Comedy

Warum Gayle Tufts so gerne Weihnachten feiert

| Lesedauer: 4 Minuten
Katharina Weiss
Entertainerin Gayle Tufts bringt mit ihrer Comedy-Show „Very Christmas“ richtige Feiertagslaune ins Schiller Theater.

Entertainerin Gayle Tufts bringt mit ihrer Comedy-Show „Very Christmas“ richtige Feiertagslaune ins Schiller Theater.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Die Komikerin Gayle Tufts über späte Mutterfreuden, ihr erstes Weihnachten in Deutschland und die Liebe ihrer verstorbenen Eltern.

Berlin. Selten war Weihnachten so herzlich, lustig und schillernd wie bei Gayle Tufts’ Wintershow „Very Christmas“. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr wollte es sich die 58-Jährige nicht nehmen lassen, ihr Berliner Publikum auch 2018 durch die Feiertagssaison zu begleiten. Noch bis zum 26. Dezember kann man das Programm der gebürtigen Amerikanerin in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater bestaunen. Mit der Berliner Morgenpost sprach die leidenschaftliche „Denglisch“-Sprecherin darüber, warum sie das Fest der Liebe so gerne feiert wie keine zweite.

Frau Tufts, welche Rolle hatten Sie früher im Krippenspiel?

Gayle Tufts : In Amerika gibt es diesen Brauch leider nicht. Aber ich wäre natürlich gerne Mal Baby Jesus gewesen. Und in meiner „Very Christmas“-Show darf ich dieses Jahr die schwangere Maria spielen – eine Frau, die sich denkt: Das muss doch ein Wunder sein, in diesem Alter noch ein Kind zu bekommen. Ich bin die Gianna Nannini von Charlottenburg-Wilmersdorf.

Was war bisher Ihr schönstes Weihnachtsgeschenk?

Ein Weihnachtsbaum. Ich war 16 und zum allerersten Mal im Leben schwer verliebt – in meinen damaligen Boyfriend Kevin Flynn. Ich werde den Anblick nie vergessen, wie er da mit diesem Tannenbaum, der größer als er war, vor unserer Haustüre stand. Das war besser als alle Rosen der Welt. Ich war hin und weg.

Welcher deutsche Weihnachtsbrauch ist Ihnen ans Herz gewachsen?

Ich liebe den zweiten Weihnachtsfeiertag, den gibt es in den USA nicht. Aber ein Feiertag, bei dem eine ganze Nation kollektiv im Fresskoma auf der Couch liegt und „Sissi“ schaut, ist etwas Fabelhaftes. Da ist der Druck dann auch endlich weg, den sich viele Deutsche vor Weihnachten machen: Die Geschenke müssen perfekt sein, die Deko muss perfekt sein, die Familie muss perfekt sein – das hält doch keiner aus. Es ist das Fest der Liebe, da sollte man sich vor allem eine gute Zeit schenken.

Die Amerikaner schauen traditionell besonders darauf, wie Weihnachten im Weißen Haus gefeiert wird. Wie stellen Sie sich das private Fest der Trumps vor?

Habt ihr schon die Weihnachtsdeko von Melania Trump gesehen? Sie ist ganz schrecklich, nämlich blutrot. Das sieht aus wie „Game of Thrones goes Christmas“. Vielleicht ist das ein erneuter subtiler Hilfeschrei von ihr. Ansonsten bin ich nur froh, dass ich nicht mit den beiden feiern muss. Trump wird bestimmt in Florida golfen gehen und noch mehr Blödsinn twittern.

Was waren Ihr romantischstes Weihnachtsfest?

Mein erstes Weihnachten in Deutschland. Ich bin vor 27 Jahren an Heiligabend in Berlin gelandet, weil ich damals mit der Tanzfabrik aus Kreuzberg ein Stück gemacht habe. Das Ensemble hat mich vom Flughafen abgeholt, wir haben noch kurz das KaDeWe besichtig und danach zusammen gekocht. Das war magisch. Ich erinnere mich heute noch an die weiße Tafel und an die Hoffnung auf etwas Neues, die uns alle verband.

Und welches Ihr traurigstes?

Das erste ohne meinen Vater. Er ist kurz nach meinem 18. Geburtstag von uns gegangen. Wir haben versucht, tapfer weiterzufeiern, aber das ist uns sehr schwergefallen. Diese Show ist auch ein bisschen für meinen Vater: Er war ein Barkeeper und liebte Weihnachten. Er konnte jeden Song mitsingen und sah ganzjährig ein bisschen aus wie Santa Claus. Ich habe das Gefühl, er und meine Mutter, die vor acht Jahren starb, schauen von oben zu und genießen die Tatsache, dass ich im Schiller Theater performen darf, genauso wie ich.

Welches Weihnachtslied finden Sie so toll, dass Sie es das ganze Jahr über hören könnten?

Ein Happy-Song ist „Sleigh Ride“ von Leroy Anderson aus dem Jahr 1947. Und bei „White Christmas“ von Irving Berlin bin ich immer wieder berührt.

Packen Sie die Geschenke am Heiligabend aus oder warten Sie nach amerikanischer Weihnachtstradition immer noch auf den Morgen des 25. Dezember?

Da mein Partner ein Deutscher ist, haben wir es so geregelt, dass das Beste aus beiden Welten bei uns stattfindet: Wir machen den einen Teil der Geschenke an Heiligabend auf und die zweite Hälfte am nächsten Tag.

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