Kinderbuch

Max von Thun: „Ich hatte einen Vampir im Schrank“

Der Schauspieler Max von Thun ist unter die Kinderbuchautoren gegangen. "Der Sternenmann" schrieb er für seinen Sohn. Ein Gespräch.

2005 erhielt Max von Thun die Romy als beliebtester männlicher Shootingstar. Aber auch als Schriftsteller macht der 41-Jährige sich gut

2005 erhielt Max von Thun die Romy als beliebtester männlicher Shootingstar. Aber auch als Schriftsteller macht der 41-Jährige sich gut

Foto: Tante Gioia

Berlin. Schauspieler Max von Thun wirkte bereits in über 50 Film- und Fernsehproduktionen mit und ist regelmäßig auf der Kinoleinwand zu sehen. Außerdem macht er leidenschaftlich gern Musik – vor allem für seinen fünfjährigen Sohn Leo. Aus dem für ihn geschriebenen Gute-Nacht-Lied „Der Sternenmann“ hat der 41-Jährige jetzt ein Kinderbuch gemacht. Ob seinem Nachkommen das Erstlingswerk gefällt, und wovor von Thun sich als kleiner Junge fürchtete, erzählt er im Morgenpost-Interview.

Mit „Der Sternenmann“ (Verlag arsEdition) feiern Sie ihr Debüt als Autor. Wie kam es dazu?

Max von Thun: „Der Sternenmann“ entstand aus Liedern, die ich für meinen Sohn geschrieben habe, damit ich ihn auch in den Schlaf singen kann, wenn ich in einer anderen Stadt im Hotel sitze. Da war kein Vorsatz vorhanden, unbedingt Autor zu werden. Aber ich hatte mich in die Idee verknallt, meinem Kleinen ein eigenes Buch zu widmen, eine Geschichte, die nur ihm gehört – und die wir glücklicherweise aber auch veröffentlichen konnten. In erster Linie habe ich das alles für meinen Sohn gemacht.

Sie sind vor allem Schauspieler, machen aber auch Musik. Jetzt noch das Schreiben: Wird Ihnen schnell langweilig?

Ich langweile mich in der Tat schnell, daher rührt auch ein wenig die Aktion mit dem Buch. Das heißt nicht, dass ich mich während meiner Dreharbeiten langweile, aber mich würde es sehr lähmen, immer nur das Gleiche machen zu müssen. Vielleicht ist das unterbewusst ein Grund, warum ich immer neue Sachen ausprobiere.

Hat eines der drei Felder am meisten Gewicht?

Alles macht zu seiner Zeit und unter den richtigen Bedingungen wahnsinnig viel Spaß. Ein Dreh mit tollen Kollegen und einem guten Drehbuch ist eine schöne Reise, Musikmachen hat etwas mehr mit Unabhängigkeit zu tun, ist mehr Seelenfutter, weil ich ja auch über mein Leben schreibe. Das Schreiben macht mich stolz, weil ich meinem Kind ein eigenes Buch schenken konnte, das hoffentlich über Generationen in der Familie weitergegeben wird (lacht).

Wer durfte Ihr Buch zuerst in den Händen halten?

Leos Mutter durfte es zunächst lesen, meinem Vater habe ich es auch gleich geschickt. Und natürlich mein Sohn selbst.

Und was hat er gesagt?

Er hat gesagt „cool“ und wollte gleich wissen, wie der Sternenmann aussieht. Das war dann fast wichtiger als die Geschichte selbst (lacht). Bei jeder Entscheidung zu den Illustrationen habe ich auch meinen Sohn nach seiner Meinung gefragt. Dank ihm hat er einen Umhang an, weil Leo derzeit so auf Comic-Helden abfährt. Der kleine Hund im Buch heißt übrigens Karlchen, weil mein Sohn mit Zweitnamen Karl heißt.

Im Buch geht ein kleiner Stern verloren. Sind Sie auch so zerstreut wie der Protagonist im Buch?

Ich habe mittlerweile eine ganz gute Ordnung in meinem Leben gefunden, auch durch mein Kind bedingt. Man muss als Vater ja funktionieren, da machen feste Plätze für bestimmte Dinge das Leben leichter. Vor zehn Jahren sah mein Leben da noch anders aus (lacht).

Es geht in Ihrer Geschichte auch um Selbstvertrauen. Wie vermittelt man das seinem Kind am besten?

Ich habe da keinen Erziehungsmasterplan und habe auch keine Elternratgeber gelesen. Als Vater vertraue ich auf meinen Instinkt. Ich sage meinem Sohn, dass man alles sagen und mit jedem sprechen kann. Es kommt dabei auf den Ton an. Wenn man höflich bleibt, dann klappt die Kommunikation besser. Ich merke, dass er das bei mir gut hinkriegt und in Bäckereien oder selbstbewusst in Restaurants auch schon mal die Rechnung bestellt. Das macht ihm alles Spaß. Ich bin kein sehr strenger Vater und denke, der beste Weg, Dinge zu vermitteln, ist eine gesunde Kommunikation. Leo ist ein aufgewecktes Kerlchen – und wenn man ihm etwas erklärt, dann versteht er das auch.

Wer hat Ihnen damals vorgelesen?

Mein Vater hat viele Geschichten erzählt, teilweise auch frei erfundene. Meine Mutter hat mir auch viel vorgelesen. Als Kind liebte ich zum Beispiel „Wo die wilden Kerle wohnen“. Der Held hieß Max, und das hat mir als Kind natürlich sehr gefallen. Das habe ich für meinen Sohn auch wieder besorgt, man will schließlich selber auch unterhalten werden beim Vorlesen. Und gerade in der Kinderbuchwelt gibt es ziemlich viel Quatsch ohne große Aussagen.

Hatten Sie als Kind auch Angst vor bestimmten Geschichten?

Ich kann mich da nicht genau erinnern. Ich weiß aber, dass ich mit sechs oder sieben Jahren das erste Mal einen Dracula-Film gesehen habe. Den hatte mein Vater davor angesehen, um mich und meine Schwester davor zu warnen, damit wir wegschauen konnten, wenn es gruselig wird. Bei einer Szene habe ich durch die Finger geschaut – und hatte ein Jahr lang Albträume von Vampiren. Ich hatte also einen Vampir im Schrank, nicht das klassische Monster unterm Bett (lacht).

Warum schreiben so viele Promis Kinderbücher?

Ich denke, dass ein kreatives Arbeitsfeld Dinge wie ein Buch zu schreiben fördert. Wenn man dann noch Elternteil ist, dann liegt so etwas nah.

Sie sind bald im „Benjamin Blümchen“-Kinofilm zu sehen. Gehören Sie auch zur Generation der Kassettenkinder?

Ich habe in meiner Kindheit alle „Die drei Fragezeichen“- und „TKKG“-Kassetten rauf und runter gehört. Da war ich aber auch schon etwas älter, die Geschichten sind ja schon teilweise sehr spannend. An „Benjamin Blümchen“ kann ich mich nicht erinnern. In den 70er-Jahren gab es auch nicht diese große, tolle Auswahl, wie es sie heute gibt.

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