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„Ich mache bis heute Fehler”

| Lesedauer: 5 Minuten
Maria Bidian

Designerin Jette Joop will mit einer Reality-Doku jungen Gründerinnen eine Starthilfe geben

„Jung, weiblich, Boss!“ heißt das Show-Format auf RTL2, mit dem Jette Joop ab diesen Montag mal wieder neue Karrierewege einschlägt – für sich, und vor allem für die acht Kandidatinnen, die unter Anleitung der Designerin eigene Unternehmen gründen möchten. Der Berliner Morgenpost erzählt die 50-Jährige, warum der Kampf um Gleichberechtigung noch immer nicht ausgefochten ist, was Mut für sie bedeutet – und wie ihr berühmter Vater, Wolfgang Joop, sie zur Selbstständigkeit erzogen hat.

Sie begleiten in Ihrer Show Frauen bei der Existenzgründung. Was brauchen Selbstständige, um sich durchzusetzen?

Jette Joop: Mut, Klarheit und ein tolles Netzwerk zu Hause. Bei jeder Form der Gründung muss man sich überlegen, wer einen unterstützt und wer da ist, wenn man scheitert. Selbst wenn man von niemanden unterstützt wird, ist das nicht schlimm. Aber man sollte sich über die eigene Situation im Klaren sein.

Woran scheitern viele?

Es ist wichtig, sich im Vorfeld zu fragen, wohin man will und welche finanziellen Mittel, wie viel Durchhaltevermögen und Unterstützung man dafür braucht. Das machen viele nicht.

Was war Ihr größter Fehler am Anfang Ihrer Karriere?

Ich mache bis heute Fehler. Immer dann, wenn ich mir nicht genau überlege, was ich wirklich will. Ich nehme mir selten Zeit, eine Pause zu machen, um zu überlegen, ob alles in die richtige Richtung läuft. Ich bin oft so in meine Projekte verwickelt, dass ich nicht den Raum habe, einen Schritt zurück zu gehen und zu reflektieren.

Wie unterscheidet sich die Sendung von anderen Gründer-Shows, wie zum Beispiel „Die Höhle der Löwen“?

Wir wollen den Frauen nach der Show die Wahl geben, weiter mit uns zusammenzuarbeiten oder sich anders zu orientieren. Es ist nicht wie bei anderen Sendungen, wo die Gründer sofort Kapital zur Verfügung gestellt bekommen. Bei uns bekommen sie Aufmerksamkeit und die Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit, aber auch die Freiheit, ihre eigenen Ziele weiter zu verfolgen.

Warum unterstützen Sie nur Frauen?

Männer haben als Gründer weniger Probleme. Ihnen wird von klein auf Mut gemacht, stark zu sein und durchzuhalten. Es ist frappierend, dass die Gründungsquote bei Frauen in Deutschland unter 15 Prozent liegt. Dabei ist die Selbstständigkeit für Frauen ein guter Weg, Verschiedenes zu vereinen.

Sie meinen Familie und Beruf?

Als Selbstständige bin ich in meiner Zeiteinteilung viel freier als in einem Leben als Angestellte. Deshalb ist die Selbstständigkeit eine gute Gelegenheit, mehr Kinder zu bekommen und trotzdem zu arbeiten.

Wie klappt das Vereinen bei Ihnen? Sie haben zwei Kinder und einen neuen Partner.

Die ganze Familie muss mitmachen. Das ist oft schwierig, weil jeder andere Bedürfnisse hat. Da ist der Glamour schnell verschwunden, wenn etwa Läuse in der Schule ausbrechen und man alles stehen und liegen lassen muss, um das Kind abzuholen.

Ihr Vater ist ein berühmter Designer. Hat er Sie von Anfang an unterstützt?

Mein Vater hat mir gesagt, dass ich alles machen kann. Er sieht Frauen nicht nur in einer dekorativen Rolle, sondern traut ihnen viel zu. Gerade sehe ich es immer häufiger, dass Frauen wieder auf dekorative Funktionen reduziert werden. Wenn wir nicht jetzt dafür kämpfen, die Rechte der Frauen zu erhalten, dann rutschen sie weg. Wir haben als Frauen in Europa, im Vergleich zu vielen anderen Orten, gute Möglichkeiten, für Gleichberechtigung zu kämpfen. Das müssen wir nutzen, bevor es zu spät ist.

Sie haben in Kalifornien Design studiert.

Die USA wurde von Frauen und Männern gemeinsam aufgebaut, dort weiß man, dass es ohne Frauen nicht geht. Für mich war es ein Kulturschock, als ich wieder nach Deutschland gekommen bin. Wo man in den USA ermutigt, sucht man in Deutschland das Haar in der Suppe.

War das Ihre Motivation für die Sendung? Die Frauen in Deutschland zu ermutigen?

Meine Motivation ist die Frage, was bleibt, wenn ich einmal aufhöre. Es bleiben eine Menge Designs und natürlich meine Kinder. Es würde mich aber sehr freuen, wenn ich das, was ich erlebt habe, weitergeben kann. Ich möchte auf eine fröhliche Art inspirierend sein.

Sehen Sie sich als Vorbild?

Ich möchte ein Anreiz sein, Vorbild ist ein großes Wort.

Was war denn damals Ihr Anreiz,
selbstständige Designerin zu werden?

Die Schwangerschaft mit meiner Tochter. Damals war ich 28 Jahre alt und wollte unabhängig sein, meine eigene Freiheit erlangen und ich wünschte mir, dass meine Tochter später stolz auf mich ist.

„Jung, weiblich, Boss! Mit Designerin Jette Joop“ ab diesen Montag, um 20.15 Uhr, bei RTL2

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