Interview

Roland Kaiser wird wieder Berliner

| Lesedauer: 4 Minuten
Katharina Weiß
Schlagersänger Roland Kaiser begeistert mit seinen Schlagerhits auch ein junges Publikum

Schlagersänger Roland Kaiser begeistert mit seinen Schlagerhits auch ein junges Publikum

Foto: Reto Klar

Der Schlagerstar spricht im Interview über Geistesblitze, Sehnsucht und falsche Entscheidungen.

Berlin. Donnerstagabend kurz vor Mitternacht in einer Kneipe in Kreuzberg: Hipster mit flexiblen Arbeitszeiten und Studenten sind so ungefähr beim fünften Bier. Ich frage den Barkeeper, ob er Roland Kaiser spielt. Die Indie-Klänge werden durch Schlagertöne aus dem Jahr 1983 ersetzt. Ein fröhliches Raunen geht durch den Raum, als die Ersten das Lied erkennen: „Manchmal möchte ich schon mit dir“. Spätestens bei der Zeile „ …eine Nacht das Wort ‚Begehren‘ buchstabieren“ singen alle mit.

Egal ob Bierzelt oder Eckkneipe, der gebürtige Berliner weckt bei den Älteren nostalgische Hitparaden-Gefühle und wird von den jüngeren als charmante Kultfigur gefeiert. Abseits des Hypes um seine selbst betitelte „Alterskarriere“ ist er ein bodenständiger Gentleman, der Journalistinnen nach dem Interview in dem Mantel hilft und sich nicht zu schade ist, nach einem langen Promotag noch mit einer Handvoll Autoren bei seinem Lieblingsitaliener „Don Camillo“ in Charlottenburg essen zu gehen.

Da sitzt er dann, erzählt, warum seine Tochter für das Studium unbedingt nach Neukölln ziehen wollte, und stößt mit den Journalisten darauf an, dass er vor Kurzem die Berliner Waldbühne ausverkauft hat – und sich mit einem Konzert an diesem spektakulären Veranstaltungsort einen Lebenstraum erfüllte.

Woher kommt eigentlich ihre Affinität zur Waldbühne?

Roland Kaiser : Ich habe 1965, im zarten Alter von 13 Jahren, dort den Auftritt der Rolling Stones gesehen, als die Zuschauer die Waldbühne nahezu zerstörten, welche anschließend für 400.000 Mark renoviert werden musste. Seitdem hatte ich diese Faszination.

Wie gefallen Ihnen die Veränderungen in Berlin?

Die Stadt ist irre spannend geworden, sie ist schneller geworden und dehnt sich immer stärker aus. Viele internationale Kreative bezeichnen Berlin als einen der hipsten Orte der Welt. Wir haben uns gerade wieder eine Wohnung in Berlin zugelegt, im nächsten Jahr ist sie bezugsbereit.

Was ist eigentlich Ihre Lebensphilosophie?

Sich auf das „Heute“ zu konzentrieren. So wie Kinder das wahrhaftig können. Nicht mehr an gestern oder morgen zu denken, sondern nur an den Moment, das habe ich mir anerzogen. Jetzt gerade ist für mich nichts interessanter, als mit Ihnen zu reden.

Sind die Geistesblitze, sie man braucht, um solche einprägsamen Langzeithits wie „Joana“ oder „Warum hast du nicht Nein gesagt“ zu schreiben, ein Geschenk Gottes, oder kann man sich das antrainieren?

Ich glaube nicht an Eingebungen, sondern an harte Arbeit. Wenn man lange genug nachdenkt, dann fällt einem schon etwas ein! Manche der Geschichten in meinen Texten habe ich selber erlebt, viele sind beobachtet und andere erfunden.

In vielen Ihrer Songs geht es um die Frage: Soll ich, oder soll ich nicht. Sie meinten mal, dass sie meistens brav geblieben sind, von der Spannung aber durchaus fasziniert waren. Können Männer und Frauen in diesem Spannungsfeld der Leidenschaft nur befreundet sein?

Menschen, die sich in dieser Hinsicht etwas näherkamen oder sogar miteinander intim geworden sind, bei denen glaube ich: Da ist die Freundschaft nur schwer aufrechtzuerhalten.

In der jungen Generation gibt es eine gewisse Sehnsucht nach der Ära von Peter Alexander, Rudi Carrell, Harald Juhnke oder dem kürzlich verstorbenen Dieter Thomas Heck. Sie alle trugen einen Titel, der heute ausgestorben ist: Showmaster. Was ist daran im Rückblick so faszinierend?

Wenn man sich die Shows von damals mal ganz sachlich anschaut, merkt man: Auch da wurde nur mit Wasser gekocht. Natürlich gab es Menschen wie Peter Alexander, die auf allen Klaviaturen brillieren konnten, oder einen Hans-Joachim Kulenkampff, der aufgrund seiner Ausstrahlung und seines Intellekts die Leute gefesselt hat. Diese Allrounder fehlen heute vielleicht etwas. Aber: Jede Zeit hat ihre eigenen Helden und ist damit sehr zufrieden. Meine Tochter war vor ein paar Wochen beim Lollapalooza-Festival und kam durchaus glücklich zurück. Peter Alexander vermisst sie nicht.

Wenn Sie noch mal alles neu machen könnten: Würden Sie sich eher für andere Frisuren oder andere Frauen entscheiden?

Andere Frisuren.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos