich irgendwo hereinkomme, begrüße ich die Menschen, selbst im Zug. Wenn ich in mein Abteil komme, sage ich „Schönen guten Tag zusammen!“ und gucke den Menschen in die Augen. 80 % denken, der Lichter hat einen an der Waffel, und 20 % grüßen zurück. Gerade in der Bahn und im Bus herrscht oft schlechte Stimmung, aber wenn keiner anfängt, mal nett zu sein, wann soll es denn passieren. Warten wir nur darauf, dass andere was tun? Dann können wir aber vielleicht lange warten. Und das möchte ich mir nicht nachsagen lassen.

Hatten Sie die Einstellung schon immer?

Ich war immer schon ein Menschenliebhaber, ich war immer schon ein Clown, auch in der Schule. Aber ich gebe zu, in der Jugend und als junger Erwachsener denkt wohl jeder Mensch eher an sich und es mangelt einem noch an Empathie. Mich hat mein Leben so gemacht, wie ich jetzt bin. Alles was ich erlebt habe, an guten wie an schlechten Dingen – und da war ja auch genug Scheiße bei –, hat mich so werden lassen. Ich bin sehr dankbar, dass ich heute der Mensch bin, der ich sein darf, wünsche aber keinem, dass er das erst erleben muss.

Sie klingen so, als ob Sie persönlich das Glück schon gefunden haben.

Ich bin unglaublich zufrieden mit meinem Leben. Ich bin zum Beispiel sehr, sehr glücklich, dass ich meinen Schatz habe. Wir sind jetzt im 22. Jahr zusammen. Wir haben uns kennengelernt in einer Zeit, in der ich bei der Bank hohe Verpflichtungen hatte, als mich kein Schwein kannte und ich jeden Tag 14, oder 15 Stunden in meinem Laden stand. Meine Frau hat mit mir eine Zeit durchlebt, in der es keine Aussicht gab auf irgendwelche Erfolge, nur das Fernziel, dass ich mit 65 schuldenfrei bin, den Betrieb verkaufe und wir in Rente gehen können. Dass ich mit meiner Frau heute, in guten Zeiten, noch zusammen bin, ist natürlich umso schöner.