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Britta Steffen: „Der Sport kann auf mich verzichten“

Die Ex-Profischwimmerin über Nachhaltigkeit, Klavierspiel und ihre neue Rolle als Mutter.

Als Wirtschaftsingenieurin kennt sich Ex-Schwimmerin Britta Steffen mit Nachhaltigkeit aus.

Als Wirtschaftsingenieurin kennt sich Ex-Schwimmerin Britta Steffen mit Nachhaltigkeit aus.

Foto: API (c) Daniel Hinz / Agency People Image

Als Schwimmerin holte Britta Steffen zahlreiche Weltrekorde und Medaillen, darunter auch doppeltes Olympia-Gold, in einer Pause vom Leistungssport studierte sie Wirtschaftsingenieurwesen und später noch Personalmanagement, doch jetzt hat die 34-Jährige eine ganz neue Rolle: Im September vergangenen Jahres wurden sie und ihr Freund Lorenz Ackermann Eltern von Quentin Julius. Ihre Umwelt ist der jungen Mutter wichtig, deshalb engagiert sie sich für diverse Projekte, zuletzt für das von Volkswagen initiierte Upcycling-Projekt „Shifting Shift“, bei dem nachhaltig hergestellte Möbel an das Kinder- und Jugendhilfswerk „Die Arche“ übergeben wurden.

Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit in Ihrem Alltag aus?

Britta Steffen: Als Wirtschaftsingenieurin für Umwelt und Nachhaltigkeit kenne ich mich mit dem Nachhaltigkeitsdreieck aus, bei dem die Ziele Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichzeitig angestrebt werden. In meinem Alltag als Mutter versuche ich, nicht so viel Abfall zu produzieren. Was Windeln und Feuchttücher angeht, bin ich meist mit Lappen unterwegs, um den kleinen Mann sauberzuhalten.

Benutzen Sie auch Stoffwindeln?

Da fahre ich eine Kombination. Den Luxus, unterwegs zu sein und eine Wegwerfwindel zu haben, finde ich klasse. Aber wenn wir zu Hause sind, finde ich Stoffwindeln genauso super. Bettchen und Wickelkommode haben wir secondhand gekauft, Babyklamotten habe ich größtenteils von Freunden überlassen bekommen, ansonsten waren die Omas fleißig am Einkaufen. Ich habe nur mal ein paar Söckchen gekauft. Ansonsten sind wir im Alltag auch kaum mit dem Auto unterwegs, sondern mit den Öffentlichen.

Haben Sie auch schon mal selbst ein Möbelstück gebaut oder zusammengeschraubt?

Eher geschraubt. Für das Magazin eines Baumarktes habe ich mal eine kleine Stuhl-Kollektion erdacht, die auf einer Mentaltrainingsmethode basiert. Das habe ich selbst aber natürlich nicht umsetzen können. Dagegen ist mein Freund ein Fummler, der schon mal eine Couch aus Paletten gebaut hat. Und mein Opa war Tischler. Alle Möbel bei meinen Eltern im Haus hat er in den 50er-, 60er-Jahren selbst gebaut.

Wie wichtig ist es Ihnen selbst, etwas zurückzugeben?

Wenn man erwachsener wird und versteht, was Muttersein bedeutet und wie einen die Eltern, die Trainer, die Lehrer geprägt haben, dann bin ich rückblickend sehr dankbar, dass ich diesen Weg gehen konnte. Wenn man viel Gutes erlebt hat, hat man den Wunsch, das auch anderen zu ermöglichen.

Hat sich durch Schwangerschaft und Muttersein Ihre Sicht auf die Welt verändert?

Früher ging es ja vornehmlich nur um mich selbst, da hatte ich ein Wertebild, das noch aus meiner Kindheit herrührt. Also Disziplin, Fleiß, Arbeit. Das kam mir für den Leistungssport sehr zugute. Was mir auch vermittelt wurde, war gerecht und fair zu bleiben und möglichst auch Freude an dem zu haben, was ich mache. Das möchte ich auch an meinen Sohn weitergeben. Heute sage ich immer noch: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Erst wenn die Bedürfnisse meines Kindes gestillt sind, habe ich auch eine gute Zeit.

Wie fordernd ist denn Ihr Baby?

Am Anfang fand ich es unglaublich anstrengend, weil ich so unter dem Schlafmangel gelitten habe. Und auch mit neuneinhalb Monaten will Quentin immer noch alle zwei, drei Stunden tags wie nachts trinken. Da bin ich extrem glücklich, dass meine Eltern und Schwiegereltern in spe parat stehen, um mit ihm zu spielen und spazieren zu gehen, und ich mal eine halbe Stunde Mittagsschlaf bekomme. Danach bin ich auch wieder netter (lacht).

Wie sieht die Rollenverteilung bei Ihnen zu Hause aus?

Wir haben uns schon von vornherein aufgeteilt, wer was macht. Lorenz ist derjenige, der sich um die Küche kümmert, er nimmt mir aber Quentin auch oft ab. Weil er als Kameramann jedoch öfter für längere Zeit unterwegs ist, hat er mehr kinderfreie Zeit und freut sich dann umso mehr, wenn er den Kleinen betütteln kann. Von daher hält sich das die Waage.

Welche Rolle finden Sie herausfordernder: Mutter oder Schwimmprofi?

Im Alltag als Schwimmprofi hatte ich meine Trainingsvorgaben, ich habe den Rhythmus selber bestimmt. Als Mutter muss ich total loslassen, was einen Plan angeht. Ich bin insgesamt flexibler geworden, habe aber gelernt, dass Vorbereitung alles ist. Und man muss die Signale des Kindes frühzeitig lesen können. Außerdem habe ich eine extrem krasse Erfahrung gemacht: Die Welt des Sports hätte auf mich verzichten können, da hätte auch ein anderer meinen Platz einnehmen können. Aber als Mutter bin ich einzigartig für mein Kind, ohne mich geht da nichts.

Würden Sie Ihrem Sohn in ein paar Jahren den Leistungssport empfehlen?

Ich würde ihm aus meiner Zeit erzählen, dass es viele schöne Momente gab, es aber auch oft hart war. Mit zwölf Jahren von zu Hause wegzugehen, hat das Leben absolut verändert. Wenn er wirklich Lust darauf hätte, würde ich ihn natürlich unterstützen, aber auch sagen, dass es noch andere Dinge wie Kunst und Musik gibt, die man machen kann, und dass wenig Zeit für Freunde bleibt.

Waren Sie denn schon beim Babyschwimmen mit ihm?

Ja, mit drei Monaten schon, auch weil wir unbedingt ein Unterwasserfoto haben wollten. Und wir möchten das auf jeden Fall fortführen. Er ist schon eine kleine Wasserratte. Aber es ist wirklich nur zum Vergnügen, es soll ganz entspannt sein.

Sie haben an einer Fernsehshow teilgenommen, sind bei der Fashion Week mitgelaufen. Welche Herausforderungen reizen Sie noch?

Ich würde gern mit meinem Freund in die Tanzschule gehen und ein paar Standardtänze lernen. Und ich würde gern Klavier spielen lernen. Das wäre vielleicht eine Rentneraufgabe für mich, es muss ja nicht die große Pianistenkarriere sein (lacht). Und ich finde es toll, wenn man einen Kampfsport beherrscht und die Philosophie, die dahintersteckt. In diese Richtung will ich auch Quentin so ein bisschen schubsen. Ansonsten will ich mich auch noch geistig weiterentwickeln und starte deshalb im September eine Heilpraktiker-Ausbildung mit Schwerpunkt Osteopathie.

Im September wird ihr Sohn ein Jahr alt. Planen Sie ein Geschwisterchen?

Wir sprechen das Thema ab und zu an, aber wenn er gerade wieder eine halbe Stunde gebrüllt hat, ist die Entscheidung schnell gefallen (lacht). Wir warten jetzt, bis er drei ist, und entscheiden noch mal. Wenn es dann nicht klappt, ist es auch nicht schlimm, weil wir schon ein wunderbares Kind haben.

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