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„Preise sind wie Hämorrhoiden“

Kida Ramadan und Frederick Lau nehmen kein Blatt vor den Mund – weder in ihrer Freundschaft noch in ihrem gemeinsamen Buch.

Ali "Toni" Hamady (Kida Khodr Ramadan, l.), sein Bruder Abbas (Veysel Gelin, r.) und Vince (Frederick Lau, M.) machen zusammen Geschäfte. Während Toni strategisch vorgeht, handelt Latif meistens impulsiv und bringt das Geschäft und seine Familie damit oft in Schwierigkeiten. Zudem traut er Tonis altem Freund Vince nicht über den Weg.

Ali "Toni" Hamady (Kida Khodr Ramadan, l.), sein Bruder Abbas (Veysel Gelin, r.) und Vince (Frederick Lau, M.) machen zusammen Geschäfte. Während Toni strategisch vorgeht, handelt Latif meistens impulsiv und bringt das Geschäft und seine Familie damit oft in Schwierigkeiten. Zudem traut er Tonis altem Freund Vince nicht über den Weg.

Foto: TNT / ZDF und TNT

Die Luft ist zum Schneiden dick vom Rauch unzähliger Zigaretten, der eine trägt Jogginganzug und trinkt Cola, der andere Schiebermütze und Rotwein, der Ton ist rau, aber herzlich. Eigentlich alles wie immer bei Frederick Lau (29) und Kida Ramadan (42), nur dass die beiden gerade nicht zu Hause auf dem Sofa, sondern zum Interview im „Soho House“ sitzen. Im sechsten Jahr ihrer Freundschaft haben die Schauspieler ein Buch geschrieben. In „Zusammen sind wir Könige“ (Ullstein extra, 18 Euro) erzählen sie, „wie zwei Berliner Atzen zu besten Freunden wurden“. Jeder abwechselnd aus seiner Perspektive: von einer anfänglichen Pöbel-SMS, dem ersten gemeinsamen Filmprojekt, durchfeierten Nächten, Wellnessausflügen, Freudentränen und Fußball. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost haben wir beide gebeten, für den jeweils anderen zu antworten.

Sie haben das Buch Ihren Vätern gewidmet. Warum?

Kida Ramadan: Ohne seinen Vater wäre Freddy nie so erfolgreich geworden. Er verdankt ihm sein Selbstbewusstsein und seine Disziplin. Auch wenn er das als Kind nicht so toll fand. Sein Vater wollte, dass Freddy ein besseres Leben hat als er selber. Freddy ist sehr stolz darauf, dass er diesen Menschen in seinem Leben hatte.

Frederick Lau: Bei Kida ist es so, dass sein Vater das Familienoberhaupt war. Deshalb wollte er seinen Vater stolz machen. Genau wie bei mir hat er ihm beigebracht, was Disziplin ist. Er musste spuren und arbeiten. Als Kida seinem Vater gesagt hat, dass er Schauspieler werden will, konnte der damit überhaupt nichts anfangen. Er musste ihm beweisen, dass er das gut machen wird.

Warum sind Ihre jeweiligen Frauen die Richtige für den anderen?

Lau: Weil sie ihn so akzeptiert, wie er ist. Bei Meryem muss er sich benehmen.

Ramadan: Ich glaube, dass Annika Freddy seine Grenzen zeigt. Sie sagt auch mal: Jetzt reicht’s. Wir sind beide keine Organisationstalente. Unsere Frauen geben uns Orientierung und Halt.

Die Widmung an Ihre Frauen lautet: „Die uns mit unseren großen und kleinen Macken ertragen.“ Was sind Ihre Macken?

Lau: Es ist essenziell für unsere Freundschaft, dass wir die Macken des anderen kennen, uns aber nicht damit konfrontieren. Wir korrigieren uns nicht.

Ramadan: Freddy sagt nicht: Alter, ich hab dir ’ne WhatsApp geschrieben, du hast nicht geantwortet, aber ich seh’ doch die blauen Häkchen.

Lau: Wir nehmen uns so, wie wir sind. Kida guckt mich an, das reicht. Er riecht die Lunte schon auf 100 Meter Entfernung. Trotzdem sagt er nichts dazu. Und er weiß, dass ich das weiß.

Was bedeutet Ihnen der Schauspielerjob?

Ramadan: Freddy ist von klein an dabei. Das ist fast schon automatisiert. Er war sehr früh erfolgreich. Jeder zwischen 20 und 35 möchte in dem Job gerne Frederick Lau sein. Er wird nie arbeitslos sein. Das gibt ihm Sicherheit.

Lau: Kida ist beim ersten Mal alleine zum Casting gegangen, weil er dachte, dass er das kann. Und er kann es ja auch. Aber er musste dafür kämpfen, Schauspieler zu werden. Trotzdem ist Kida angstfrei. So was hat er einfach nicht.

Ramadan: So wie Sylvester Stallone in „Rocky“.

Wie ist es mit Preisen?

Ramadan: Freddy kam irgendwann zu mir und hat gesagt: Bruda, ich war zehnmal nominiert. Und weißt du, was krass ist? Ich hab noch nie nicht gewonnen. Zu dem Zeitpunkt war ich viermal nominiert und hatte noch nie gewonnen.

Lau: Einmal war ich nominiert und habe nicht gewonnen. Aber da war ich nicht da. Ich gehe nicht irgendwo hin, wo ich verliere, das macht keinen Sinn. Natürlich ärgere ich Kida auch damit, weil ihn das übertrieben nervt.

Ramadan: Mittlerweile sind Preise nicht mehr so wichtig. Ich sage immer: Preise sind wie Hämorrhoiden, jeder Arsch kriegt sie irgendwann. Freddy interessieren gute Bücher, dass er nach einem Film in den Spiegel gucken kann.

Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Ramadan: Freddy ist Geld nicht wichtig. Der will einmal im Jahr seinen Urlaub haben. Und er will, dass es seinen Kindern gut geht. Dass sie ihre Freiheit haben. Deshalb hat er auch ein großes Haus. Freddy braucht keine teuren Klamotten. Wenn man Kinder hat, sind andere Sachen wichtig.

Lau: Kida ist Geld im Grunde auch nicht wichtig. Aber wenn er es dann doch in der Hand hat, weiß er, dass es sich gut anfühlt.

Ramadan: Weißt du, wie neidisch ich als Kind war, wenn Klassenkameraden erzählt haben, sie fahren in den Skiurlaub? Ich hab gedacht: Alter, was für ein Skiurlaub? Bei uns gab es nicht mal Schlittenfahren in der Hasenheide.

Lau: Ich weiß, was du meinst. Ich hatte in meinem Leben noch nie jemanden auf der Autobahn überholt. Immer schön mit meinem Vater im VW Bus auf der rechten Spur. Ich dachte: Irgendwann will ich mal ein Auto fahren, dass die anderen überholt.

Was ist für Sie Heimat?

Ramadan: Für Freddy ist Heimat natürlich Berlin. Ich weiß aber auch, dass er sich manchmal freut, wenn er nach Datteln zu seiner Oma fährt. Um da dann den Berliner raushängen zu lassen und seine Familie zu sehen, die wahrscheinlich alle so aussehen wie er.

Lau: Für Kida ist Berlin auch seine Heimat. Er ist sehr familienbewusst, deshalb gehört die Türkei, wo die Familie seiner Frau herkommt, auch dazu. Aber Berlin ist seine Basis. Er sieht sich eh schon fast als Bürgermeister.

Ramadan: Wenn die Kinder hier aufwachsen, kann man ja nicht irgendwann sagen, wir gehen zurück in den Libanon, wo ich geboren bin. Ich bin mit drei Monaten nach Berlin gekommen. Das ist schon drin.

Gibt es eine Lieblingsgeschichte im Buch?

Ramadan: Als ich mich zum ersten Mal länger mit Freddys Mutter unterhalten habe. Sie hat mich angerufen, weil Freddy zu viel gearbeitet hat. Das war schön, weil ich das Gefühl hatte, ich spreche mit meiner Mutter und es geht um meinen kleinen Bruder. Da habe ich ein richtiges Familiengefühl gehabt.

Lau: Was Familie bedeutet, wie man mit Kinder umgeht, das habe ich zum ersten Mal richtig verstanden, als ich mit Kida seine Kinder vom Kindergarten abgeholt habe. Das werde ich nie vergessen. Ich habe dadurch auch viel über ihn gelernt.

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