Interview

DJ Bobo: "Ich war noch nie betrunken"

DJ Bobo macht seit 25 Jahren Wohlfühlmusik. Im Interview spricht der 50-Jährige über Abstürze und den Wunsch, die Welt zu verbessern.

DJ Bobo wurde in den 90er-Jahren mit Eurodance bekannt.

DJ Bobo wurde in den 90er-Jahren mit Eurodance bekannt.

Foto: jörg Krauthöfer für BERLINER MORGENPOST

Berlin. Seit mehr als 25 Jahren steht Peter René Baumann als DJ Bobo auf der Bühne. Im September hat er sein neues Album veröffentlicht, 2019 startet die nächste Tour, die ihn am 4. Mai auch in die Mercedes-Benz-Arena führen wird. Im Interview spricht der 50 Jahre alte Musiker über sein Vorbild Michael Jackson, Abstürze und seinen Wunsch, die Welt zu verbessern.

Kaleidoluna“ ist Ihr 14. Album. Wie haben sich Ihre Platten mit den Jahren verändert?

DJ Bobo: Als ich Anfang 20 war, wollte ich mit meiner Musik unbedingt die Tanzfläche erobern und die größte Botschaft war: Tanzt, Kinder.

Und heute?

Heute ist mir das Völkerverbindende, Weltverbessernde wichtig. Wenn man so viel reist wie wir, sind die Scheuklappen viel weiter offen, als wenn man immer im Bekannten bleibt. Ich habe gelernt, dankbar für mein Dasein und demütig zu sein.

Kann man mit fröhlicher Tanzmusik die Welt verbessern?

Ob ich sie verbessern kann, weiß ich nicht. Ich bin Optimist. So habe ich beim Terroranschlag am 11. September zuerst gedacht, ein Löschflugzeug hätte die Kurve nicht bekommen. Ein wenig naiv. In meinen Texten brauche ich immer irgendwo einen Funken Hoffnung. Da kann ich nicht anders, ich brauche einen Lichtblick am Ende des Tunnels.

Sie sind ein naiver Optimist?

Ja, das muss man als Künstler vielleicht auch sein. Man darf kein Realist sein. Das zerstört alles. Man muss eine gewisse Naivität haben und an das Gute glauben. Die zweite Kategorie von Künstlern sind die selbstzerstörerischen, die dann so weit gehen, bis der Körper sich verabschiedet.

Haben Sie diese selbstzerstörerische Seite?

Nein, ich war noch nie betrunken. Hat sich nie ergeben, mittlerweile muss ich es auch nicht mehr machen. Ich habe so viele Kollegen leiden sehen, da habe ich mir gedacht, das brauche ich nicht.

War Michael Jackson auch selbstzerstörerisch? Sie waren 1996 mit ihm auf Tour.

Nein, der war nur unsicher.

Jackson war ihr großes Vorbild. Was haben Sie gedacht, als er das erste Mal vor Ihnen stand?

Ich habe verschiedene Stufen durchlaufen. Zuerst habe ich gedacht: „Der ist ja gar nicht so groß, wie ich dachte.“ Zweitens habe ich dann gemerkt, dass er auch nur mit Wasser kocht. Ich habe immer geglaubt, er sei so weit oben, dass ich dort nie hinreichen könnte. Als seine Vorband habe ich dann gemerkt, dass er gar nicht so unendlich weit weg ist. Das war sehr motivierend.

Was haben Sie von Michael Jackson gelernt?

Er war sehr gut in Dramaturgie. Er wusste genau, wie man eine Show konzipiert, wann es ruhiger werden muss, damit es sich wieder steigern kann.

Im Mai spielen Sie in der Mercedes-Benz-Arena. Was verpassen Sie nie, wenn Sie in Berlin sind?

Ich gehe immer zu „Kuchi“, einem kleinen Sushi-Laden in Charlottenburg. Da war ich, einen Tag bevor Melanie Thornton mit dem Flugzeug abgestürzt ist. Wir haben zusammen ein Duett aufgenommen und sind dann dorthin Sushi essen gegangen. Jetzt ist es für mich ein Ritual geworden, immer dort essen zu gehen, wenn ich in Berlin bin.

Ihre Kinder sind 12 und 16 Jahre alt. Ist ihnen DJ Bobo mittlerweile peinlich oder eifern sie Ihnen nach?

Für sie ist das einfach mein Beruf und das ist in Ordnung.

Sie machen Musik und engagieren sich sozial. Warum gehört das zusammen?

Das hat vor 20 Jahren begonnen. Da habe ich mit meinem ersten Charitykonzert 60.000 Euro für einen Kinderspielplatz eingenommen. Das hat mich sehr beeindruckt. Danach kamen verschiedene Hilfsorganisationen auf mich zu. Ich war zuerst sehr kritisch und befürchtete, dass das Geld hauptsächlich in die Verwaltung geht. Also habe ich viele Gespräche geführt und eine Organisation gefunden, die ich unterstützen möchte.

Sie engagieren sich für das Welternährungsprogramm der UNO.

Seit ich mich dort engagiere, habe ich gemerkt, dass man über wenige Jahre hinweg wirklich etwas Positives bewirken kann. Das ist sehr motivierend.

Sie waren für das Welternährungsprogramm in Äthiopien und Kenia. Wie ist es für Sie als wohlhabender, privilegierter Mensch an Orte zu kommen, wo große Armut herrscht?

Es ist beschämend. Die Leute dort sind glücklicher als wir. So hart das klingt. Sie haben ein klares Tagesziel: Heute muss etwas zum Essen auf den Tisch. Sie sind fröhlich und füreinander da.

Fröhlich, aber arm.

Bob Geldof hat mir, als ich zum ersten Mal nach Äthiopien gegangen bin, geraten, das große Ganze zu sehen. Das habe ich nicht verstanden, bis ich gemerkt habe, es ist besser, nicht jedem einzelnen Geld zu geben, sondern zu versuchen, den Menschen zu zeigen, wie sie sich selbst helfen können.

Wieso machen Sie keine politische Musik?

Ich kann nicht anders. Ich glaube immer an das Gute. Politische Lieder passen nicht zu mir. Das nehme ich mir selbst nicht ab. DJ Bobo motzt nicht über die globale Erwärmung. Ich will das Gute fördern. Wenn ich zu tief gehe, verzettel ich mich und sitze plötzlich in Talkshows und rede Unsinn. Das bin ich nicht.

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