Late-Night-Talk

Klaas Heufer-Umlauf: "Mit Gefühlen Parolen widerlegen"

Klaas Heufer-Umlauf wird Late-Night-Talker. Und auch mit seiner Band Gloria wird es politisch, verrät er im Interview.

Der Moderator Klaas Heufer-Umlauf und der Gitarrist Mark Tavassol von der Band "Gloria" (Archiv)

Der Moderator Klaas Heufer-Umlauf und der Gitarrist Mark Tavassol von der Band "Gloria" (Archiv)

Foto: Jens Kalaene / dpa

Was ursprünglich als Hobby begann, ist mittlerweile zu einem ernst zu nehmenden Musikprojekt geworden. 2013 haben Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol ihr erstes Album als Gloria veröffentlicht. Aktuell touren der Moderator und der Gitarrist von Wir sind Helden mit ihrer dritten Platte "Da" durch Deutschland. Am 10. Februar spielen die beiden im Astra. Nebenbei steckt Heufer-Umlauf in den Vorbereitungen für seine neue Show "Late Night Berlin", die ab dem 12. März bei ProSieben läuft. Ein Gespräch über die Vereinbarkeit von Musik und Fernsehen, Donald Trump und die Abnutzungserscheinungen der AfD.

Herr Heufer-Umlauf, fällt der Spagat zwischen Musik und Fernsehen schwer?

Klaas Heufer-Umlauf: Das empfinde ich gar nicht als Spagat. Im Gegenteil, ich empfinde es als heilsam, beides zu machen, das sind zwei von sich abgeschlossene Welten. Wenn ich eine Zeit lang nur eine Sache mache, ist es erfrischend, wieder etwas anderes zu tun.

Sie haben beide weitere Projekte. Welchen Stellenwert hat Gloria in Ihrem Leben?

Mark Tavassol: Das ist sehr unterschiedlich. Ich kann zeitweilig nichts Anderes machen, wenn es um die Produktion und die Tour-Vorbereitung geht. Da kann es mitunter auch mal so viel werden, dass ich am liebsten ganz aufhören würde, aber dann lockert sich das Geschehen wieder auf und wir können mit einem nicht zu überladenen Live-Programm die beste Zeit erleben. Das war bei Wir sind Helden nicht anders und scheint irgendwie zu diesem Beruf zu gehören.

Heufer-Umlauf: Die Kunst ist es, allem zur richtigen Zeit den nötigen Stellenwert einzuräumen. Das bedarf einer klugen Organisation. Vom Gefühl her sind mir meine Projekte gleich lieb. Ich würde nichts nur aus Pflichtgefühl beginnen um es dann mit Disziplin durchzuziehen.

Der Song "Immer noch da" beschäftigt sich mit dem Rechtsruck der Mittelschicht. Sehen Sie es als Aufgabe, politisch zu sein?

Heufer-Umlauf: Es ist Absicht, dass sich dieses Thema auf der Platte findet. Ich glaube nicht, dass es für jeden Musiker die Aufgabe ist, darüber zu reden, aber wir haben den Anspruch, unsere Gedanken auf die Platte zu bringen.

Trump regiert seit einem Jahr. Sind Sie immer noch schockiert?

Tavassol: Schockiert zu sein ist wohl die erste Reaktion. Aber das geht vorbei. In regelmäßigen Abständen fällt es mir wieder ein, und es entsetzt mich, dass man sich an so etwas gewöhnt. Ich frage mich, wie diese Wahl in Zukunft aufgearbeitet wird, wenn man auf diese Epoche zurückblickt. Ich glaube, dass Trump nicht ganz gesund ist. Es gibt Stimmen, die sagen, er würde Symptome von Demenz zeigen – ich bin gespannt, wann der Zeitpunkt kommt, an dem er das nicht mehr verbergen kann, sollte der Vorwurf stimmen. Wäre das alles nicht so traurig, wäre es bestes Entertainment.

Heufer-Umlauf: Es gibt ein Video, das ich auch jedem ans Herz legen möchte, der sich nicht für Politik interessiert. Möglicherweise erkennt man in diesem Video die menschliche Unfähigkeit des Präsidenten. In diesem Video empfängt er Presse und verkleidete Kinder an Halloween im Oval Office. Sein Umgang mit den Kindern ist eine Offenbarung seiner emotionalen Inkompetenz.

Sie gehen also davon aus, dass er seine Amtszeit nicht beenden wird?

Tavassol: Das kann man so nicht sagen, aber ich glaube, dass damit das Problem noch nicht gelöst ist. Wenn er geht, dann kommt der nächste. Und der wird vielleicht weniger ungeschickt sein – da hätten wir viel mehr zu befürchten. Für mich ist es ein Phänomen, dass er überhaupt gewählt wurde. Trump kommt aus dem kommerziellem Entertainment und hat Fans. Die Tatsache, dass jemand es geschafft hat, mit Fans dahin zu kommen und größer und stärker als eine politische Persönlichkeit mit Wählern zu werden, ist schockierend. Hätte er diese Sendung vorher nicht gehabt, wäre er erst gar nicht so weit gekommen. Mit Trump offenbart sich die Macht des Fernsehens.

In Deutschland ist man sich ebenfalls nicht einig. Die neue Koalition stand erst nach Monaten fest. Hat Sie das Ergebnis im September überrascht?

Heufer-Umlauf: Nur zum Teil. Ganz so tragisch habe ich es nicht erwartet. Würde heute noch mal gewählt werden, gäbe es eventuell ein anderes Ergebnis, weil erste Abnutzungserscheinungen in der personellen Konsistenz der AfD aufgetreten sind.

Ist "Erste Wahl" ein AfD-Song?

Tavassol: (lacht) Es geht um das Phänomen, dass es immer Leute gab und gibt, die rechtskonservativ bis Nazi sind. Wir haben eine große Gruppe von Nichtwählern, und dabei wird, glaube ich, verklärt, dass diese Menschen nicht aus einer totalen Abgeklärtheit, sondern aus Desinteresse nicht wählen. Ein schlafender Riese, der zu bösen Überraschungen führen kann, bliebe er politisch unaufgeklärt. Statt alle vier Jahre das Volk lediglich zur Wahl aufzurufen, muss man es die vier Jahre dazwischen auch aufklären. Das geht am ehesten über die Schulen. Um die Demagogie, die sich bei zu wenig Bildung breitmachen kann, geht es in diesem Song.

Also ist das Schulsystem defizitär?

Tavassol: Es ist keine Kritik am Schulsystem. Man muss nur überlegen, wie man ein politisches Bewusstsein schafft und Wege findet, Leute für Politik zu interessieren.

Dabei kommt der Song ja in einem lieblichen Pop-Gewand daher.

Heufer-Umlauf: Ich glaube durch Musik hast du andere Möglichkeiten und kannst Themen emotionalisieren. Mit Gefühlen kann man Parolen begegnen und widerlegen.

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