Interview

Mariah Carey: "Am wichtigsten waren mir immer meine Fans"

Mariah Carey über ihr Diven-Image, Weihnachten mit echten Rentieren und den Rat, dem sie ihrem jüngeren Ich geben würde.

Mariah Carey besitzt fünf Grammys und zählt zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Gegenwart.

Mariah Carey besitzt fünf Grammys und zählt zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Gegenwart.

Foto: dpa Picture-Alliance / Zhou Junxiang / picture alliance/dpa

Was wäre Weihnachten ohne Mariah Carey? Ihr Dauerbrenner „All I Want for Christmas Is You“ erobert seit 1994 alljährlich die Charts. An diesem Mittwoch können Fans den Welthit live in der Mercedes-Benz Arena hören, hier gibt Carey während ihrer „All I Want for Christmas Is You“-Tour ihr einziges Deutschland-Konzert. Auch wenn ihre Fans sie als „Queen of Christmas“ feiern, kann Carey nicht nur Weihnachten: Die wenigsten wissen, dass das Fünf-Oktaven-Wunder 17 ihrer 18 Nummer-1-Hits selbst geschrieben hat. Ihr Songwriter-Talent stellt die 48-Jährige auf ihrem 15. Studioalbum „Caution“ wieder unter Beweis. Ein Gespräch mit der Pop-Ikone.

Frau Carey, Glückwunsch: Ihr neues Album ist auf Platz 1 der Billboard-Top-R&B/Hip-Hop-Charts gelandet. Fans und Kritiker befinden es für gut. Wie wichtig ist Ihnen positive Rückmeldung von beiden Seiten?

Mariah Carey: Danke! Am wichtigsten war mir schon immer die Meinung meiner Fans. Ich bin sehr dankbar dafür, dass sie das Album lieben. Aber natürlich ist es auch wahnsinnig toll zu sehen, dass Kritiker „Caution“ so positiv besprechen. Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass die Leute sich das Album gerne anhören, nach all der langen Zeit, die ich im Tonstudio daran gearbeitet habe.

17 Jahre nach der Veröffentlichung ist aktuell ihr Album „Glitter“, das damals als kommerzieller Flop galt, Dank einer Internetbewegung namens „JusticeForGlitter“ auf Platz 1 der iTunes-Charts. Ist 2018 Ihr Jahr, der Anfang einer neuen Mariah-Ära?

Ja! Justice for Glitter! Ich bin mir nicht sicher, ob 2018 eine „neue“ Ära eingeläutet hat, ich bin ja immer noch dieselbe Person. Aber ich kann auf tolle letzte Monate zurückblicken und bin sehr gespannt, was noch kommt.

Für das Album haben Sie sich mit der Berliner Songwriterin Bibi Bourelly für das Lied „GTFO“ zusammengetan. Wie war es, mit Ihr zu arbeiten?

Ich liebe Bibi! Sie ist sehr talentiert und wir hatten richtig viel Spaß zusammen in meinem Studio in Los Angeles. Es war nicht so ein bierernstes Arbeiten, wir haben es einfach genossen, „GTFO“ zu schreiben. Deswegen ist es auch der erste Song, den ich vom Album veröffentlicht habe, noch vor der eigentlichen ersten Singleauskopplung „With You“. „GTFO“ startet wie eine Hymne, aber das Lied nimmt sich selbst nicht zu ernst. Es macht einfach gute Laune, die Bibi und ich auch bei der Arbeit daran hatten.

Dieses Jahr sind Sie auch für einen Platz in der „Songwriters Hall of Fame“ nominiert.

Das ist so aufregend! Mein Freund Jermaine Dupri wurde letztes Jahr aufgenommen, und ich habe mich so für ihn gefreut. Ich hoffe, er stimmt für mich ab dieses Jahr (lacht).

Ihre Kollegin, die Rapperin Missy Elliott, mit der Sie bereits zusammengearbeitet haben, ist ebenfalls nominiert. Gab es da schon Gespräche zwischen Ihnen, wie eine eventuell fällige angemessene „guter Verlierer“-Miene aussehen wird?

Wir haben uns darüber bisher nur via Twitter ausgetauscht. Aber ich liebe Missy Elliott sehr und bin ein großer Fan von ihr. Sie verdient es absolut, nominiert zu sein.

Welcher Person würden Sie als erstes danken, wenn Sie den Titel verliehen bekommen würden?

In jedem Fall würde ich zu allererst meinen Fans danken, denn sie sind diejenigen, die so viel in die Lieder geben, ihre eigenen Erfahrungen mit ihnen verarbeiten.

Glauben Sie, Sie haben immer die gerechte Anerkennung für Ihr Talent als Songwriterin erhalten?

Das Problem ist, dass Leute einen gerne aus Bequemlichkeit in eine Schublade stecken, um zu verstehen, mit wem sie es da zu tun haben. Ich glaube, dieses ganze Diva-Image wurde in der Wahrnehmung der Leute immer größer, größer als die für mein Songschreiben. Denn sie sehen mich auf der Bühne und nicht beim Texten. Ich bin dankbar dafür, dass viele, die mit meinen Liedern aufgewachsen sind, darüber bescheid wissen, dass ich auch schreibe und dieses Wissen auch verbreiten.

Bevor Sie mit dem Songschreiben angefangen haben, schrieben Sie Gedichte. Besitzen Sie noch welche?

Ja, das stimmt. Als ich ein ganz kleines Mädchen war, habe ich kleine Gedichte verfasst, aber leider habe ich keine aufbewahrt. Vielleicht hat meine Mutter noch einige dieser Notizbücher.

Vielleicht tolles Material für das 16. Album.

Ja! Oder für das Buch, das ich derzeit schreibe (lacht).

Als Sie damals für den Song „Fantasy“ die Melodie von „Genius of Love“ nutzten, kam das bei den Studiobossen nicht gut an. Sie haben sich trotzdem durchgesetzt. Glauben Sie, junge Künstler haben es heute leichter, solche Entscheidungen durchzusetzen?

Ja, das glaube ich. Als ich anfing, auch wenn ich damals schon eigene Lieder geschrieben hatte, waren Plattenfirmen übermächtig. Heute sind nicht einige Mächtige Alleinbestimmer. Das liegt auch an den Streaming-Diensten, die heute so wichtig sind. Junge Musiker haben mehr Auswahlmöglichkeiten.

Wenn Sie auf Ihre lange beeindruckende Karriere zurückblicken, war da ein Punkt, an dem Sie dachten: „Jetzt habe ich es geschafft“?

Das „Butterfly“-Album war natürlich ein Meilenstein für mich. Ich arbeite gerade an meinen Memoiren. Wenn die veröffentlicht sind, werden die Leute eine Menge verschiedene Seiten von mir entdecken können, Karrierestationen und Einblicke in meine Kindheit. Das alles macht mich zu der Künstlerin, der ich bin, zu der Songwriterin, die ich bin.

Gibt es einen Rat, dem Sie Ihrem jüngeren Ich gerne geben würden?

Darling, ich bin immer noch jung (lacht)! Ich würde mir raten, auf die Leute zu achten, die mich umgeben. Das wäre der beste Rat, den ich mir geben würde, und wahrscheinlich würde ich nicht drauf hören.

Es ist das zweite Mal, dass sie mit Ihren Weihnachtsshows durch Europa touren. Sind Sie schon in Festtagsstimmung?

Etwas, aber ich warte noch ein wenig, zum Beispiel mit den Weihnachtsfilmen. Das mache ich, wenn Weihnachten etwas näher gerückt ist. Die Proben für die Weihnachtsshows wirken sich aber auch schon aus.

Gibt es bestimmte Traditionen, die Sie in Weihnachtsstimmung bringen?

Ich liebe es, Schlitten zu fahren. In Aspen, wo ich Weihnachten verbringen werde, sehen meine Zwillinge dann auch wieder den Weinachtsmann, und wir haben echte Rentiere. Es ist, als wäre man am Nordpol!

Gehört Hausmusik im Hause Carey zu Weihnachten dazu?

Unbedingt! Wir fahren mit einem offenen Schlitten und singen alle gemeinsam alle möglichen Weihnachtslieder. Musik gehört in jedem Fall zu unseren Weihnachtsfeiern dazu.

Haben die beiden schon ihren Wunschzettel abgeschickt?

Ja, das haben sie gestern im Flugzeug nach Norwegen gemacht. Also müssen wir zusehen, dass die Wunschzettel bald beim Weihnachtsmann ankommen.

Was ist Ihr Weihnachtswunsch?

Wie wahrscheinlich jeder wünsche ich mir Frieden und Glück für die Welt. Wie wäre das?

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