Interview

Vicky Leandros wollte immer nur singen

Seit mehr als 50 Jahren steht die Sängerin auf der Bühne. Am 13. und 14. Mai tritt sie im Friedrichstadt-Palast auf.

Sängerin Vicky Leandros findet, dass sich Europäer ähnlich sind

Sängerin Vicky Leandros findet, dass sich Europäer ähnlich sind

Foto: Jörg Krauthöfer

Seit 50 Jahren steht Vicky Leandros auf der Bühne. Und an einen Abschied von dort denkt die 65-Jährige noch lange nicht. Sie unterstützt ihre Tochter San­dra von Ruffin beim jährlichen Festival "Hellas Filmbox", heute singt sie beim Griechenland-Festival in Düsseldorf im Duett mit ihrem Landsmann George Dalaras, am 13. und 14. Mai tritt sie im Friedrichstadt-Palast in Berlin auf. Ein Gespräch über Lieblingslieder, ihren Ausflug in die Politik und Kindheitsträume.

Einer Ihrer großen Hits heißt "Ich liebe das Leben". Gab es jemals einen Moment bei Ihnen, in dem das nicht so war?

Vicky Leandros : Wir Menschen haben immer mal Momente, in denen es uns nicht so gut geht. Jeder bewältigt das anders und versucht, darüber nachzudenken, was man anders, was man besser machen kann, und holt sich dann selbst wieder da raus.

Noch ein gelebter Hit: "Theo, wir fahren nach Lodz" haben Sie im vergangenen Jahr mit dem Ex-Finanzminister Theo Waigel endlich in die Tat umgesetzt.

Ich kenne Theo Waigel schon seit einiger Zeit, habe als Überraschungsgast auf einem Geburtstag von ihm gesungen. Dann haben wir endlich einen Termin gefunden, der bei uns beiden gepasst hat.

Und wie hat es Ihnen gefallen?

Sehr gut, die Altstadt ist sehr hübsch. Ende März war ich wieder dort für eine große Gala.

Sie werden in diesem Jahr 66 Jahre alt, da drängt sich der Udo-Jürgens-Hit förmlich auf. Ist bei Ihnen auch noch lange nicht Schluss? Was haben Sie denn für die Zukunft geplant?

Ich habe viele Einzelkonzerte, dann planen wir eine neue CD, und im nächsten steht wieder eine Tournee an.

Haben Sie ein Lieblingslied?

Mein Lieblingslied bleibt ja immer "Ich liebe das Leben" (lacht), aber ich mag auch die Theodorakis-Titel sehr.

Was dürfen Ihre Fans im Friedrichstadt-Palast erwarten?

Für die zwei Termine habe ich ein neues Programm zusammengestellt, das ich bisher nur in der Elbphilharmonie in Hamburg habe singen dürfen. Begleitet werde ich von einem Streichquartett und vier meiner Musiker. Es gibt mehr griechische Lieder, aber auch ältere Titel oder englische Stücke.

Sie stehen seit mehr als 50 Jahren auf der Bühne. Hätten Sie sich je etwas anderes vorstellen können?

Natürlich habe ich auch mal was anderes gemacht, ich war ja in der Politik. Einmal ließ mich Ole von Beust in Hamburg ins Rathaus kommen, denn er wollte mich für die Kultur haben. Das konnte ich nicht machen, da ich gerade für 120 Konzerte unterschrieben hatte. Ich wäre dem auch nicht gerecht geworden. In Griechenland sollte ich mich für Piräus, den Geburtsort meiner Mutter, einsetzen. Bei den Wahlen dort hatte ich die zweitmeisten Stimmen und war dann als stellvertretende Bürgermeisterin zuständig für Kultur und internationale Beziehungen. Nach zwei Jahren bin ich aber zurückgetreten, weil die Lage 2006/07 so unübersichtlich war. Es war ja kein Cent mehr in irgendeiner Kasse, wir sahen die Pleite direkt auf uns zukommen. Trotzdem konnte ich vieles organisieren und Projekte wahrnehmen, die nicht so viel Geld gekostet haben. Aber mein Kindheitstraum war immer nur Singen, nichts anderes.

Was schätzen Sie an Griechenland, was an Deutschland?

Ich bin mit beiden Mentalitäten groß geworden und finde, dass wir Europäer uns ähnlich sind und unsere Mentalitäten nicht so weit voneinander abweichen. Es gibt auch sehr viele Menschen in Griechenland, die ziemlich gut organisiert sind (lacht).

Wie unterscheiden sich die Fans?

Es gibt Unterschiede in verschiedenen Städten. In manchen Städten ist es minimal verhaltener am Anfang, aber in Berlin ist von vornherein Stimmung. Das freut mich als Künstlerin sehr, denn es spornt einen noch mehr an, und man ist gleich noch besser gelaunt.

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