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„Ich bin auf einem guten Weg“

Nina Hoger spielt seit vier Jahren in der Serie „Um Himmels Willen“ mit.

Nina Hoger spielt seit vier Jahren in der Serie „Um Himmels Willen“ mit.

Foto: Getty Images / Getty Images Entertainment/Getty Images

Als gestrenge Mutter Oberin kümmert sich Nina Hoger in der Fernsehserie „Um Himmels Willen“ um die Finanzen des Klosters Kaltenthal. Im Interview zu den neuen Folgen (ab 9. Januar 2018, 20.15 Uhr, ARD) spricht die 56-Jährige über ihre Rolle als Schwester Theodora, ihre Mutter Hannelore Hoger und wie sie einmal eines Tages sterben möchte.

Sie spielen nun seit vier Jahren bei „Um Himmels Willen“. Hätten Sie gedacht, dass Sie so lange dabei sein würden?

Nina Hoger: Nein, damals war ich ja erst einmal als Gast in der Serie, Gaby Dohm spielte die geschäftstüchtige Mutter Oberin Baronin von Beilheim. Umso mehr habe ich mich gefreut, als die Anfrage kam, weil Gaby Dohm aus der Serie aussteigen wollte. Da bin ich erst einmal baff gewesen. Manchmal braucht man eben ein bisschen Glück. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Als Oberin Theodora wollen Sie das Kloster auf keinen Fall zum geforderten Preis zurückkaufen und drücken den Preis. Sind Sie im wahren Leben auch so geschickt im Verhandeln?

Nein, im Verhandeln bin ich wirklich ganz schlecht. Ich finde das total schwierig, um Geld zu feilschen. Ich kann sehr gut mit Geld umgehen, kann sehr wohl sparsam als auch verschwenderisch sein. Aber beim Handeln auf einem Basar wäre ich völlig verloren. Allerdings lerne ich das ja gerade als Mutter Oberin. Ich bin also auf einem guten Weg.

Wie kommen Sie mit Phasen zurecht, wo es weniger Rollen und somit weniger Geld gibt?

Ich komme damit gut klar. Natürlich kenne ich auch schlaflose Nächte, aber als Freiberufler sollte man sich immer ein kleines Polster schaffen für Zeiten, in denen es mal nicht so gut läuft. Ich kann dann meine Bedürfnisse wirklich gnadenlos runterschrauben. Mir ist es wichtig, mich gesund zu ernähren, und auf kulturelle Veranstaltungen könnte ich nie verzichten. Aber ich lebe nicht über meine Verhältnisse. Ich schleudere kein Geld aus dem Fenster für irgendwelchen Quatsch, den man nicht braucht. Ich käme auch nicht mit Schulden klar. Viele Menschen könnten so nicht leben, weil sie eine gewisse Sicherheit brauchen. Ich habe da auch genügend Gottvertrauen und denke mir: „Irgend etwas wird schon kommen, irgendwie geht es immer weiter!“

Können Sie gut alleine sein?

Ja, ich kann sehr gut alleine sein. Ich liebe es, Zeit für mich zu haben, für Dinge, die mir guttun. Ich male auch gerne, und ich schaue mir auch hin und wieder mal ein klassisches Konzert in der Arte-Mediathek an. Einfach mal in Ruhe Musik hören – ohne nebenher noch zwei andere Dinge gleichzeitig zu tun, das finde ich wirklich total schön und entspannend.

Ihre Mutter hört mit „Bella Block“ auf – und will künftig mehr Zeit mit Ihnen verbringen. Ist das tatsächlich so?

Davon weiß ich noch nichts (lacht). Aber klar, freue ich mich, wenn wir uns öfter sehen. Allerdings wird meine Mutter garantiert nicht aufhören zu arbeiten, da bin ich mir sicher. Sie liebt ihre Arbeit. Sie wird vielleicht etwas kürzertreten, und das ist gut so. Im Moment ist sie auf einer Lesereise. Sie hat also weiterhin gut zu tun.

Was war der wertvollste Rat Ihrer Mutter an Sie?

Sei immer finanziell unabhängig und versuche, dein eigenes Geld zu verdienen. Eine finanzielle Abhängigkeit ist immer furchtbar, egal ob das nun einen Mann betrifft oder eine Frau. Die Rollenverhältnisse in unserer Gesellschaft sind allerdings meistens noch so, dass die Frauen finanziell abhängig sind von ihren Männern. An diesen Rat meiner Mutter habe ich mich gehalten. Klar meinen es Mütter immer gut mit ihren Kindern, dennoch muss man ja seine eigene Linie und Haltung finden im Leben. Die habe ich gefunden, auch Dank meiner Mutter. Sie ist sehr gerade, und das bin ich auch. Das habe ich wirklich von ihr mitbekommen.

Sie unterstützen nach wie vor die Flüchtlingshilfe. Wie wichtig ist Empathie in unserer heutigen Gesellschaft?

Empathie wird immer wichtiger in einer Gesellschaft, die immer egoistischer wird. Wir sollten dankbar sein, dass wir in einem so freien Land leben dürfen. Man sollte sich selbst nicht so wichtig nehmen. Menschlichkeit und Großzügigkeit – und eine große Empathie für andere Menschen, diese Werte habe ich von meiner Großmutter mitbekommen. Ich konnte mitbringen, wen ich wollte. Jeder, der zu uns nach Hause gekommen ist, bekam erst einmal etwas zu essen und ist aufgenommen worden. Meine Oma hatte kein einfaches Leben. Sie hat vier Kinder durch den Krieg gebracht, die Wohnung in Hamburg ist zweimal ausgebombt worden. Es ist ein großes Glück, keinen Krieg erleben zu müssen. Die Ängste kann sich niemand vorstellen. Und trotzdem war meine Oma nie schlecht gelaunt oder hat gejammert.

Wie möchten Sie im Alter gerne leben?

Auf jeden Fall wünsche ich mir, dass ich so lange wie möglich gesund bleibe. Ich will auf keinen Fall in einem Heim vereinsamt und bettlägerig meine letzten Jahre verbringen. Aber ich gebe zu, ich verdränge das Thema. Am liebsten wäre es mir, wenn ich eines Tages einfach tot umfalle.

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