Schauspieler-Familie

Nellie Thalbach: "Löwen-Oma, Löwen-Mama und Löwen-Tochter“

Nellie Thalbach folgt beruflich ihrer Familie. Nur beim frühen Kinderkriegen macht sie eine Ausnahme.

Schauspielerin Nellie Thalbach ist die Tochter von Anna und die Enkelin von Katharina Thalbach

Schauspielerin Nellie Thalbach ist die Tochter von Anna und die Enkelin von Katharina Thalbach

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. In ihrer jüngsten Rolle spricht Nellie Thalbach kein Wort, ist nur wenige Minuten zu sehen und die meiste Zeit mit Blut bedeckt. In der Folge „Die Tote im Dorf“ der ZDF-Krimireihe „Lotte Jäger“ (3. September, 20.15 Uhr) spielt die 23-Jährige das Mordopfer. Eigentlich ein Job für einen Kleindarsteller, doch die Produktion wollte Thalbach unbedingt. Das habe sicher auch mit ihrem Namen zu tun, glaubt die Berlinerin.

Nellie Thalbach ist die Tochter von Anna und Enkelin von Katharina Thalbach und entstammt damit einer der bekanntesten deutschen Schauspielerfamilien. Im Alter von sieben Jahren stand sie im Maxim Gorki Theater in „Die Dreigroschenoper“ zum ersten Mal auf der Bühne, drei Jahre später drehte sie an der Seite ihrer Mutter und Götz George mit „Maria an Callas“ ihren ersten Film. Dabei wollte Nellie Thalbach von der Schauspielerei zunächst gar nichts wissen. Schließlich hatte sie bereits als Kind die Schattenseiten des Berufes kennengelernt: Die Mutter war oft nicht zu Hause, dazu das ständige Bangen um das nächste Engagement. „Als Schauspieler muss man sehr stark sein und ein gutes Verhältnis zu sich selber haben, um die Ablehnung, mit der man vielleicht auch zu tun hat, aushalten zu können“, sagt sie.

Zudem hat Nellie Thalbach ihre prominente Familie zunächst vor allem als Nachteil erlebt. „Ich hatte schon in der Schule Probleme wegen meines Namens. Das war nicht schön“, erinnert sie sich. Besonders die Lehrer hätten sich ein vorgefertigtes Bild von ihr gemacht und sie ungerecht behandelt. Mit 12 Jahren wechselte Thalbach deshalb aufs Internat nach Hamburg. An die Zeit erinnert sie sich gerne, auch wenn sie dort ebenfalls die Exotin aus der Künstlerfamilie war. Vier Jahre später war es damit jedoch vorbei, Thalbach wurde beim Kiffen erwischt und flog von der Schule. Zurück in Berlin brach sie die Schule ein halbes Jahr vor dem Abitur ab. Ein bisschen bereut sie das heute, schließlich habe sie lange nicht richtig gewusst, wohin mit sich. „Wenn ich noch mal zur Schule gehen könnte, wäre ich wahrscheinlich ein richtiger Streber“, sagt sie.

Die Schauspielerei sei ihr dann einfach so passiert. 2014 war sie in dem Hochschulfilm „BEEKE“ in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen. 2016 drehte sie mit ihrer Mutter und Großmutter die Komödie „Wir sind die Rosinskis“. Mit beiden stand sie in den vergangenen Jahren auch mehrfach in der Komödie am Kurfürstendamm auf der Bühne. „Kathi und Anna sind die wichtigsten Menschen in meinem Leben“, sagt Thalbach. „Wir wissen, dass wir uns alle beschützen. Löwen-Oma, Löwen-Mama und Löwen-Tochter.“

Das enge Verhältnis der drei Frauen liegt sicher auch darin begründet, dass Männer in ihrem Leben immer nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. „Ich bin sehr emanzipiert aufgewachsen. Für mich ist nicht der Sinn des Lebens, einen Mann und ein Einfamilienhaus zu haben“, sagt sie. Die Identität ihres Vaters ist gegenüber der Öffentlichkeit bis heute ein Geheimnis. „Es gibt ihn, sonst wäre ich ja nicht da“, sagt Thalbach. „Er hat mich größer gemacht und mir grün-braune Augen vererbt.“ Von den Frauen ihrer Familie hat sie hingegen „Top-Werte“ mit auf den Weg bekommen, wie sie sagt. „Berühmtheit und Geld waren für mich nie bedeutend. Familie und Freunde sind für mich das Wichtigste.“

Genau wie ihre Mutter und Großmutter wollte Nellie Thalbach ursprünglich sehr früh Mutter werden. Nur knapp 20 Jahre trennen die drei jeweils. „Anna und ich werden sogar zusammen angebaggert“, sagt sie. „Wir werden oft für Schwestern gehalten.“ Ihren Plan hat sie jedoch vorerst vertagt. „Das Kind kommt schon, wenn es passt“, glaubt sie. Im kommenden Jahr will sich Nellie Thalbach erst einmal für den Studiengang Fotografie am Lette Verein bewerben und ihr erstes Regieprojekt starten. „Gerade denke ich: erst mal ich.“

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