Schauspieler

Jürgen Heinrich: „Für Rente habe ich keine Zeit“

Schauspieler Jürgen Heinrich hat nicht nur viel zu tun, sondern macht im Interview auch ein Geständnis.

Jürgen Heinrich

Jürgen Heinrich

Foto: DAVIDS/Darmer

Zweimal hatten er und seine Frau schon einen Scheidungstermin: Im Interview erzählt Jürgen Heinrich (72) von seiner Ehe, wie es ihm in der Zeit nach seiner Erfolgsserie „Wolffs Revier“ erging – und gesteht, als Vater über weite Strecken versagt zu haben.

Sie sagten einmal, dass Sie sich nach dem „Aus“ bei „Wolffs Revier“ unterbeschäftigt gefühlt haben. Ist das immer noch so?

Jürgen Heinrich: Es ist ja ein Unterschied, ob man zehn Monate am Stück arbeitet oder drei oder vier Filme im Jahr macht. Außerdem war „Wolffs Revier“ wie eine Droge für mich. Das hat mir einfach Spaß gemacht. Das war sicherlich das glücklichste Unternehmen meines Lebens. Die Figur „Wolff“ hat mir gefallen, auch dass er ein alleinerziehender Vater war, die Geschichten waren gut, das ganze Team war wie eine Familie und wir hatten riesigen Erfolg. Und das 13 Jahre lang.

Die Serie lief ja auch im Ausland sehr erfolgreich …

Ja, ich konnte in Rom, Paris oder Amsterdam herumlaufen und ständig rief jemand „Commissario Wolff“. Es lief in ganz Europa gut. In Italien hatten wir den größten Erfolg. Vielleicht lag es auch daran, dass der Held ein eher jüngerer Mann war. Und es sahen auch viele Frauen, weil die es toll fanden, wie Wolff seine Tochter alleine erzog.

Hat Ihre Frau Sie damals aufgefangen, als es Ihnen nicht so gut ging?

Nein, mich musste niemand auffangen. Ich war ja nicht krank. Mein Leben hat sich einfach verändert. Und ich habe nie richtig eingesehen, dass die Serie beendet werden musste.

Wie haben Sie die neue Freizeit denn ausgefüllt?

In der Zeit von „Wolffs Revier“ habe ich in der Freizeit auch selbst Drehbücher geschrieben oder umgeschrieben, wenn ich selber inszeniert habe. Es war sozusagen ein „Fulltime“-Job. Dann war die Serie plötzlich vorbei, und ich fragte mich dann: Warum soll ich jetzt noch weiterschreiben? Kann man das vielleicht bei einer anderen Krimi-Serie unterbringen? Dann habe ich noch Monate an meinem Computer gesessen und sinnlos weitergeschrieben. Das war wie eine Art Therapie für mich. Es hatte einen therapeutischen Nutzen, um damit fertigzuwerden. Ich habe einfach weitergeschrieben, ohne dass ich dafür Abnehmer hatte. Irgendwann habe ich den Computer zugeklappt und gesagt: So, jetzt ist es vorbei. Aber das hat eine Weile gedauert.

Kam irgendwann der Punkt, wo Sie vielleicht doch noch froh waren, dass es vorbei war?

Ja, weil ich irgendwann festgestellt hatte, dass ich in den letzten 13 Jahren nicht wirklich gelebt hatte. Ich hatte intensiv gearbeitet. Das Leben, vor allem die Familie habe ich in der Zeit aber eklatant vernachlässigt.

Aber Ihre Frau und die Kinder haben Ihnen keine Vorwürfe gemacht?

Das kann man so nicht sagen. Die Kinder haben mir keine Vorwürfe gemacht, aber ich habe meine Pflichten vernachlässigt. Ich habe in den 13 Jahren über weite Strecken als Vater versagt. Da bin ich dem nicht nachgekommen, was ich für die Kinder hätte sein müssen. Mein Junge ist in dieser Zeit in der Pubertät gewesen, das ist eine wichtige Phase, und da war ich nicht für ihn da.

Hatte das Konsequenzen für Ihren Sohn?

Nein, außer dass ich gefehlt habe, und wenn etwas fehlt, dann nehmen Dinge einen Lauf, die man später nicht beeinflussen kann. Die Beziehung hatte einfach gelitten. Zwischen mir und meiner Frau übrigens auch. Ich habe nur für „Wolffs Revier“ gelebt, und das hat meiner Frau natürlich nicht gefallen.

Haben Sie eigentlich Enkelkinder?

Ja, meine Tochter hat zwei fantastische Kinder, sieben und zehn Jahre alt. Meine Tochter macht das mit ihren Kindern besser als ich. Sie ist eine tolle Mutter.

Sie wirken sehr fit, was tun Sie für Ihre Gesundheit?

Ich renne nicht mehr so wie früher. Wenn, dann gehe ich auf den Ergometer. Ich hatte mal Probleme mit dem Knie. Aber repariert habe ich das durch Schwimmen. Es ist alles wieder in Ordnung. Ich musste nicht operiert werden.

Seit 43 Jahren sind Sie verheiratet. Gibt es ein Rezept für Ihre glückliche Ehe mit Gabriele?

Das kann man so nur schwer beantworten. Wichtig ist gegenseitiger Respekt. Ehe bedeutet für mich Partnerschaft und Vertrauen. Wir empfinden das auch als Glück, dass es noch so gut funktioniert. Wir haben zweimal geglaubt, dass es nicht mehr geht und hatten sogar zwei Scheidungstermine. Aber an dem Morgen, wo wir den Termin hatten, haben wir uns in die Augen geschaut und gesagt: „Was für einen Mist machen wir denn hier gerade? Das lassen wir besser sein!“ Wir sind zu beiden Terminen nicht hingegangen, und das war gut so.

Da denken Sie mit Sicherheit überhaupt nicht an die Rente?

Nein, auf keinen Fall. Ich musste sogar zwei Filme absagen, weil es Terminüberschneidungen gegeben hat. Rente ist für mich kein Thema. Dafür habe ich keine Zeit!

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.