"Notruf Hafenkante"

Marc Barthel bangte wegen Tattoos um Job in ZDF-Serie

Marc Barthel ist der Neue in der ZDF-Serie "Notruf Hafenkante". Seine Tattoos hätten den Berliner fast den Job gekostet.

Marc Barthel aist in der ZDF-Serie "Notruf Hafenkante" der Neue an der Seite von Aybi Era

Marc Barthel aist in der ZDF-Serie "Notruf Hafenkante" der Neue an der Seite von Aybi Era

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Berlin. Eine Note ziert seinen Oberarm, das Geburtsdatum seines Bruders sein Handgelenk, viele weitere Geschichten aus seinem Leben reichen bis zu den Schultern. „Ich bereue das nicht. Die Tattoos gehören zu mir“, sagt Marc Barthel – trotzdem haben sie ihn beinahe den Job gekostet, der für den 28-Jährigen im kommenden Jahr den großen Durchbruch bedeuten könnte. Seit Juli steht der Berliner in Hamburg für die 13. Staffel der erfolgreichen ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ vor der Kamera. In den Folgen, die ab Herbst 2019 ausgestrahlt werden, spielt er an der Seite von Aybi Era den Polizeimeister Kristian Freiberg. Die beiden lösen Janette Rauch und Serhat Cokgezen als neues Team im Polizeirevier 21 an der Waterkant ab.

Zum Casting ging Barthel unbewusst mit langen Ärmeln, erst als er die Zusage schon in der Tasche hatte, seien der Produzentin seine Tattoos aufgefallen, erinnert er sich. Nach bangen Stunden habe das ZDF aber grünes Licht gegeben. Tattoos sind bei Polizisten in Deutschland noch immer nur mit Einschränkungen erlaubt. In der Serie werde das dann auch thematisiert, um seine Figur einzuführen. Damit auch sonst alles authentisch wirkt, hat der Schauspieler zur Vorbereitung echte Hamburger Polizisten im Dienst begleitet. Die hätten ihm gezeigt, wie man glaubhaft eine Waffe hält und eine Tür eintritt. „Die Hamburger Polizei feiert uns total. Aber natürlich sagen sie auch: Manches würden wir nicht so machen“, so Barthel. „Es wird selbstverständlich nicht jeden Tag geschossen. Aber der Zuschauer will ja eine geile Geschichte haben.“ Von all der Action am Set ist Barthel selbst noch immer vollkommen überwältigt. Zum ersten Mal habe er ein Stuntdouble und einen eigenen Wohnwagen. Bei den Dreharbeiten freue er sich deshalb häufig wie ein kleiner Junge.

Fernseherfahrung sammelte Marc Barthel vorher in Episodenrollen in Serien wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Türkisch für Anfänger“ und „Letzte Spur Berlin“. 2014 war er ein Jahr lang als Tim Helmke in der ARD-Soap „Verbotene Liebe“ zu sehen, bis diese im Juni 2015 nach 20 Jahren eingestellt wurde. Durch das tägliche Drehpensum habe er viel über das Handwerk gelernt, schnelles Textlernen sei für ihn kein Problem, sagt er. Immerhin hat der gebürtige Lichterfelder, der auch heute noch in seinem Kiez lebt, nie eine Schauspielschule besucht.

Im Alter von 15 Jahren bewarb sich Barthel über eine Ausschreibung in der Jugendzeitschrift „Yam“ als Mitglied einer neu gegründeten Boygroup. Drei Jahre lang tourte er als Jesse D’Lane mit Part Six durch Deutschland und Europa. Die Singles „Want Ya!“ und „Drive so Far“ schafften es immerhin in die Top 50 der Charts. „Ich dachte, das läuft jetzt immer so, mein Leben ist geritzt“, sagt Barthel. Als der internationale Erfolg ausblieb, beendete die Plattenfirma jedoch die Zusammenarbeit – der Sänger mit der Topfschnitt-Frisur saß mit 18 ohne Schulabschluss wieder bei seinen Eltern zu Hause und wurde direkt zum Wehrdienst eingezogen. Was zuerst ein Schock war, sei im Rückblick eine heilsame Erfahrung gewesen. „Wenn 20 Mädels vor deiner Tür übernachten, dann denkst du irgendwann auch, dass du der Geilste bist“, sagt Marc Barthel. „Die Bundeswehr hat mich da wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.“

In den folgenden Jahren schlug sich Barthel mit Nebenjobs durch. „Dieses Berliner Lebeding: Das wird schon alles.“ Als Komparse entdeckte er seine Begeisterung für den Film, bewarb sich bei einer Agentur und wurde genommen. Die großen Rollen ließen jedoch erst einmal auf sich warten. „Wenn man Schauspielkollegen trifft, behaupten immer alle, dass es bei ihnen super läuft. Aber eigentlich drehen sie kaum“, sagt Barthel über die Branche. Viele Kollegen wünschten sich daher eine Serie, bei der ihnen kontinuierliche Arbeit und Einkommen gesichert sind. Ob man beim Casting Erfolg habe, sei jedoch häufig keine Talent-, sondern eine Typfrage.

Seine Beziehung hat Bartel ruhiger gemacht

Dass es bei ihm dieses Mal geklappt hat, liege auch an seiner Freundin, glaubt Marc Barthel. Seit Ende 2017 ist er mit der ehemaligen „Bachelorette“ und Musicaldarstellerin Anna Hofbauer liiert. Die Beziehung habe ihn ruhiger gemacht, sagt der Schauspieler – und das habe er vielleicht auch beim Casting für „Notruf Hafenkante“ ausgestrahlt. Es helfe, dass Hofbauer aus der gleichen Branche komme. Beide hätten Verständnis, wenn der andere einmal länger wegmüsse oder Liebesszenen mit Kollegen spielen müsse. Dass diese Kombination auch schiefgehen kann, musste Marc Barthel in seiner früheren Beziehung zu Schauspielerin Sina Tkotsch feststellen. Als sie erfolgreich wurde, sei er gerade in seiner Findungsphase nach seiner Boygroup-Zeit gewesen, habe kein Geld verdient und bei ihr gewohnt. Das habe der Liebe nicht gutgetan. Mit Hofbauer fühle er sich nun angekommen, auch weil er sich in den letzten Jahren selbst weiterentwickelt habe.

Als Paar geoutet wurden Barthel und Hofbauer übrigens von den eigenen Fans. Denen sei aufgefallen, dass beide in den sozialen Medien häufiger gleichzeitig von den gleichen Orten posten. Mittlerweile gehen beide ganz offen mit der Beziehung um, schreiben sich Instagram-Liebeserklärungen und erzählen von ihrem Pendlerleben zwischen dem Allgäu, Berlin und Hamburg. Seine neue Rolle sei bei seiner Freundin sofort auf Begeisterung gestoßen, sagt Marc Barthel. „Die Uniform findet sie super. Sie hat gleich scherzhaft gefragt, ob ich sie mal mit nach Hause nehmen kann.“