Junge Stars

„Man erwartet von uns, alles zu teilen“

Musik- und Comedyduo: „Die Lochis“ erzählen, wie sie den Fan-Hype verarbeiten und warum sie sich für sexuelle Aufklärung einsetzen.

Diese Fragen müsst ihr ertragen, liebe Lochis!

Erstes Date beim Späti oder im Nobelrestaurant? Sonntagfrüh mit Kater oder beim Yoga? Im "Entweder-Oder-Spiel" packen die Lochis aus.

Diese Fragen müsst ihr ertragen, liebe Lochis!

Beschreibung anzeigen

Arbeit in paradiesischer Kulisse: Ihr neues Album nahmen Heiko und Roman Lochmann, die seit 2011 über 2,6 Millionen Youtube-Follower versammelt haben, in Thailand auf. Mit #WhatisLife will das Musik- und Comedyduo „Die Lochis“ erneut den Nerv einer Generation treffen, für die digitale Routinen längst mit dem Offline-Alltag verschmolzen sind. Wir treffen die 19-Jährigen im Hotel Bristol und fragen nach, wessen Speichel mal auf Ebay angeboten wurde.

Berliner Morgenpost: Ihr werdet als „die aktuell berühmtesten Zwillinge Deutschlands und die wohl erfolgreichsten nach Tom und Bill Kaulitz von Tokio Hotel“ beworben. An der Entwicklung von Tokio Hotel kann man sehen, wie schwierig es ist, den Hype als Teeniestar in eine Karriere mit erwachsenerer Zielgruppe zu transformieren. Macht ihr euch Gedanken über die Zukunft?

Roman: Natürlich. Wir wissen, dass das eine Herausforderung ist. Unser Name schränkt uns da zum Beispiel ein bisschen ein: „Die Lochis“ klingt nicht unbedingt sehr erwachsen. Wir versuchen einfach, uns darauf zu konzentrieren, was aktuell ansteht und Vollgas zu geben. Wo es danach hingeht, wird sich zeigen.

Deutschland ist als undankbarer Markt bekannt, der sehr hart zu seinen eigenen Künstlern sein kann.

Heiko: Das stimmt auf jeden Fall. Wir haben von Anfang an ein extremes Schubladendenken wahrgenommen. Da haben wir selbst drunter zu leiden. Wir werden häufig ausschließlich als Youtuber betitelt – und das war`s dann. Dabei haben wir einen Film gedreht und veröffentlichen jetzt unser zweites Album.

Roman: Uns stört, dass man immer noch unterscheidet zwischen Musikern, die aus dem Internet stammen und (macht Anführungszeichen in die Luft) „normalen“ Musikern. Dabei ist das Internet das zeitgeistigste Medium schlechthin. Wir haben mit Musik angefangen und das ist auch unsere große Leidenschaft – aber der Horizont ist viel größer, wir sind gerne vielseitig. Und wir arbeiten hart daran, dass das auch gesehen wird.

Neben der harten Arbeit steht auch eine frenetische Fanbase hinter Ihrem Erfolg. Manchmal nimmt das sogar obsessive Züge an. Stimmt die Geschichte, dass Romans Speichel mal auf Ebay angeboten wurde?

Roman: Das waren noch nicht mal Fans… wir haben einem kleinen Radiosender ein Interview gegeben. Dort habe ich was getrunken und am nächsten Tag haben sie diese Flasche mit folgenden Worten ins Netz gestellt: „Apfelsaftschorle mit dem Original-Speichel von Roman Lochmann“. Damals waren wir noch keine 16! Ein andermal saß ich in der Sauna und ein Mädchen, das mit ihrer Mutter da war, hat mich erkannt…

Heiko: Auf Tour erleben wir auch jede Menge verrückte Geschichten. Kürzlich beim Konzert haben Fans uns einen Brief überreicht, der zwei Kilometer lang ist. Die haben Tausende von DinA4-Blättern zusammengetackert.

Roman: Das ist überwältigend! Zu sehen, wie die Leute bewegt und begeistert sind – dafür machen wir das alles!

Wann können die Berliner Fans „Die Lochis“ wieder live sehen?

Heiko: Die ersten beiden Septemberwochen sind wir auf Selfie-Tour. Da bringen wir auch ein bisschen Musik mit, vor allem aber machen wir mit jedem, der da ist, ein kostenloses Foto.

Roman: Mit jedem, das versprechen wir. Am 31.08. sind wir zuerst in Spandau und dann im Alexa. Und wer die brandneue Bühnenshow sehen will, kann uns mit vier weiteren Musikern am 17.10. im Huxleys sehen – wir haben einige abgefahrene Dinge für die Berliner geplant. Das letzte Konzert in der Hauptstadt war so super krass, das wollen wir nochmal steigern. Die Stimmung hier ist unschlagbar.

Ihr werdet ständig gefragt, wie euer Beziehungsstatus ist. Wie geht ihr mit dieser Erwartungshaltung um, von vielen Menschen als romantische Projektionsfläche gesehen zu werden?

Heiko: Gute Frage – das beschäftigt uns tatsächlich. Wir geben gerne und viel preis, aber…

Roman: …manche erwarten von uns, wirklich alles zu teilen. Tun wir das nicht, kommt plötzlich der Vorwurf, wir wären unauthentisch. Dabei müssen wir so Themen wie Familie oder Freundin einfach schützen.

Über Sex quatscht ihr zum Beispiel ganz offen, dann aber für den guten Zweck: Seit fünf Jahren seid ihr Botschafter des Vereins „Jugend gegen AIDS“. Wie kam es zu diesem Engagement?

Heiko: Damals waren wir 14 – also genau in dem Alter, indem man darüber nachdenkt, Sex zu haben. Da fanden wir die Arbeit des Vereins total wichtig. Wir haben viele junger Zuschauer, die uns zu ihren Idolen oder Identifikationsfiguren machen.

Roman: Ich sehe es in meiner Verantwortung, mit so einer Reichweite, wie wir sie haben, den Leuten etwas Gutes mit auf den Weg zu geben. Stell dir vor, nur eine einzige Person hat wegen der Werbung, die wir für „Jugend gegen Aids“ machen, verhütet und hat sich deshalb nicht infiziert. Dieses Bewusstsein gibt einem eine totale Motivation.

Abseits von Clips über den Schulalltag oder Geschlechterdifferenzen wagt ihr euch auch humoristisch an Themen wie die Bundestagswahl im letzten Jahr ran. Damals wart ihr selbst Erstwähler. Wer hat eure Stimme bekommen?

Heiko: Ja weiß ich – aber ich verrate es nicht.

Roman: Genau, Wahlgeheimnis. Aber die AfD war es ganz sicher nicht, da bin ich anti.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.