Kulinarisches Kino

Indonesisch für Anfänger

| Lesedauer: 4 Minuten
In der Küche: „Funky Fish“-Chef Duc Ngo mit Laksmi Pamuntjak, Autorin der Romanvorlage zum Film „Aruna & Lidahnya“.

In der Küche: „Funky Fish“-Chef Duc Ngo mit Laksmi Pamuntjak, Autorin der Romanvorlage zum Film „Aruna & Lidahnya“.

Foto: Maurizio Gambarini

Die Berliner Morgenpost gibt einen exklusiven Ausblick auf das Menü von Duc Ngo zum Kulinarischen Kino.

Berlin. „Nach mehreren Stunden im Kino sind die Zuschauer unterzuckert und schlecht gelaunt“, weiß Thomas Struck, Kurator des Kulinarischen Kinos bei der Berlinale. Es habe sich deshalb bewährt, beim anschließenden Dinner im Gropius Mirror Restaurant immer direkt einen Wein und das Amuse-Bouche bereitzuhalten, um die Gemüter zu beruhigen.

Zum 13. Mal wird bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin (7. bis 17. Februar) in diesem Jahr auch auf Spitzenniveau gekocht. Die Küchenchefs und Gastronomen Angela Hartnett („Murano“, London), Sebastian Frank („Horváth, Berlin), Haya Molcho („Neni“, Berlin), Kiko Moya („L’Escaleta“, Alicante) und Duc Ngo („893 Ryōtei“, Berlin) haben sich jeweils von einem Dokumentar- oder Spielfilm über die Beziehungen zwischen Essen, Kultur und Politik zu einem Menü inspirieren lassen. Das Motto der Reihe lautet dieses Mal „A Taste for Balance“. Dabei gehe es nicht nur um ausgewogene Geschmäcker, sagt Struck, sondern auch um Themen wie Geschlechtergleichheit – in der Filmbranche und Spitzengastronomie noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Bereits zum zweiten Mal ist Duc Ngo mit drei Gängen beim Kulinarischen Kino dabei. Dennoch ist sein Menü zum Film „Aruna & Lidahnya“ über die kulinarische Reise von vier Freunden aus Jakarta für den 44-Jährigen eine Premiere: Zum ersten Mal in seinem Leben musste er indonesisch kochen. Ngo wurde als Kind eines Chinesen und einer Vietnamesin in Hanoi geboren und kam als Kind nach Berlin. Früh interessierte er sich für japanische Küche und eröffnete 1999 sein erstes Sushi-Restaurant „Kuchi“. Es folgten viele mehr, hauptsächlich in der City West, aber auch in Mitte und Frankfurt am Main.

Den Gästen des Kulinarischen Kinos serviert er als Amuse das traditionelle indonesische Gericht Gado Gado (Blanchiertes Gemüse mit süß-herzhafter Erdnusssoße), Ceviche mit Chili und Zitronengras und gebratenen Lachs mit Sambal Oelek, gefolgt von einer Garnelen-Nudelsuppe mit Gemüse, einem gelben Curry mit Adlerfisch und marinierter Ananas mit Litschisorbet. Das alles ist intensiv aromatisch, nicht zu schwer und schärfetechnisch nichts für schwache Nerven. „Das Menü ist das Ergebnis von Rezept- und Youtube-Recherchen und 24 Stunden Brainstorming mit mir selbst“, sagt Ngo, der noch nie in Indonesien war und zugibt, dass er mit der kulinarischen Ausrichtung abseits seiner gewohnten Pfade zunächst nicht ganz glücklich war. Eine besonders kritische Zunge hat er aber schon überzeugt: Laksmi Pamuntjak, Autorin der Romanvorlage zum Film. Die indonesische Schriftstellerin lebte einige Monate in Berlin, als sie für ihren Roman „Herbstkind“ recherchierte, der in der deutschen Hauptstadt spielt.

Mit Thomas Struck und seinem Team hat sich die 47-Jährige knapp einen Monat vor dem Start des Festivals in Duc Ngos Restaurant „Funky Fish“ an der Kantstraße verabredet, um das Menü und die passenden Weine zu verkosten. „Essen ist dafür da, interpretiert zu werden“, findet Pamuntjak. Und genau das hat Duc Ngo getan. „Ich koche so, wie ich es selber gerne essen möchte. Das ist meine Version von Streetfood“, sagt Ngo. Bis auf das Gado Gado ist keins der Gerichte authentisch indonesisch, aber das ist laut Pamuntjak auch gar nicht notwendig. „Ich verstehe seine Ideen und Inspirationen“, sagt die Schriftstellerin. „Der rohe Fisch, die Schärfe, die Erdnusssoße – jedes Gericht könnte theoretisch auch in meiner Heimat serviert werden. Der Geschmack ist nicht indonesisch, aber er könnte es sein.“ Zwei Gläser von seinem selbst gemachten Sambal Oelek lässt sie sich sogar gleich für die Heimreise einpacken. Und auch Duc Ngo scheint mittlerweile Gefallen an der indonesischen Küche gefunden zu haben. „Neue Gerichte für die Karte im ‚Funky Fish‘?“, fragte er seine Follower nach dem Probeessen auf Instagram. „Ich experimentiere noch.“ Vielleicht sitzt der Gastronom ja längst an einem Konzept für ein neues Restaurant. Zuzutrauen wäre es ihm.

Kulinarisches Kino: 10. bis 15. Februar, Vorverkauf ab 4. Februar um 10 Uhr an den zentralen Vorverkaufsstellen in den Potsdamer Platz Arkaden, im Kino International, im Haus der Berliner Festspiele, in der Audi City Berlin sowie online unter www.berlinale.de, Tickets 95 Euro für Film inklusive Menü und Talk

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos