„Kudamm 59“-Star

Wieso August Wittgenstein von L.A. nach Berlin zog

Der Schauspieler August Wittgenstein über Traumrollen, Auslandserfahrungen und seine Wahlheimat Berlin.

Zwischen Forsthaus und Großstadtdschungel: August Wittgenstein braucht die Gegensätze

Zwischen Forsthaus und Großstadtdschungel: August Wittgenstein braucht die Gegensätze

Foto: Amin Akhtar

dienstags, 20.15 Uhr, RTL. Gerade war August Wittgenstein in „Ku’damm 59“ als homosexueller Ehemann Wolfgang von Boost zu sehen. In dem Mehrteiler spielte er einen Anwalt – so wie jetzt auch in seiner neuen Rolle in „Jenny – echt gerecht“ (dienstags, 20.15 Uhr, RTL). Im normalen Leben bewundere der 37-Jährige Anwälte und Juristen generell für ihre Eloquenz und klares Denken. „Leider gehört Logik überhaupt nicht zu meinen Stärken. Aber Rhetorik macht mir natürlich schon Spaß“, meint er.

August-Frederik Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, so sein vollständiger Name, wurde von einer überregionalen Tageszeitung als „schönsten Schauspieler Deutschlands“ bezeichnet. Das fand er zwar sehr nett von der Journalistin, aber so etwas sei ja immer subjektiv. Ihm sei eher wichtig, wenn man als Schauspieler eine gewisse Ausstrahlung mitbringe, „und das hat mit Selbstbewusstsein und einer positiven Energie zu tun.“ Sport treibe er aber viel, weil es ihm dadurch besser gehe – Tennis, Fußball, Ski und ein bisschen Golf. Und gerade muss er noch ein bisschen mehr trainieren, da er in der schwedisch-internationalen Serie „Hidden“, die momentan in Budapest gedreht wird, einen urbanen Superhelden spielt.

Die „Prinzenrolle“ liegt ihm dagegen nicht wirklich: „Ich war ab meinem 15. Lebensjahr 15 Jahre lang im Ausland, in Schweden, England, Frankreich und Amerika. Da hat es erstens niemanden interessiert und zweitens hätte es wahrscheinlich auch keiner verstanden, was es bedeutet“, meint er. Auch seinen vollen Namen nennt er eher selten. „Für mich ist es einfach nur, was es ist: ein Name.“

Seine Kindheit hat der Sohn eines deutschen Prinzen und einer schwedischen Gräfin in einem Forsthaus im nordrhein-westfälischen Bad Laasphe verbracht. „Es war ein sehr behütetes Zuhause und eine sehr schöne Zeit“, erinnert sich Wittgenstein, der zweisprachig mit Deutsch und Schwedisch aufgewachsen ist. Sein Abitur legt er in Großbritannien ab, studiert in den USA Geschichte und Theaterwissenschaften, absolviert dort auch seine Schauspielausbildung. Heimweh habe er nie verspürt: „Eigentlich war ich immer glücklich, im Ausland zu sein, es hat mich immer gefordert, ich konnte meinen Horizont erweitern. Solche Erfahrungen halte ich für extrem wertvoll.“ In Kalifornien beginnt seine Karriere mit Werbe- und Kurzfilmen.

Doch den Zeitunterschied von elf Stunden zu Mitteleuropa fand er schon hart, zudem lief sein US-Visum 2011 aus und er wollte wieder in Deutschland, in einer großen Stadt leben. „Der Ruf von Berlin war schon zu mir nach L.A. durchgedrungen, es klang sehr international und dynamisch, nicht ganz so deutsch wie in München oder Hamburg“, erinnert er sich.

Seine Traumrolle wäre der Zar

International ist auch seine Filmkarriere. Sie reicht von Ron Howards „Illuminati“ über den schwedischen Kinofilm „Avalon“ bis zum deutschen Historienfilm „Ludwig II“. Gerade hat er die Nachfolgeserie von „Das Boot“ gedreht. Für ihn als Historiker sind solche Stoffe natürlich besonders interessant: „Schon die Recherche macht Riesen-Spaß“, findet er. Eine Traumrolle habe er in dieser Hinsicht auch: Zar Peter der Große fasziniert ihn.

„Er hat Russland aus eigener Kraft erneuert, ist inkognito durch Europa gereist, hat sich Know-how besorgt, wie man eine Flotte aufbaut und wie das Rechtswesen reformiert werden könnte. Der muss so eine unglaublich starke Persönlichkeit gewesen sein, dass er es geschafft hat, die ganze alte, verstaubte Gesellschaft in die Jetztzeit zu bringen. Außerdem hat er gern getrunken und gefeiert, das macht auch Spaß“, sagt August Wittgenstein und lacht.