Konzertkritik

Mariah Carey bietet in Berlin ein Spektakel

Die Sängerin hat am Mittwoch ihr einziges Deutschland-Konzert während ihrer „All I Want for Christmas Is You“-Europa-Tour gegeben.

Mariah Carey gab ihr einziges Deutschland-Konzert in Berlin (Archivbild)

Mariah Carey gab ihr einziges Deutschland-Konzert in Berlin (Archivbild)

Foto: pa

Berlin. Anfang Dezember und noch nicht von vorweihnachtlicher Seligkeit erfüllt? Da hilft Musik! Das wissen auch diverse Pop-Künstler, die jedes Jahr mit ihren Versionen von Weihnachtsklassikern und einigen, oftmals leider verunglückten, neuen Liedern zum Fest den Plattenmarkt erobern wollen. Eine, die es geschafft hat, ist Musik-Ikone Mariah Carey. 1994 schuf sie mit dem Album „Merry Christmas“ neues Liedgut für das Fest der Liebe. Jedes Jahr setzt der von ihr geschriebene Weihnachtshit „All I Want for Christmas Is You“ zu neuen Charts-Höhenflügen an, auch ihr zweites Festtagsalbum „Merry Christmas II You“ ließ 2010 nicht nur die Glöckchen, sondern auch die Kassen klingeln. Kein Wunder, dass ihre Fans, die sich selbst als „Lambs“ bezeichnen, Carey zur Königin des Weihnachtsfestes erkoren haben.

Carey inszeniert sich als Pop-Engel mit weißen Flügeln

Am Mittwochabend gab die 48-Jährige ihr einziges Deutschland-Konzert während ihrer Europa-Tour „All I Want for Christmas Is You“ in der Mercedes-Benz Arena in Berlin. Zuvor begeisterte sie ihr Publikum in Norwegen, Schweden und Dänemark. Und wenn Ihre Pop-Hoheit zur Weihnachts-Soiree lädt, wird aufgefahren – wenn auch 76 Minuten später als angekündigt, da die Künstlerin wegen eines Dachstuhlbrandes in Mitte im Stau stand. Die Wartezeit vorab nimmt ihr das Publikum nicht übel, sondern vertreibt sie sich mit La-Ola-Wellen durch die Arena. Ein DJ-Set tut sein Übriges, sogar Rolf Zuckowskis „In der Weihnachtsbäckerei“ soll die Zuschauer in die richtige Stimmung bringen.

Riesige bunt verpackte Geschenke, Eiskristalle auf LED-Leinwand, ein überdimensionaler Weihnachtsbaum, ein Chor in Weiß, tanzende Schneemänner und Wichtel sowie der „echte“ Santa Claus prägen das Bühnenbild, das die amerikanisch-knallige Version des Geistes der Weihnacht vermittelt. Und plötzlich – einige Besucher stöhnen dann doch: „endlich“ –, mittendrin das Fünf-Oktaven-Wunder, das, inszeniert als Pop-Engel mit weißen, leuchtenden Flügeln, sein Publikum begrüßt. Und bei dieser Show nicht nur stimmlich überzeugen kann, sondern im Übrigen auch die meisten seiner Hits (darunter 17 von 18 Nummer-Eins-Songs) selbst geschrieben hat. „Es ist einfach eine tolle Produktion. Ideal für Menschen, die Weihnachten lieben“, erklärte Carey vorab im Interview mit der Berliner Morgenpost.

Und die Ankündigung trifft es: ­Carey bietet ein quietschbuntes Festtags-Spektakel, das einen zwingt, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Sie performt Lieder ihrer beiden Weihnachtsalben wie „Oh Holy Night“ in festlichem roten Ensemble, „Oh Santa!“ in einer Robe, die mit ihren Diamanten an Ohren und Handgelenken um die Wette glitzert, oder „Silent Night“, das in der deutschen Version „Stille Nacht, heilige Nacht“ als beliebtestes Weihnachtslied der Deutschen gilt. Während der Kostümwechsel sorgen ein Ballett-Ensemble und ein Gospel-Chor für Ablenkung. Für Beifallsstürme bei den Fans sorgten auch die Gaststars, die der Weltstar mit auf die Bühne bringt: Ihre siebenjährigen Zwillinge Moroccan und Monroe, die sie liebevoll „demkids“ nennt, dürfen mit Mama Mariah auf der Bühne stehen. „Was ist dein größter Weihnachtswunsch?“, fragt Carey ihren Sohn im Rentierkostüm. Und der schreit ins Mikrofon: „Ein iPad!“ Später, als das Lied „The Star“ auf der Set-List steht, haben dann beide Kinder ihren großen Auftritt und dürfen für den Begleitgesang sorgen. Nicht minder süß: Tänzer Bryan Tanaka ist die starke Schulter, an der sich Frau Carey auch abseits der Bühne, hier dann aber tänzerisch, anlehnt, er sticht im schwarzen Anzug hervor, während seine Kollegen sich an einen weißen Dresscode halten.

Damit die festlichen Gefühle den Saal nicht übermannen, baut Carey auch einen Part ein, in dem sie nicht weihnachtliche Lieder wie „We Belong Together“ oder „The Distance“ aus ihrem neuen Werk vorträgt. Zu letzterem erscheinen Cheerleader an der Seite der Sängerin, die mit goldenen Pompons das Publikum zum Chant, einem Anfeuerungsruf des neuen Songs, animieren. Ihren Hit „Hero“ gibt die Sängerin und Songwriterin dann wieder festlich in Rot gehüllt zum Besten – und die Halle singt, erfüllt vom Geist der Weihnacht oder aber vom Prosecco, den es am Konzertabend im Aktionsangebot gab, sichtlich gerührt mit.

Mariah Carey schafft es, ihre Fans zu vereinen

Mariah Carey schafft es, ihre Fans zu vereinen. Im Publikum sitzen Mütter mit ihren Töchtern, junge Paare, ältere Herren und beste Freundinnen. Und sie alle kennen selbstverständlich den Text von „All I Want for Christmas Is You“ auswendig, den Carey, kostümiert als sexy Version eines Nussknackers, zum Finale schmettert und die Halle noch mal auf Touren bringt. Nachdem sie zum Abschluss – natürlich – „Merry Christmas Berlin!“ ruft, gibt es einen lauten Knall. Und Schneekanonen berieseln, zumindest die vorderen Reihen, mit dicken, künstlichen Flocken.

Ihr Weihnachtskonzert zeigt, wie auch ihr neues Album „Caution“, das auf Platz eins der Billboard-Top-R&B/Hip-Hop-Charts gelandet ist, dass Carey fürwahr ein „Hero“ ist, eine Heldin ihrer eigenen Liga. Sie würde es vermutlich sogar schaffen, den Grinch in Weihnachtsstimmung zu bringen.

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