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Schöner Fasten mit Ruth Moschner

Die Moderatorin hat ein Buch über den Verzicht geschrieben, bei dem der Genuss nicht zu kurz kommt

Ruth Moschner für ihr Buch "Total Detox"

Ruth Moschner für ihr Buch "Total Detox"

Foto: Bernd Jaworek

„Über Gesundheit sprechen ist so was von unsexy“, findet auch Ruth Moschner. Trotzdem widmet sich die Moderatorin in ihrem neuen Buch „Total Detox. Was Sie schon immer mal loswerden wollten“ (DK Verlag, 16,95 Euro) Anregungen, Anleitungen und Rezepten, um dem eigenen Körper dauerhaft etwas Gutes zu tun. Die 42-Jährige ist neben ihrer TV-Karriere auch Fachberaterin für ganzheitliche Ernährung und Gesundheit. Ihren Lesern verspricht sie Tacheles ohne Filter zum Thema Fasten und Glitzer für die Seele.

In Ihren bisherigen Ernährungsbüchern ging es um Schokolade, Naschen und Backen. Klingt auf den ersten Blick vergnüglicher als Detox …

Ruth Moschner : Es ging auch da schon um Gesundheit. Die medizinischen Vorteile von Kakao beispielsweise. Und Naschen muss ja auch nicht heißen, dass man sich jeden Tag eine Torte reinknallt, bis die Hose nicht mehr passt. Wenn man ein Stück bewusst genießt, beispielsweise, wenn man sich mit Freundinnen zum Quatschen trifft, dann glaube ich nach wie vor, dass das gesund ist. Das tut der Seele gut und letztendlich auch dem Körper.

Wie sind Sie zum Thema Detox gekommen?

Als Frau probiert man doch alle möglichen Dinge aus, um sich selbst zu optimieren. Eine meiner ersten Erfahrungen war vor etwa 20 Jahren Saft-Fasten nach Buchinger, wo man mehrmals am Tag ein Glas Kartoffel- oder Gemüsesaft trinken darf. Ich bin aber schon ein Gernesser, und daher waren meine Geschmacksnerven schnell gelangweilt. Weil ich auch ehrgeizig bin, habe ich eine Weile versucht, mir das schönzureden, aber letztendlich habe ich es abgebrochen. Auch die Erleuchtung, die man dadurch angeblich irgendwann bekommt, ist bei mir ausgeblieben. Ich habe nur verzweifelt gewartet, dass bei mir das Licht angeht. Ich habe relativ lange gebraucht, um für mich das Richtige zu finden. Meine erste positive Erfahrung war dann eine Säure-Basen-Kur, bei der man essen durfte. Aber ich wäre ja nicht Ruth Moschner, wenn ich das Ganze nicht noch pimpen würde. Meine Freunde haben oft zu mir gesagt: Du meckerst die ganze Zeit, dass es kein ganzheitliches Detox-Buch gibt. Also dachte ich: Mensch, schreibe ich halt selber eins. Das ist ja immer eine Zeitfrage. Dafür gab es dieses Jahr keinen Urlaub.

Warum sind Sie trotz unbefriedigender Erlebnisse trotzdem so lange dabeigeblieben? Nur für die Selbstoptimierung?

Man fragt sich doch irgendwann: Was will ich eigentlich im Leben? Und dieses Loslassen finde ich da heutzutage sehr wichtig. Die Medien, die Versprechungen der Werbung – was da alles auf einen einprasselt. Das war früher ja noch viel krasser. Da hatte man doch das Gefühl, wenn man keinen Fruchtzwerg isst, dann brechen die Knochen auseinander. Das dürfen die heute glücklicherweise nicht mehr erzählen. Aber wir haben zu jeder Zeit Zugriff auf alles. Und da finde ich den Gedanken sehr schön, das einfach mal wegzulassen.

Körperliche Selbstoptimierung spielte bei Ihnen also keine Rolle?

Nein. Das denken immer viele. Ich habe 2010 durch die Schoko-Diät zwei Kleidergrößen abgenommen. Mein Ziel war das aber nicht. Und das würde ich auch nicht empfehlen, auch wenn es reizvoll klingt. Ich glaube inzwischen, wenn die Gesundheit stimmt, muss man sich über sein Gewicht keine Gedanken mehr machen.

Sie schreiben in Ihrem Vorwort, dass gesundheitliche Gründe für Sie den Ausschlag gegeben haben, sich intensiv mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen …

Ja, das war extrem wichtig. Das prägt einen. Ich weiß, dass jeder Tag etwas Besonderes ist, auch wenn ich mich an meine Babyzeit natürlich nicht erinnern kann. Ich hatte bei meiner Geburt Sauerstoffmangel und wäre fast gestorben. Die ersten zwei Jahre war ich ständig im Krankenhaus, hatte Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma, Nierenprobleme. Viele Menschen wissen ihre Gesundheit erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da ist. Weil ich so viele Herausforderungen zu bewältigen hatte, weiß ich mit meiner Gesundheit bewusster umzugehen. Was nicht heißt, dass ich meinen Körper nicht manchmal auch grob fahrlässig behandle. Ich arbeite einfach sehr viel und gerne.

Gesunde Ernährung in einen Arbeitsalltag zu integrieren fällt vielen Menschen schwer. Was sind Ihre Tipps?

Das stimmt. Regelmäßigkeit ist in meinem Job tatsächlich selten. Deshalb bin ich eine richtige Tupper-Tante geworden. Ich bereite mir sehr viel vor und lasse mich selten verführen. Das ist einfach eine Übungssache. Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass man das für sich selber macht. Der Körper dankt einem das. Wenn ich mir am Set den ganzen Tag Schokoriegel reinknalle, fühle ich mich abends einfach nicht gut. Das sind einfache Erfahrungswerte. So doof das am Anfang ist.

Wie sozialkompatibel ist diese Lebensweise?

Am Set bin ich meistens froh, wenn ich überhaupt Zeit zum Essen finde, da ist für sozialen Austausch kaum Zeit. Und wenn ich mich mit Freunden treffe, kann ich doch etwas Gesundes bestellen. In einem Fast-Food-Restaurant wird man mich allerdings nicht treffen. Ich koche am liebsten selber, klares, einfaches Essen finde ich am besten. Und wenn Essen bestellt wird, dann lasse ich eben die ungesunde Soße weg.

Kochen ist ja nicht jedermanns Sache. Geht es auch ohne?

Nö. Man sollte schon selber kochen. Wenn man sehr viel Geld zur Verfügung hat, kann man natürlich auch Detox-Programme nutzen, bei denen einem das Essen geliefert wird. Meine Rezepte brauchen aber alle nicht länger als eine halbe Stunde. Das ist immer die Gretchenfrage: Was mache ich, wenn ich nicht gerne koche? Aber was mache ich denn, wenn ich krank bin oder mich dauernd schlapp und unwohl fühle? Eigenverantwortung und Selbstfürsorge sind doch was Schönes.

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