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Pastewka will „Klischees in diesem Leben lieber auslassen“

Bastian Pastewka ist zurück auf dem Bildschirm. Ein Interview über Schamgefühl, Midlife-Krise und Beicht-Schlagzeilen.

Bastian Pastewka

Bastian Pastewka

Foto: FRANK DICKS / BM

Die „Wochenshow“ Ende der 90er-Jahre war das Sprungbrett für Bastian Pastewka. Seitdem ist der 45-Jährige eine feste Größe unter Deutschlands Komikern und vielfach ausgezeichnet – Grimme-Preis, gleich mehrere Deutsche Comedypreise, zwei Goldene Kameras, um nur einige zu nennen. Sich selbst spielt er in der Serie „Pastewka“, deren erste sieben Staffeln auf Sat.1 liefen. Nach vier Jahren Pause kehrt er am 26. Januar mit der gesamten „Pastewka“-Familie in einer neuen Staffel über den Video-on-Demand-Anbieter Amazon Prime zurück auf den Bildschirm.

Wie kam es dazu, nach vier Jahren Pause wieder mit dem Team zusammenzuarbeiten?

Bastian P astewka: Es waren die Fans, die uns immer wieder gebeten haben, weiterzumachen, was uns wahnsinnig ehrt und gefreut hat. Als dann die Anfrage von Amazon kam, haben wir entschieden, dass wir es nur machen, wenn unser Stammensemble und all unsere Gäste wieder mit dabei sind. Und das ist uns auch geglückt.

Und die Fans sind auch zufrieden, wenn die Serie jetzt über einen Streaming-Dienst läuft und nicht mehr im klassischen Fernsehen?

Das habe ich zumindest so empfunden. Ich glaube, die meisten freuen sich, dass die Serie jetzt in einem Rutsch abrufbar ist und sie nicht Woche um Woche warten müssen. Wenn man um 17 Uhr anfängt, ist man zu den „Tagesthemen“ schon fertig (lacht). Es ist schrecklich, wir haben jetzt vier Jahre gewartet, haben ein Jahr diese Serie produziert, und unsere Zuschauer können sich das nun innerhalb fünf Stunden angucken, das ist natürlich hart (lacht).

In einer Szene tragen sie einen scharfen „Borat“-Badeanzug ...

Dafür entschuldige ich mich bei Ihnen – und bei meinem Publikum. So ein Anzug trägt sich auch gar nicht so schön und so leicht, wie man vielleicht denken könnte. Zunächst muss man im Schrittbereich sehr viel kaschieren, weil es tatsächlich passieren kann, dass das ein oder andere plötzlich frei liegt, was man vielleicht dem Team nicht gleich am ersten Drehtag zeigen möchte. Aber noch komplizierter sind diese Spaghettiträger, die permanent verrutschen, wenn man sich bewegt. Deshalb bekam ich auf meine Brustwarzen Doppel-Tape geklebt. So habe ich dann den halben Drehtag in diesem Outfit verbracht.

Das konnten Sie mit Ihrem Schamgefühl vereinbaren?

Das ist mir wurscht. Im albernen Kostüm halb nackt vor meinem Team zu stehen, ist Teil meiner Berufsbeschreibung. Das ist im Preis sozusagen mit drin. Dieses Ding aber dann schnell wieder loszuwerden und dabei zu vergessen, dass man noch festgeklebt ist – das tut schon weh. So muss sich Waxing anfühlen.

Ihre Kollegin Annette Frier macht sich in der Serie gern über ihren Hals lustig, hat sogar eine Maske für Partys erfunden. Wie können Sie mit Witzen umgehen, die auf ihre Kosten gemacht werden?

Ich habe Glück, ich bin einer der Autoren und die Idee mit dem Partyhals war meine. Da wir ja schon seit Staffel eins erzählen, dass Bastian einen Blähhals hat, den ich im wahren Leben ja leider auch habe, ist das eine Macke, mit der wir immer mal wieder spielen. In der Serie hat Annette Frier einen Modellhals hergestellt, den sie vermarkten möchte, und das mag Bastian natürlich nicht. Im wahren Leben wäre mir das ziemlich wurscht.

Wie sind denn überhaupt die Parallelen zwischen dem echten und dem Serien-Pastewka?

Ich kann es nicht mehr unterscheiden. Die Figur hat mich über die Jahre vollends in Besitz genommen, und ich werde sie nicht mehr los. Ich versuche natürlich, im wahren Leben nicht so herumzulaufen und zu agieren, aber es passiert mitunter. Ich ertappe mich dabei, wie ich plötzlich stark gestikulierend meinen Worten Nachdruck verschaffen möchte, wie ich es sonst nur in der Sitcom tue. Meine Frau sagt auch zwischendurch: „Komm, jetzt fahr mal wieder runter, du bist jetzt gerade nicht in deiner Serie.“ Insofern sind die Parallelen da, aber ich muss sie zwischendurch auch wieder abwimmeln.

In der neuen Staffel ist die Midlife-Krise ein großes Thema. Wie sind denn Ihre persönlichen Erfahrungen auf diesem Gebiet?

Bislang bin ich mir noch nicht sicher, was eine Midlife-Krise ist. Was macht die? Meldet die sich vorher an? Hat man eine Krise und bekommt hinterher die Quittung? Ich hoffe, das noch herauszufinden, aber so wie Bastian in der Serie richtig in der Krise versinkt und dann irgendwann wieder reumütig nach Hause kommt, das möchte ich privat nicht erleben. Mal gucken, was mir noch blüht (lacht).

Aber der Sportwagen steht schon in der Garage?

Selbstverständlich, und ich überlege, mir jetzt noch eine zweite Finca auf Mallorca zuzulegen (lacht). Nein, um Gottes willen. Diese ganzen Klischees lasse ich in diesem Leben dann noch lieber aus. Vielleicht im nächsten.

Wenigstens einen Motorradführerschein?

Ich habe immerhin einen Bootsführerschein gemacht, aber auch schon vor zehn Jahren.

Okay, das gilt dann noch nicht.

Nein, das ist noch nicht schlimm.

Bei der NDR-Talkshow haben Sie kürzlich über Ihren mehr oder weniger unfreiwilligen Vollrausch bei der Geburtstagfeier Ihrer Frau in einem Restaurant gesprochen.

Das ist sehr lustig gewesen. Ich habe das selber öffentlich gemacht, weil in der Sendung mehrfach über die Vorzüge und Nachteile von Alkohol gesprochen wurde, und zwei Tage später lese ich auf irgendeiner Online-Seite „Pastewka: Schockbeichte im TV“. Da musste ich sehr lachen und dachte „Life imitates art“. Dass sich Schlagzeilen über Prominente verselbstständigen, ist nämlich ein Thema unserer aktuellen Staffel.

Hat denn Ihr Appell Erfolg gehabt, und Sie haben von dem Mann, der Sie betrunken auf der Toilette fotografiert hat, das Bild zur Erinnerung bekommen?

Bisher hat sich zu Recht noch niemand gemeldet, weil die Geschichte viel zu harmlos ist. Aber die Essenz, die ich damit ausdrücken wollte, bleibt: Aufhören mit der elenden Sauferei.