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Steffen Groth: „Nichts mit schönem Jüngling“

| Lesedauer: 7 Minuten
Rita Schulze
Schauspieler Steffen Groth gefällt es am Gendarmenmarkt

Schauspieler Steffen Groth gefällt es am Gendarmenmarkt

Foto: Reto Klar

Veränderung und Verantwortung sind dem Berliner Schauspieler wichtig. Er ernährt sich vegan und engagiert sich bei Hilfsorganisationen.

Berlin. Für das Treffen hat Schauspieler Steffen Groth den Gendarmenmarkt vorgeschlagen. Denn hier hat er gleich noch einen weiteren Termin, sodass sich die weite Anfahrt doppelt lohnt. Der dreifache Vater wohnt mit seiner Freundin und seiner jüngsten Tochter in Fried­richshagen, beschäftigt sich auch mit Regie und absolviert zudem eine Ausbildung zum Change-Management-Coach, denn Veränderung ist das, was ihn interessiert. Nicht nur die eigene, sondern auch die der Welt, im Sinne der Verantwortung unseren Kindern gegenüber, wie er sagt. Dabei ist der 43-Jährige gut im Schauspielgeschäft: Aktuell ist er in zwei Episoden der Krimikomödie „Heldt“ (28. Februar und 7. März, jeweils 19.25 Uhr, ZDF) zu sehen. Ein Gespräch über Schönheit, das „Traumschiff“ und Hilfsorganisationen.

Viele Zuschauer kennen Sie als den schönen, etwas oberflächlichen Mann in Beziehungskomödien. Fühlen Sie sich in solchen Rollen wohl, Herr Groth?

Steffen Groth: Es gab anscheinend mal irgendwann in der Presse diese Darstellung, dass ich immer nur junge Liebhaber spielen würde. Viele kennen mich aus „Doctor’s Diary“, im Osten der Republik werde ich oft auf „Weissensee“ angesprochen. Also stimmt das glücklicherweise nicht (lacht). Und der Staatsanwalt in „Heldt“ denkt, er wäre der stärkste Hecht im Karpfenteich, dabei ist er nicht wirklich die hellste Leuchte. Solche Rollen machen einfach großen Spaß beim Spielen und haben nichts mit einem schönen Jüngling zu tun.

Und das „Traumschiff“?

Ich habe zweimal „Traumschiff“ mit einer eher seichten Rolle gemacht, weil ich den Urlaub toll fand (lacht). Ich weiß noch, dass ich mit Wolfgang Rademann über Inhalte reden wollte, und er hat die ganze Zeit die Reiseziele beschrieben und sagte „So mach ick’s und so kriege ick die Leute ooch. Dich kriege ick ja jetzt ooch, oda etwa nich?“ Und ehrlich gesagt, er hatte recht – ich stand ja auch auf dem „Traumschiff“ (lacht). Inzwischen weiß ich aber, was für eine fahrende Umweltkatastrophe Kreuzfahrtschiffe sind, und hätte da jetzt eher moralische Bedenken.

Was tun Sie denn noch für die Umwelt?

Umweltmäßig leiste ich meinen Beitrag als Veganer, denn die Fleischproduktion und die damit verbundene Massentierhaltung ist eigentlich einer der größten Negativfaktoren in Sachen CO2-Ausstoß. Wir überlegen gerade, uns einen Hund anzuschaffen und beschäftigen uns dabei auch mit einer möglich veganen Ernährung für ihn. Entgegen der ersten Annahme und nach einiger Recherche wäre das sogar sehr gut für ihn.

Aha?

Es gibt ein speziell auf Hunde zugeschnittenes Futter, das Hunde gerne mögen. Und wenn sie von Anfang an daran gewöhnt sind, klappt das auch ganz gut.

Geht es Ihnen beim Fleischverzicht also eher um Kohlendioxid als um die Tiere?

Nein, in erster Linie ist es aus ethischen Gründen und weil ich Tiere mag, CO2-Eindämmung ist ein positiver und unterstützenswerter Nebeneffekt.

Und wie wichtig ist Ihnen vegane Ernährung bei Ihren Kindern?

Da ich es aus ethischen Gründen mache, fände ich es nicht gut, meine Kinder zu einer Ernährungsweise zu zwingen. Ich erkläre ihnen nur: „Das ist ein Tier, das getötet wurde, damit man es essen kann. Aber wenn du Fleisch essen möchtest, kannst du das gern tun. Lass uns aber wenigstens auf die Herkunft des Fleisches achten.“ Damit habe ich dann auch kein Problem. Ich habe einfach nur für mich entschlossen, dass Tiere genauso eine Daseinsberechtigung wie wir Menschen haben. Jeder, der ein Haustier hat, weiß, dass auch Tiere Gefühle und Bindungen haben. Der einzige Unterschied ist, dass wir Dinge kreieren und vermutlich mehr über den Sinn nachdenken können. Und dafür, dass wir uns für so wahnsinnig intelligent halten, benehmen wir uns oft extrem dumm. Kein Tier würde seinen Lebensraum so verletzen, wie wir das tun.

Sie engagieren sich auch für Hilfsorganisationen. Wie sieht das konkret aus?

Für Care bin ich während meines zweiten „Traumschiff“-Drehs zwischendurch mal ausgeschert, habe mir in Kambodscha die Hilfsarbeit vor Ort angeschaut und eine Kurz-Doku darüber produziert, die jetzt an Schulen eingesetzt wird. Im Kosovo habe ich einen zehntägigen Workshop für Jugendliche veranstaltet, in dem es um Gewalt und Männlichkeit ging. Das war eine großartige Erfahrung für beide Seiten. Ich will jetzt auch sehen, ob ich an Schulen in Deutschland was machen kann.

Kürzlich wurde bekannt, dass Oxfam Spendengelder für Erdbebenopfer in Haiti für Sexpartys verprasst hat. Wie geht es Ihnen mit solchen Nachrichten?

Es ist frustrierend, aber so ist die menschliche Natur. Es gibt ja immer Engelchen und Teufelchen in jedem. Das Schlimmste, was die Menschen aus dieser Nachricht ziehen können, ist das Fazit „Wenn sogar die sich so benehmen, darf ich das auch“. Und da bin ich dann auch schon beim Bildungssystem, das sich radikal ändern müsste. Dort gibt es keine Konzentration auf den Sinn. Und es gibt auch nicht die Frage, was schön ist. Die gibt es höchstens bei „Germany’s next Topmodel“, aber nicht als philosophische Frage. Schön ist es zum Beispiel in meinem Verständnis, wenn zwei Menschen sich gut benehmen und sich toll miteinander verstehen und austauschen. Wenn die Bildung da mehr fördern würde, könnte sich unsere Welt maßgeblich zum besseren Verändern.

Damit sind wir wieder beim Thema Schönheit. Hatten Sie schon mal das Gefühl, dass Ihnen Ihr Aussehen bei der Arbeit im Weg stand?

Ich bewege mich auf dünnem Eis, wenn ich mich selbst als gut aussehend bezeichne. Ich weiß aber nach 20 Jahren im Geschäft, dass ich unter anderem in dieser Kategorie auch wahrgenommen werde. Da merke ich schon, dass gut aussehende Männer, ebenso Frauen, auch unterschätzt werden. Für bestimmte Formate ist das Aussehen in diesem Beruf schon ein großer Vorteil gewesen. Allerdings habe ich bisher noch nie Arte/3sat-Dramen gemacht, weil es mir anscheinend noch nicht zugetraut wird. Dabei hätte ich schon große Lust auf schwierige, problematische Themen und Rollen und bin mir sicher, dass die auch kommen werden. Aber klar muss ich als Schauspieler auf mein Äußeres achten, deswegen gehe ich jetzt auch zum Friseur (lacht).

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