Schauspielerin

Kim Riedle ist die Frau für Anti-Heldensagen

Kim Riedle liebt sperrige Rollen. Aktuell ist sie im Film „Back for Good“ als Reality-TV-Sternchen mit Karriereknick zu sehen.

Kim Riedle (36) absolvierte eine Schauspielausbildung an der „Internationalen Schule für Schauspiel und Acting“

Kim Riedle (36) absolvierte eine Schauspielausbildung an der „Internationalen Schule für Schauspiel und Acting“

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin.  Dunkle Haare, dezentes Make-up, entspanntes Outfit – wer Kim Riedle in diesen Tagen trifft, der kann sich kaum vorstellen, dass da gerade wirklich die Hauptdarstellerin aus Mia Spenglers Langfilmdebüt „Back for Good“ vor ihm steht. Die 36-Jährige spielt darin ein Reality-Show-Sternchen, das mit allen Mitteln um ein Comeback kämpft. Für die Rolle trainierte Riedle jeden Tag vor Drehbeginn im Fitnessstudio, ließ sich die Haare blondieren, künstliche Bräune aufsprühen und Gelnägel machen. „Es ist unglaublich hilfreich, wenn ein bisschen was von der Rolle an einem klebt“, sagt sie über ihre Vorbereitungen. „Statt dass man da jeden Morgen rein- und rauswabert.“

Angie stolpert durch die Scherben ihres Lebens

Für die Verwandlung gab es bereits vor dem Kinostart viel Kritiker- und Expertenlob. Unter anderem in Form einer Nominierung für die „Beste weibliche Hauptrolle“ beim Deutschen Filmpreis und als „Beste Schauspielerin in einer Hauptrolle“ beim Deutschen Schauspielerpreis. Seit der vergangenen Woche können sich nun auch Filmfans einen Eindruck machen. „Jeder, der ein Herz hat, wird von Angie irgendwann berührt sein“, glaubt Riedle. Diese Figur, die haltlos durch die Scherben ihres Lebens stolpert und in der widerwilligen Rückkehr in ihr ungeliebtes Elternhaus eine neue Perspektive findet. Angie habe in ihr sofort etwas angesprochen, so die Wahlberlinerin. Eine Antiheldin sei zudem viel spannender zu spielen als eine Figur, die jeder sofort mag. Auch wenn sie dem Schauspieler viel abverlange. „Angie war ein großer Kraftakt für mich“, sagt sie. „Ich war danach ziemlich alle.“

Der Film könnte für Kim Riedle das sein, was man als großen Durchbruch bezeichnet. Bisher war die gebürtige Starnbergerin hauptsächlich in Episodenrollen von Serien wie „Soko Köln“ oder „Die Rosenheim-Cops“ zu sehen. Kurzzeitig größere Bekanntheit erlangte sie, als sie 2014 acht Monate lang als Model Giselle Schulz in der Daily Soap „Verbotene Liebe“ zu sehen war. Mit dem Format habe sie ihre Berührungsängste gehabt, gibt Riedle zu. Seifenoperndarstellern hafte in Deutschland ein gewisses Stigma an. Dennoch habe sie in dieser Zeit viel Routine und Kondition gelernt. Und sie habe, anders als sonst, tatsächlich einmal von ihrem gelernten Beruf allein leben können. „Ich habe bis zum Filmpreis nebenbei gejobbt, auch um nicht alles annehmen zu müssen“, sagt sie. „Jetzt kommen sie, die schönen Angebote.“

Dass es als Schauspielerin nicht immer einfach werden würde, davon machte sich Kim Riedle nach dem Abitur zunächst keine Vorstellung. „Ich bin mit einer großen Naivität an die Schauspielerei herangegangen“, sagt sie. „Ich habe gedacht, wenn ich gut bin in dem, was ich mache, dann werden die Jobs schon kommen.“ Zu Schulzeiten wollte die Tochter einer Schwäbin und eines Mazedoniers eigentlich Tänzerin werden, „aber irgendwie war mein Herz nicht komplett dabei“. Für die Schauspielschule in München entschied sie sich dann, nach eigener Aussage, ganz intuitiv und ohne jede Erfahrung. „Ich hatte keine Ahnung, ob ich das kann“, sagt sie. Aber: „Die Performancelust war immer da. Obwohl ich eigentlich keine Rampensau bin.“

Es folgte ein Engagement am Westfälischen Landestheaters in Castrop-Rauxel. Ihre erste Rolle: Emilia Galotti. Vor zehn Jahren schließlich packte Riedle ihre Koffer und zog nach Berlin. Einfach, weil sie Lust auf die Stadt hatte und wo sie seitdem in der gleichen Altbauwohnung in Friedrichshain lebt. Dass es mit der großen Hauptrolle und der Lola-Nominierung erst mit Mitte 30 geklappt hat, dafür ist Riedle im Nachhinein dankbar. Anders als Angie, die Aufmerksamkeit mit Liebe verwechsle, habe sie auf diese Weise genug Zeit gehabt, herauszufinden, wer sie sei. Ihr Privatleben hält sie deshalb lieber privat, gegen die Widrigkeiten des Showbusiness wappnet sie sich mit gutem Essen, guten Freunden und Meditation. „Der Wunsch, bekannt zu sein, ist bei mir nicht besonders ausgeprägt“, sagt Kim Riedle. Vielmehr habe sie gelernt, diesen Teil ihres Jobs für gute Rollen in Kauf zu nehmen. „Wenn das das Spiel ist, mache ich es also mit. Aber ich werde nie jemand sein, der sich darum reißt, auf dem roten Teppich zu stehen.“

Gerade hat Riedle die Sebastian-Fitzek-Verfilmung „Passagier 23“ für RTL abgedreht. Viele andere Projekte sind in Arbeit, über die sie aber noch nicht sprechen darf. In Zukunft kann sich die Schauspielerin zudem eine Rückkehr ans Theater vorstellen. Ihre Traumrolle: Lady Macbeth – auch eine Antiheldin.#

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