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Fernseh-Ermittler Stubbe kehrt zurück

Wolfgang Stumph kommt als Stubbe aus der Rente wieder. In seiner Rolle sieht der Schauspieler sich als Vermittler.

Schauspieler Wolfgang Stumph wurde Anfang der 90er-Jahre durch die „Go Trabi Go“-Filme bekannt.

Schauspieler Wolfgang Stumph wurde Anfang der 90er-Jahre durch die „Go Trabi Go“-Filme bekannt.

Foto: Daniel Schaler

Berlin. Stubbe geht in die nächste Runde – das heißt, in seinen nächsten Fall. Von 1995 bis 2013 ermittelte Schauspieler Wolfgang Stumph in 50 Episoden als sächsischer Kommissar in Hamburg. Dann ging der Beamte Wilfried Stubbe in Pension. Nun ist er zurück auf den Bildschirmen. Am 22. Dezember strahlt das ZDF „Stubbe: Tod auf der Insel“ (20.15 Uhr) aus. Darin bekommt es der Kriminalist, der mit seinem Ruhestand nicht zurechtkommt, mit einem Mordfall auf Amrum zu tun. Ein Gespräch mit dem 72-Jährigen über seine Rolle, seine Berufsleidenschaft und seine Tochter Stephanie, die selbst erfolgreich TV-Kommissarin ist.

Wir treffen uns heute in der Sächsischen Landesvertretung in Mitte, ein zufällig gewählter Ort?

Wolfgang Stumph: Ich bin Sachse und freue mich ganz besonders über diese Gastfreundschaft. Außerdem liegt Berlin zwischen Dresden, wo ich lebe, und Hamburg, wo Teile des Filmteams herkommen. Und die Produktionsfirma hat in Berlin ihren Sitz. Ein guter Treffpunkt also.

Sie sind beliebt bei Zuschauern in Ost und West. Woran, meinen Sie, liegt das?

In den alten Bundesländern versteht man mich genauso wie in den Neuen – vor allem in dem, was ich vermitteln möchte. Meine Filme sind immer so, dass wir, auch in unterschiedlichen Genres, beiden Seiten den Spiegel vorhalten. Das tun wir, wenn wir Zeitgeist widerspiegeln wollen. Ich achte sehr auf die wichtigen Themen, die uns im Hier und Heute berühren. Dass es immer eine gesamtdeutsche Sicht ergibt, mit der Erfahrung aus West und Ost. Westdeutsche Rollen werden wegen der Authentizität mit westdeutschen Kollegen besetzt, ostdeutsche Rollen mit ostdeutschen Kollegen.

Merkt man Ihnen die Unterschiede an?

Wenn man es ihnen anmerkt, dann liegt es daran, dass speziell die Generation über 40 aus der ehemaligen DDR prinzipiell nicht aus Seiteneinsteigern besteht, sondern dass sie ihr Handwerk von Grund auf gelernt haben. Sie sind sehr gut ausgebildete Schauspieler an sehr guten Schulen.

Die Rollenamen Ihrer Figuren beginnen oft mit den Initialen „W“ und „St“. Können Sie sich so besser identifizieren oder ist das ein Gag?

Wenn die Zuschauer Stakoweits, Stubbe, Stein und Strutz erkennen, dann wissen sie auch, es handelt sich in der Geschichte um Stumphs Haltung zu einem bestimmten Thema. Es zeigt, dass in dem Film sehr viel von mir steckt. In der Arbeit mit den Autoren, über die Entwicklung des Filmes bis hin zur
Auswahl der Besetzung – da steckt viel „Stumphsinn“ drin. In den vergangenen acht oder neun Filmen bin ich auch Co-Produzent gewesen. Da sorge ich mit für die richtige Atmosphäre und Organisation. Und den Schutz der Autoren.

Waren diese Leidenschaft und Verantwortung für den Beruf von Anfang an da?

Ja, schon als Kabarettist war ich verantwortlich für das, was ich sage, für das, was ich selbst oder was Gleichgesinnte geschrieben haben. Dahinter steckt eine Moral, das ist mein Prinzip. Auch dafür steht das „St“.

Ihre Tochter ist ebenfalls erfolgreiche TV-Kommissarin. Haben Sie ihr etwas mit auf den Weg gegeben, von dem Sie merken, dass es nun fruchtet?

Direkte Ratschläge habe ich nie gegeben, vorleben ist ein Angebot von Ratschlägen. Da gehört auf alle Fälle dazu, dass sie seit ihrem neunten Lebensjahr künstlerisch, qualitativ und quantitativ neben mir arbeitet. Vor allem in den 20 Jahren „Stubbe“.

Was hat Ihre Tochter dabei geprägt, meinen Sie?

Sie sieht bis heute, wie ich um Projekte kämpfe, um Ideen, um Verwirklichung, und ich glaube, sie hat nichts Falsches übernommen. Weil sie 20 Jahre lang, also bis sie 29 war, einen eigenen künstlerischen Prozess durchgemacht hat und viele Kollegen als Vorbilder hatte, hat sie folgerichtig den Entschluss gefasst: „Ich will nicht bloß Christiane Stubbe spielen oder die Tochter von Wolfgang Stumph sein, sondern meinen eigenen Weg gehen.“ Sie hat parallel in dieser Zeit ein vierjähriges Hochschulstudium absolviert. Sie hat ihren eigenen Kopf und Handwerk, geht seit dem ursprünglichen Ende von „Stubbe“ vor fünf Jahren ihren eigenen Weg mit ihren eigenen Erfahrungen und Erfolgen.

Sie klingen sehr stolz.

Das bin ich auch. Sie ist eine Frau, die beweist, dass Frauen manchmal die besseren Männer sind.

In 50 Folgen hat der Kommissar Stubbe viele Themen behandelt.

Er hat viel durchgemacht. Den Tod seiner Frau, den Umzug vom Osten in den Westen als Leihbeamter, er hat in Hamburg ein Haus geerbt. Er hat die Wende, das Zusammenwachsen, das Annähern an den Westen selbst gespürt. Am Ende waren Ost und West in der „Stubbe“-Reihe gar kein Thema mehr, sondern das, was in unserem Land geschieht, was die Menschen bewegt. Es ging nur noch um gesamtdeutsche Probleme. Vielleicht hat „Stubbe“ tatsächlich dazu beigetragen, die Mentalität des Sachsen ein bisschen verständlicher zu machen und anderen näherzubringen, wie auch meine Figuren in Filmen wie „Go Trabi Go“. Vielleicht habe ich als Schauspieler auch ein bisschen zum gegenseitigen Verstehen beigetragen.