Fußballweltmeisterschaft

WM-Experten senden live vom Tegernsee statt aus Watutinki

Jessy Wellmer und Philipp Lahm berichten über die Fußball-WM – von zu Hause in Deutschland aus. Warum eigentlich nicht aus Russland?

Spaziergang mit der Sportschau-Moderatorin Jessy Wellmer Südstern, Kreuzberg Chamissoplatz

Spaziergang mit der Sportschau-Moderatorin Jessy Wellmer Südstern, Kreuzberg Chamissoplatz

Foto: Reto Klar

Berlin. Seit Sommer 2017 drückt Moderatorin Jessy Wellmer der „Sportschau“ am Sonnabend ihren Stempel auf. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) hat die 38-Jährige, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Berlin lebt, eine ganz besondere Aufgabe: In der neuen Rubrik „Weltmeister im Gespräch“ unterhält sich die Journalistin mit Philipp Lahm, der die deutsche Nationalmannschaft 2014 als Kapitän zum Weltmeistertitel geführt hat.

Berliner Morgenpost: Frau Wellmer, welches war die erste Fußball-Weltmeisterschaft, die Sie bewusst miterlebt haben?

Jessy Wellmer: Das war das Turnier 1990. Ich war damals zehn Jahre alt, ein Mädchen aus Ostdeutschland, und dachte mir: Wenn wir diesen Sieg jetzt gemeinsam feiern, dann gehören Ost und West wohl wirklich zusammen.

Den nächsten WM-Titel holte die deutsche Nationalelf 2014 in Brasilien – da waren Sie als Reporterin fürs ZDF vor Ort.

Und durfte sogar beim 7:1-Sieg der deutschen Mannschaft gegen Brasilien in Belo Horizonte dabei sein. Es war gigantisch, das im Stadion mitzuerleben.

Bei der jetzigen WM sprechen Sie mit Philipp Lahm über das Turnier, die Sendung kommt vom Tegernsee. Warum nicht aus Russland?

Zum Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft gegen Mexiko besucht Philipp Lahm die deutsche Elf, und ich begleite ihn. Anschließend werden wir zusammen über die Nationalmannschaft sprechen, darüber, was hinter den Kulissen eines solchen Turniers passiert. Dazu müssen wir aber nicht die ganze Zeit in Russland sein. Wir setzen uns ans Ufer des Tegernsees. Dort ist es schön, und Philipp Lahm ist da mit seiner Familie zu Hause. Und für den Gebührenzahler ist das übrigens wesentlich kostengünstiger.

Nicht nur Ihre Sendung, sondern ein großer Teil der WM-Berichterstattung von ARD und ZDF kommt aus Deutschland: Das zentrale Studio steht in Baden-Baden. Bleibt da nicht viel Flair auf der Strecke?

Wenn wir uns an die WM in Brasilien erinnern: Da standen die Moderatoren auf einer Dachterrasse an der Copacabana. Es war unheimlich stimmungsvoll, aber auch da ist man weit weg vom Spielfeldrand. Ökonomisch gesehen ist es ein guter Kompromiss, das Studio nach Baden-Baden zu verlegen und zusätzlich Reporter nach Russland zu schicken.

Finden Sie es gut, dass die WM nicht boykottiert wird?

Es ist ja grundsätzlich die Frage, ob man Großereignisse in solche Länder geben muss. Aber wenn eine WM oder Olympische Spiele in einem solchen Land stattfinden, muss man sich als Journalist überlegen, wie man damit umgeht. Ich finde, man sollte nicht nur als Fußballreporter hinreisen, sondern sich auch als politischer Journalist verstehen, sich entsprechend vorbereiten und die Augen offen halten.

Sie haben gerade Ihre erste Saison als Moderatorin der „Sportschau“ hinter sich. Welche Bilanz ziehen Sie?

Es war aufregend, und ich musste mich erst daran gewöhnen. Die Moderation eines solchen Bundesligaspieltags ist eine große Fernsehkomposition mit enorm vielen Beteiligten. Ich bin zum Glück vom „Sportschau“-Team in Köln sehr herzlich aufgenommen worden. Es gab auch keinen einzigen Spruch, dass da jetzt eine Frau oder eine Neue die Sendung moderiert.

Die Welt des Bundesligafußballs galt viele Jahre als reine Männerdomäne, Sie sind die erste Moderatorin der „Sportschau“ am Sonnabend seit Monica Lierhaus. Hat dieser Aspekt keine Rolle gespielt?

Klar kam auch mal ein Tweet wie: „Die soll sich mal einen Rock anziehen“ oder: „Die soll an ihren Herd gehen“, aber doch nur ganz vereinzelt.

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