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Zwei Berliner in Bangkok

Sie haben viel gewagt und viel gewonnen. Nicht einmal zwei Jahre nach der Eröffnung ihres Restaurants „Sühring“ in Bangkok konnten die beiden Berliner Mathias und Thomas Sühring einen Stern im allerersten Michelin-Führer Thailand erhalten. Mit raffiniert zubereiteter deutscher Hausmannskost haben es die 40 Jahre alten Zwillinge aus Friedrichshain unter die besten Restaurants Thailands geschafft.

„In Thailand werden Oktoberfest, Schweinsbraten und Sauerkraut genannt, wenn von deutscher Küche die Rede ist“, sagt Thomas. Dabei gebe die so sehr viel mehr her als nur große Braten und schwere Soßen. „Wir stellen Deutschland aus unserer Sicht modern und zeitgemäß dar“, sagen sie. Für dieses für Thailand bislang einmalige Konzept wurden die beiden „Kochbotschafter“ aus Berlin nicht nur mit dem Michelin-Stern ausgezeichnet. Ihr Lokal in der thailändischen Hauptstadt schaffte es auf Platz 13 der Liste mit den 50 besten Restaurants Asiens.

Spätzle oder Frankfurter Grüne Soße, bayerischer Obazda mit einer Miniatur-Breznstange und andere modern verfeinerte deutsche Hausmannsklassiker sind derart angesagt, dass ihr Restaurant fast täglich ausgebucht ist. Ihre „Brotzeit“, ein Zwischengang, bei dem Bauernbrot mit Butter, Speck, Schinken und Aal auf den Tisch kommt, ist für viele Gäste ein Höhepunkt. Und ihre Variation von Eisbein mit Sauerkraut – zu einem Aufstrich eingekocht auf Weißbrot – möchte man am liebsten mehrmals nachbestellen. Angeboten werden Menüs mit neun oder zwölf Gängen für 2900 oder 3400 Baht (ungefähr 75 oder 88 Euro), Service und Getränke extra.

„Wir haben in Bangkok ein einzigartiges Konzept gewagt“, sagt Mathias Sühring, und es sei nicht klar gewesen, ob es funktionieren würde. Denn deutsche Rezepte haben sie vorher nie auf ihren zahlreichen Stationen zubereitet. „Wir haben italienisch, französisch und holländisch gekocht, aber das hier war auch für uns neu.“ Es sei wohl auch die richtige Zeit und der richtige Ort gewesen, um finanziell erfolgreich zu sein. „Bangkok lebt und entwickelt sich“, sagen sie. „Die Thailänder gehen viel aus und geben gern Geld für Essen aus.“

Anfangs seien 90 Prozent der Stammgäste Thailänder gewesen, aber mittlerweile würden auch immer mehr Gäste aus Singapur und Hongkong kommen. Und natürlich auch Touristen aus Deutschland und Deutsche, die in Bangkok leben und arbeiten.

1977 wurden die beiden geboren. Kurz darauf zog die Familie von der Warschauer Straße in Friedrichshain nach Marzahn. Ihre Eltern leben noch immer in der Wohnung, in der Thomas und Mathias aufwuchsen. Während ihrer Karriere trennten sich ihre Wege. Nach der Ausbildung in Berlin wurden sie von Sterne-Koch Sven Elverfeld im „Aqua“ in Wolfsburg angeheuert. Während es Mathias später nach Holland zog, ging Thomas in das Drei-Sterne-Restaurant „La Pergola“ nach Rom.

„2008 wurde mir meine erste Stelle als Chefkoch in Bangkok angeboten“, sagt Thomas Sühring. „Das war ein richtig großer Schritt, von dem ich nicht überzeugt war, ob ich ihn machen möchte“, sagt er. Wenig Englischkenntnisse und eine Mentalität, die er nicht kannte, so begründet er seine damaligen Zweifel. „Ich habe gesagt, dass es mich nur im Doppelpack mit meinem Bruder gibt.“ Gemeinsam kochten sie schließlich im 65. Stock des „Lebua“-Hotels zunächst italienisch, später international.

Ermutigt vom indischen Koch Gaggan Anand machten sie sich selbstständig. Die ehemalige Diplomatenvilla in einem ruhigen Viertel nahe dem Zen­trum war nicht ihre erste Wahl. „Als erstes eigenes Restaurant war es uns eigentlich zu groß“, sagt Mathias. „Wir sind zwei Jahre auf Mopeds durch Bangkok gefahren und haben uns umgesehen, aber nichts Passendes gefunden.“ Dann habe man doch den Mietvertrag für die Villa inmitten eines tropischen Gartens unterschrieben.

„Am 22. Februar 2016 hatten wir dann erstmalig zahlende Gäste“, sagen sie. Und von zu groß ist nun auch nicht mehr die Rede. 60 Mitarbeiter arbeiten im „Sühring“ und bewirten zwischen 80 und 100 Gäste am Tag. Das Brot backen sie selber, aus importierter deutscher Sahne schlagen sie Butter. Ein Sommelier aus Frankreich betreut die Weinkarte mit etwa 400 Posten, mehr als die Hälfte deutsche Produkte.

Nicht nur beruflich, auch privat sind die Zwillinge glücklich. Beide leben mit Thailänderinnen zusammen. Thomas hat einen 15 Monate alten Sohn, Mathias ist verheiratet. Im „Sühring“ wollen sie ihr Konzept weiterentwickeln, aber „lockerer und nicht so verbissen“, sagen sie. Zehn Jahre in Thailand hätten sie geprägt.

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